
kicker: Vor einem Jahr wollte Sie der AC Florenz, im August der VfB Stuttgart. Wer hat diesen Winter angefragt, Herr Kacar?
Gojko Kacar: Das ist mir egal, für mich und Hertha stand ein Wechsel jetzt nicht zur Debatte.
kicker: Ganz ehrlich - mussten oder wollten Sie bleiben?
Kacar: Wir sind mit Hertha in einer schwierigen Lage. Jetzt zu gehen, wäre nicht korrekt gewesen.
kicker: Ist die Lage nur schwierig? Oder ist sie aussichtslos?
Kacar: Schwierig.
kicker: Braucht Hertha für die Rettung ein Wunder?
Kacar: Nein, wir brauchen kein Wunder. Wir brauchen harte Arbeit, Konzentration und Selbstvertrauen.
kicker: Was davon hat im Herbst am meisten gefehlt?
Kacar: Das Selbstvertrauen. Man hat sich irgendwann selbst nichts mehr zugetraut und seinem Nebenmann auch nicht.
kicker: Und das ändert sich jetzt?
Kacar: Ich will nicht in die Relegation, sondern auf Platz 15. Wir haben genügend Qualität, um die Liga zu halten.
kicker: Die Bilanz der Hinrunde legt einen anderen Schluss nahe ...
Kacar: Sechs Punkte - das ist eine Katastrophe. Aber so etwas passiert jedem von uns nur einmal im Leben.
kicker: Hertha hat nur 13 Tore geschossen, 39 kassiert: Was macht Ihnen eigentlich mehr Angst?
Kacar: Beides sind schlechte Zahlen - und beides hängt zusammen. Wir haben schlecht verteidigt und schlecht angegriffen. Wir waren überall schlecht.
kicker: Der Klub hat drei neue Spieler geholt. Ihr Landsmann Marko Pantelic, über dessen Rückkehr Hertha nachdachte, war nicht dabei. Sind Sie enttäuscht?
Kacar: Ich bin ein bisschen traurig darüber. Marko Pantelic hätte Hertha helfen können. Er kennt uns, wir kennen ihn. Das hätte ohne Eingewöhnungszeit funktioniert. Aber jetzt müssen wir es ohne ihn hinkriegen. Ich kenne Gekas und Kobiashvili aus der Bundesliga, sie haben Qualität.
kicker: Kobiashvili soll hinten links Ihren Landsmann Nemanja Pejcinovic ersetzen, der als gelernter Innenverteidiger in der Hinrunde auf der Außenposition enttäuschte und am meisten Kritik von allen abbekam. Tut er Ihnen leid?
Kacar: Nemanja ist ein junger Spieler, der Zeit braucht. Er kam in einer schwierigen Phase zu uns. Er sollte uns sofort helfen, aber das ist die falsche Reihenfolge: Zuerst hätten wir ihm helfen müssen. Das hat nicht so gut geklappt.
kicker: Ihr Platz war in der Hinrunde mal das zentrale Mittelfeld, mal der Sturm, mal die Bank. Wo gehören Sie eigentlich hin?
Kacar: Der Angriff ist nicht meine Position. Das habe ich dem Trainer vorm Leverkusen-Spiel im Dezember klar gesagt.
kicker: Hat Friedhelm Funkel Ihren Wert noch nicht erkannt?
Kacar: Er hatte im Herbst keine andere Lösung, deshalb habe ich im Sturm ausgeholfen. Aber ich bin Mittelfeldspieler. Ich denke, dass ich jetzt dort spiele - und will zeigen, was ich wirklich kann.
kicker: Funkel will im Mittelfeld künftig öfter mit Raute und somit nur einem Sechser antreten. Lustenberger war dort zuletzt gut, auch Cicero und Dardai wollen spielen. Droht Ihnen die Bank?
Kacar: Die Bank kann nicht mein Anspruch sein, ich glaube an meine Qualität.
kicker: Warum konnten Sie die in der Hinrunde nur zu Beginn zeigen?
Kacar: Ich bin super in die Saison gestartet und habe dann durch die Verletzung im Frankreich-Länderspiel meinen Rhythmus verloren ...
kicker: ... und unter Funkel bislang nicht mehr gefunden. Hat der Trainerwechsel Ihnen mehr geschadet als genützt?
Kacar: Wenn ein neuer Trainer kommt, kann sich mancher Spieler schnell anpassen, mancher - so wie ich - braucht etwas länger.
kicker: Waren Sie sauer über seine Aussage, bei der serbischen Nationalmannschaft werde "vielleicht bis mittags geschlafen und viel Kaffee getrunken"?
Kacar: Es hat mich geärgert.
kicker: Bleibt da etwas hängen?
Kacar: Ich konnte nicht glauben, dass er das öffentlich gesagt hat. Für mich war wichtig, dass sich Nationaltrainer Radomir Antic öffentlich sofort hinter mich gestellt hat. Aber ich habe dieses Thema abgehakt.
kicker: Im Dezember erlitten Sie gegen Sporting Lissabon eine schwere Knieprellung, im Trainingslager auf Mallorca machen Sie alle Einheiten mit. Wie fit sind Sie?
„Ich denke, dass wir für eine Überraschung sorgen.“Gojko Kacar über die WM-Chancen Serbiens
Kacar: Noch nicht bei 100 Prozent, ich brauche noch ein paar Tage. Aber das Knie ist wieder okay.
kicker: Seit Sie im Januar 2008 von Novi Sad nach Berlin kamen, haben Sie keine Vorbereitung komplett bestritten - wegen Verletzungen, Olympia, der U-21-EM. War das bislang Ihr größtes Problem?
Kacar: Ja, definitiv. Ich brauche für mein Spiel die absolute Fitness.
kicker: Im Sommer kommt mit der WM das nächste Großereignis. Schlägt Serbien Deutschland?
Kacar: Die Gruppe ist hochinteressant. Unsere Mannschaft ist stärker als bei der WM 2006. Ich denke, dass wir für eine Überraschung sorgen.
kicker: Sie stehen bis 2012 unter Vertrag. Wird die Rückrunde Ihr letztes Halbjahr bei Hertha BSC?
Kacar: Genau weiß ich es natürlich noch nicht. Warten wir den Sommer ab.
Steffen Rohr
| Verein | Name | Datum | Position |
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31.01.12
Sturm
Stuttgart: Aufregung nach Wechsel zu Fulham |
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