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07.01.2010, 09:17

Hoffenheim: Klare Worte auch vom Manager

Salihovic klagt an: Uns fehlt die Disziplin

Die Warnung, mit der Ralf Rangnick seine Mannschaft in den kurzen Heimaturlaub entlassen hatte, klang unmissverständlich. "Wer diesmal die Hausaufgaben nicht erledigt, dem droht die größte Strafe aller Zeiten." Wie es scheint, hat das vermeintliche Hochbegabtenensemble zumindest diese Ansage verstanden.

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1899 Hoffenheim: Sejad Salihovic
Klare Worte: Sejad Salihovic gefällt die Einstellung seiner Kollegen nicht.
© imago Zoomansicht

Nach Auswertung der GPS-gesteuerten Pulsuhren verriet Peter Zeidler, der nach der schweren Erkrankung von Rangnicks Vater nach wie vor das Training leitet, dass die individuellen Trainingspläne "sehr gewissenhaft, gründlich und komplett durchgeführt wurden".

In Hoffenheim war dies zuletzt keine Selbstverständlichkeit. "Jeder muss wissen, wann der Urlaub vorbei ist, um fit in die Saison zu gehen. Das haben einige im Sommer nicht gemacht", erläutert Sejad Salihovic. Damals meldete sich eine Handvoll Spieler mit zum Teil erschreckenden Arbeitsnachweisen aus dem Urlaub zurück. Carlos Eduardo hatte es beispielsweise vorgezogen, lieber in Brasilien mit Kumpels am Strand zu kicken. Und diese Episode markierte nur den Anfang einer Reihe von Disziplinlosigkeiten und Reibereien, die in einer - gemessen an den eigenen Ansprüchen - ernüchternden Halbserie mündeten.

An deren Ende stand Platz sieben, für einen Vorjahresaufsteiger ein respektables Ergebnis. Aber es ging einher mit einem signifikanten Leistungsabfall, der nicht allein auf körperliche Probleme der Spieler zurückzuführen ist. Die Schlagworte lauten: fehlende Disziplin, mangelnder Respekt, aufkeimender Egoismus, erloschener Teamgeist. Und diese Mängelliste wiegt umso schwerer, da die Rangnicksche Spiel- philosophie auf aggressiver und kollektiver Balleroberung fußt, die nur durch einen absolut intakten Teamgedanken umzusetzen ist.

"Ab sofort muss die Disziplin wieder an erster Stelle stehen", forderte Salihovic deshalb vor dem Trainingsstart, "in letzter Zeit stimmte einiges nicht bei uns." Die Halbwertzeit dieses frommen Wunsches zeigte sich am Sonntag, als Joe Simunic, Boris Vukcevic und Carlos Eduardo verspätet zum Leistungstest eintrudelten. "Das Problem hat das Team intern geklärt", betont Zeidler. Mit einer Spende in die Mannschaftskasse.

Wir haben unseren Teamspirit verloren. Erlangen wir den nicht zurück, brauchen wir über internationale Plätze nicht zu reden. Und das Gefasel vom Potenzial kann ich nicht mehr hören. Wir müssen wieder eine Mannschaft werden. Sejad Salihovic

Diese jüngste Episode verdeutlicht: Hoffenheim steht an einem gefährlichen Punkt. Das weiß auch Jan Schindelmeiser. "Wir haben nicht mehr den Fußball gespielt, der uns zu einer unverwechselbaren Marke in Deutschland gemacht hat", sagt der Manager. "Unsere Entwicklung ist immer noch Wahnsinn. Das darf man trotz der momentanen Probleme nicht vergessen. Aber wir sind zuletzt aus der Spur geraten."

Bei der Ursachenforschung sieht Schindelmeiser sportliche und psychologische Komponenten. "Viele Spieler waren aus diversen Gründen nicht richtig fit." Aber auch die Art und Weise, wie die Mannschaft auftrat, missfiel ihm. "Man konnte beobachten, dass sich bei einigen das Selbstbild wandelte. Es geht nun darum, das Persönliche hinten anzustellen." Salihovic geht noch weiter: "Wir haben unseren Teamspirit verloren. Erlangen wir den nicht zurück, brauchen wir über internationale Plätze nicht zu reden. Und das Gefasel vom Potenzial kann ich nicht mehr hören. Wir müssen wieder eine Mannschaft werden."

Für die Rückrunde will der Manager deshalb "klare Orientierungshilfen" ausgeben. Konkret wünscht er sich Verbesserungen, was "Disziplin, Pünktlichkeit, Arbeitsauffassung auf dem Trainingsplatz, akribische Umsetzung von Hausaufgaben und den respektvollen Umgang miteinander betrifft". Vermehrt hatte es zuletzt unter den Spielern rumort. Sei es wegen der laxen Trainingseinstellung eines Carlos Eduardo, der Nichteinhaltung von Essenszeiten am Spieltag, der mangelnden Kritikfähigkeit des einen, der Respektlosigkeit eines anderen oder auch aufkommender Cliquenbildung.

"Trotz wenig überragender Leistungen zuletzt bin ich optimistisch, in die Spur zu finden", sagt Schindel- meiser. "Das Team in seiner jetzigen Konstellation genießt unser vollstes Vertrauen." Noch.

Uwe Röser

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07.01.2010, 09:17
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