Lehmann war unmittelbar vor seinem Revanchefoul an Aristide Bancé hart vom Stürmer aus Burkina Faso angegangen worden. Wie sich später herausstellte, verletzte sich der 40-Jährige bei dem überharten Einsteigen von Bancé in der 80. Minute, zog sich eine Innenbandzerrung mit Gelenkkapseleinriss und einen Bluterguss im linken Knie zu. Wohl auch ein Grund, warum Lehmann in der 88. Minute alle Sicherungen durchbrannten: Nach einer abgefangenen Flanke ging der VfB-Schlussmann auf Bancé zu und trat ihm auf den Fuß. Die Folge: Rot, Elfmeter, Ausgleich - und nun die folgerichtige Sperre für drei Spiele.
Somit wurde Lehmann wegen einer Tätlichkeit gegen den Gegner in einem leichteren Fall verurteilt. Einen Protest, der am Mittwoch noch im Raum stand, wird es seitens der Stuttgarter nicht geben. Zudem habe der Torhüter eine Geldstrafe und Abmahnung durch den VfB Stuttgart akzeptiert. Dies teilte Horst Heldt, der Sportdirektor der Schwaben, mit. Es habe am Donnerstag ein Gespräch zwischen Lehmann, Trainer Christian Gross und ihm stattgefunden.
"In dem Gespräch sind die Sachen aus dem Weg geräumt worden. Er hat die Geldstrafe und die Abmahnung akzeptiert", sagte Heldt nach einem erneuten Treffen mit dem Torhüter, dem auch der neue Trainer Christian Gross beiwohnte.
"Er ist sehr differenziert. Aber ein bisschen mehr Gelassenheit würde ihm gut zu Gesicht stehen", gab Gross seinem Schlussmann mit auf dem Weg.
Am Donnerstagabend zeigte sich Lehmann in der TV-Sendung "Kerner" reumütig. "Es tut mir vor allem für die Mannschaft leid, wir hätten drei Punkte holen können, die wir verdient gehabt hätten - jetzt haben wir nur einen Punkt und das durch meine Aktion, die ich hätte vermeiden können", so der ehemalige Nationalkeeper.
Er bestätigte zugleich, dass er die Geldstrafe für seine öffentliche Kritik am Vorstand zahlen werde sowie die schriftliche Abmahnung akzeptiert. Die Geldstrafe werde er "natürlich bezahlen", "auch wenn es eine andere Summe ist als die, die immer genannt wird". Sie sei aber sehr hoch.
Nach seinem Fehltritt auf dem Platz wurde er später auch noch gegenüber einem Fan handgreiflich. Dem VfB-Anhänger riss er vor dem Stadion die Brille von der Nase und sorgte so zum wiederholten Male für helle Aufregung und Diskussionen. "Der Fan hat meiner Meinung nach nicht das Recht, mich direkt nach dem Spiel so zu konfrontieren - meine Reaktion war aber auch nicht richtig. Ich wusste einfach in dem Moment nicht, wie ich ihn sonst zum Schweigen bringen soll. Es war nicht passend", sagte er.
Lehmanns Verteter wird in den kommenden drei Spielen aller Voraussicht nach Sven Ulreich sein. Der 21-Jährige, der seit zehn Jahren für den VfB spielt, wurde in der Schlussphase des Mainzer Spiels eingewechselt und absolvierte damit seinen ersten Bundesligaeinsatz in der laufenden Spielzeit. In dieser Runde kam er vornehmlich bei den Drittliga-Amateuren der Schwaben zum Zug, spielte bisher achtmal für das Team von Trainer Reiner Geyer. Im vergangenen Jahr stand er in allen 36 Partien in der damals neu gegründeten 3. Liga im Tor der Stuttgarter.
Insgesamt kann der 1,92-Meter große Ulreich auf zwölf Bundesliga-Spiele zurückblicken. In der Spielzeit 2007/08 löste er zwischenzeitlich den damaligen Stammkeeper Raphael Schäfer ab. Damals hielt Ulreich ordentlich, kam in den elf Spielen dieser Saison auf einen kicker-Notenschnitt von 3,23.
Danach wird wohl Lehmann ins Tor zurückkehren - und sogleich auf seinen Ex-Verein Borussia Dortmund treffen. Ein Hexenkessel wie in Mainz bleibt ihm aber erspart. Die Stuttgarter haben ein Heimspiel.
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