Nürnberg: Argentinier will sich nicht mit Abstieg verabschieden
Auch Pinola startet einen Weckruf
Trainer Michael Oenning schickte die beiden frühzeitig zum Duschen. Abkühlung tat Not, doch verrät es, was den Aufsteiger derzeit in der Bundesliga nicht dauerhaft stabil erscheinen lässt.
Der 26-jährige Pinola hatte im Dienstagtraining den 22-jährigen Vidosic mehrfach im Zweikampf gestellt, und da der Linksverteidiger jederzeit als argentinische Ausgabe des Vogts'schen Terriers durchgeht, kann man sich vorstellen, wie das ausgesehen haben mag. Die Kiebitze am Valznerweiher Trainingsgelände dürften in diesem kleinen Zwischenfall das Kernproblem der sportlichen Tristesse seit dem glanzvollen Auswärtssieg bei Meister Wolfsburg gesehen haben.
Was ein Zweikampf im Training bedeutet
Auf der einen Seite ein Spieler wie Pinola, seit 2005 bei den Franken und Publikumsliebling, der auch im Training sein Herzblut gibt, um einen erneuten Abstieg zu vermeiden. Auf der anderen Seite mit Vidosic ein Spieler, der aufgrund seiner weniger körperbetonten Spielweise für den Abstiegskampf nur bedingt prädestiniert scheint. "Wir dürfen nicht so locker trainieren. Sonst spielen wir auch so. Ich sage nichts gegen Mitspieler, aber wir müssen uns immer den Hintern aufreißen", so Pinola gegenüber der Nürnberger Abendzeitung.
Am vergangenen Samstag, als die Nürnberger in Dortmund wie geschlagene Hunde vom Platz schlichen, platzte schon Kapitän Wolf der Kragen und verwendete im kicker-Interview fast die selben Worte wie Pinola. "Die Trainingsleistung spiegelt sich auf dem Platz wider. Das war nicht nur diese Woche so, sondern schon länger. Jeder muss sich reinhängen ackern", fauchte der 27-jährige Abwehrmann in den Stadionkatakomben.
Wolf und Pinola wollen ihre Kollegen wachrütteln. Die beiden sind große Identifikationsfiguren beim Club, gerade der Argentinier und Pokalsieger von 2007 will sich nicht mit einem Abstieg aus Franken verabschieden. Dass der Abwehrmann, dessen Vertrag am 30. Juni 2010 ausläuft, nicht noch einmal mit in die 2. Liga gehen würde, ist allen klar, die Pinolas sportlichen Wert und die finanziellen Möglichkeiten des Club kennen.
In der vergangenen Saison realisierten die Nürnberger mit einem finanziellen Kraftakt den Aufstieg im Schlusspurt der Relegation. Und machten ein Minus von über 5 Millionen Euro im abgelaufenenen Geschäftsjahr. Eine Wiederholung eines solchen Kraftaktes für den Fall des Abstieges erscheint ausgeschlossen - mit der Folge eines radikalen Umbruches innerhalb des Profi-Kaders. Stützen wie Pinola, Wolf, Schäfer, Diekmeier oder Bunjaku wären dann trotz teilweise laufender Verträge schwer zu halten bzw. zu finanzieren.
"Meine Frau und ich möchten gerne hier bleiben. Aber der Verein muss entscheiden, ob ich bleiben soll." Javier Pinola
Pinola sieht dieses Szenario auf "seinen" Club zukommen. "Meine Frau und ich möchten gerne hier bleiben. Aber der Verein muss entscheiden, ob ich bleiben soll", sagt der in Nürnberg heimisch gewordene Linksverteidiger, dem freilich nicht entgangen ist, dass er bei mehreren Erstligisten auf dem Zettel steht. Die Nürnberger Verantwortlichen würden lieber heute als morgen mit dem Defensivmann verlängern.









