Berlin: Hertha weiter im freien Fall
Funkel im Teufelskreis
Turbulente Stunden werden am heutigen Montagabend erwartet. Zur Mitgliederversammlung hat Hertha vorsorglich schon mal doppelt so viele Sicherheitskräfte wie im Vorjahr ins ICC einbestellt. Denn es brodelt an der Basis. Der sportliche Offenbarungseid beim 1:3 gegen Frankfurt, dieser erschütternde Auftritt, hat Berlin schon nach 14 Spieltagen fast jede Hoffnung genommen, diese so bittere Saison könnte noch ein versöhnliches Ende finden.
Und der Zorn der Mitglieder richtet sich gegen jene, die den Verein innerhalb von sieben Monaten von einem Titelanwärter in einen nahezu sicheren Abstiegskandidaten zugrunde gerichtet haben. Gegen das Präsidium um Werner Gegenbauer und den Aufsichtsrat um Bernd Schiphorst liegen Abwahlanträge vor. Dass sich tatsächlich die nötige Dreiviertel-Mehrheit zu einer Abwahl und damit zum totalen Führungschaos findet, ist schwer vorstellbar, auch wenn sich beide Gremien gravierende Fehler geleistet haben. Vor allem haben sie im Sommer ihre Kraft lediglich darauf verschwendet, Dieter Hoeneß ein Jahr vor Vertragsende aus dem Amt zu drängen.
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Hertha kann nicht tiefer fallen
Mit ihrer Entscheidung, die sportliche Verantwortung in die Hände des unberechenbaren Trainers Lucien Favre und des Manager-Lehrlings Michael Preetz zu geben, steuerten die Bosse ungeachtet aller auch vom kicker frühzeitig geäußerten Bedenken in ein Himmelfahrtskommando. Gegenbauer und Preetz werden sich heute erklären müssen. Vom Manager erwarten die Mitglieder Antworten auf die Frage, warum von acht Neuzugängen kein einziger die Mannschaft weitergebracht hat. Und vom Präsidenten wollen sie wissen, wie Hertha so tief fallen konnte - und wie der Absturz in die 2. Liga vermieden werden soll.
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"Sie wollen Antworten haben, wie es weitergeht", weiß Gegenbauer, der von einer "sehr, sehr ernsten Situation" spricht und nach dem Debakel forderte: "Natürlich werden aus diesem Auftritt Konsequenzen gezogen werden." Welche, ließ er offen, Preetz und Favres Nachfolger Friedhelm Funkel jedenfalls sind davon nicht betroffen: "Ich bin fest davon überzeugt, dass sie es schaffen werden, die Mannschaft aus dem Tief zu führen."
Aber wie? Die Wirkung des Trainerwechsels ist längst verpufft. Der Neue hat in den sieben Spielen nur zwei Pünktchen geholt, einen weniger als sein Vorgänger in den ersten sieben Spielen. Am Sonntag war bei dem im Abstiegskampf zigfach erprobten Funkel wenig zu sehen von dem Optimismus, den er bis zum Debakel gegen seinen Ex-Verein ausgestrahlt hat.
Natürlich werden aus diesem Auftritt Konsequenzen gezogen werden. Hertha-Boss Werner Gegenbauer
Funkel weiß, dass er im Teufelskreis steckt. Der aktuelle Kader hat sowohl in der sportlichen wie auch in der hierarchischen Zusammensetzung gravierende Mängel, es fehlt an tauglichen Außenverteidigern und Stürmern, es mangelt an Führungsspielern und Abstiegskämpfern. Im Winter darf Funkel zwei Neue holen, aber welche potenzielle Verstärkung geht zu einem Verein, der schon nach der Hinserie ohne Perspektive ist? Und danach sieht es angesichts des Restprogramms auf Schalke, gegen Leverkusen und beim FC Bayern aus.
Der Abstieg scheint unausweichlich, und damit steuert der mit aktuell 33 Millionen Euro verschuldete Verein in eine existenzbedrohende Situation. Hertha steht erst am Beginn der Krise.
Oliver Hartmann
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