Dortmund: Erstes Wiedersehen mit Mainz
Klopps Rendezvous mit der Geschichte
Mainz war ein Teil seines Lebens, ein bedeutender dazu, und weil es nach der Trennung im Mai 2008 am nächsten Samstag zum ersten Rendezvous mit seiner Geschichte kommt, stellt der jetzt bei Borussia Dortmund beschäftigte Fußball-Lehrer fest, dass es "außenherum völlig anders" sei als sonst, "ich werde anders gefragt und anders behandelt". Selbst ihn, den mit allen Begehrlichkeiten der Medienwelt vertrauten Trainer, überrascht das: "Selten bin ich schon eine Woche vor einem Spiel auf das nächste angesprochen worden."
zum Thema
Zahlen liefern dabei mehr als nur einen Erklärungsansatz für das brennende Interessse an der Aufarbeitung einer wegen ihrer Dauer und wegen ihrer Intensität ungewöhnlichen Partnerschaft. 610 Spiele bestritt Klopp für Mainz. 340 absolvierte er als Aktiver (56 Tore), womit er in der ewigen Bestenliste des Vereins auf Platz 2 hinter Rekordhalter Dimo Wache (bisher 406 Einsätze) liegt, 270 folgten als Trainer (109 Siege, 78 Unentschieden, 83 Niederlagen). "Ich habe immer alles für diesen Verein gegeben", beteuert er, "aber das tue ich jetzt für den BVB auch. Und da ich mich nicht teilen kann, ist das eine die Erinnerung und das andere die tägliche Realität."
Heute trägt Klopp einen schwarz-gelben Chip auf seiner Festplatte, er sei längst in Dortmund angekommen, sagt er, hier soll er eine neue Ära begründen. Mindestens bis 2012 läuft sein Vertrag bei der Borussia, wo das Vertrauen in seine Person auch unter dem Rumpelstart in diese Saison (Platz 15 nach 7 Spielen) keinen Schaden nahm. Messbare Kritik regte sich nur extern, aber nach zuletzt elf Punkten in fünf niederlagenlosen Spielen sind diese Kritiker längst wieder in sichere Deckung gegangen.
Thomas Tuchel (36), dem Nachfolger seines Nachfolgers Jörn Andersen (46), ist Klopp nur ein einziges Mal begegnet, und auch das nur zufällig. Mainz stehe dafür, dass "ungewöhnliche Entscheidungen durchaus erfolgreich sein können", unterstreicht Klopp, "deshalb haben sie Tuchel die Chance gegeben, und er nutzt sie beeindruckend. Seine Mannschaft spielt erfolgreich. Um mehr geht es im Fußball nicht." Es störe ihn nicht sonderlich, dass er ständig mit dem Senkrechtstarter unter Deutschlands Bundesliga-Trainern verglichen werde, sagt er. Was ihm aber gegen den Strich geht, ist, "dass in fast jedem Artikel über Mainz heute noch mein Name auftaucht".
Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund
Thomas Tuchel: Selbstbewusst und bescheiden
Die Spiele des Ex-Klubs hat Klopp in der 2. Liga "deutlich mehr verfolgt" als nach dem Wiederaufstieg. "In dieser Woche werde ich noch einige gucken", kündigt er nun an, "aber nicht, um bei einem Tor die Faust zu ballen, sondern um die Frage zu beantworten: Warum haben sie es geschossen?"
Was Klopp beim samstäglichen Wiedersehen im Signal-Iduna-Park plant: "Wenn wir ein Tor schießen, jubele ich. Schießen wir zwei, jubele ich noch mehr. Und wenn wir eines kriegen, rege ich mich auf." Das tut er immer. Unabhängig vom Gegner.
Thomas Hennecke
weitere News und Hintergründe
- Youngster Schmelzer im Aufwind (11.03.2010 15:11)
- "Besser kann man nicht spielen" (08.03.2010 12:53)
- Klarer Kurs mit Kapitän Kehl (04.03.2010 21:00)
- Hummels und Bender fallen aus (01.03.2010 18:40)
- HSV/BVB: Zur Kasse, bitte! (25.02.2010 11:47)
- Owomoyela piesackt den Rivalen (23.02.2010 09:47)
- Klopps Forderung: "Hellwach sein! Augen auf! Lampen an!" (18.02.2010 12:03)
- Video: "Wollen wir da wirklich hinfahren?" (12.02.2010 10:25)
- "Das kannte ich von mir nicht" (11.02.2010 20:36)
- Kehl sieht wieder Licht (04.02.2010 14:58)












