
Am Mittwochabend fand sich in der Innenstadt eine große Trauergemeinde in der Marktkirche ein, den ökumenischen Gottesdienst im Beisein der Spieler und Funktionäre von Hannover 96 und einiger Vertreter von DFB und der Nationalelf hielt Margot Käßmann, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. Anschließend setzte sich ein Trauermarsch zum Stadion in Bewegung, dort wurden 18 Kondolenzbücher bereitgelegt.
Die Spieler, einige wohnten wortlos der gestrigen Pressekonferenz bei, beschlossen wie der Trainerstab um Andreas Bergmann, bis auf Weiteres keine öffentlichen Stellungnahmen abzugeben. "Alle sind betroffen und sprachlos", teilte 96-Pressesprecher Andreas Kuhnt mit. Und auch Verzweiflung und Zorn mischt sich in die Gemütslage. "Wenn man tagtäglich mit einem Menschen zu tun hat und ihm so oft ins Gesicht schaut", so Manager Jörg Schmadtke, "dann fragt man sich an solch einem Tag schon: Ist man blind? Hat man Dinge übersehen?"
Den Spielern überließ der Klub für die nächsten Tage selbst, ob sie individuell trainieren wollen. Ein ärztlicher und psychologischer Beistand wird angeboten, "um jeden Einzelnen bei seiner Trauer zu begleiten", so Schmadtke. Ein Mittwoch geplantes Testspiel in Dollbergen in der Region Hannover wurde - wie auch ein für Samstag vorgesehenes Gastspiel des VfL Wolfsburg beim OSV Hannover - abgesagt. Erst am Montag soll nach den Worten Kuhnts "versucht werden, wieder ein einigermaßen reguläres Training durchzuführen". Ob es am dann folgenden Wochenende wirklich zur Bundesligabegegnung beim FC Schalke 04 kommt, klärt sich erst nächste Woche. Eine Absage ist nicht ausgeschlossen. Schmadtke: "Wenn es ein Resultat unserer Eindrücke ist, dass wir nicht Fußballspielen können, würden wir das gegenüber der DFL auch so kommunizieren."
Am Donnerstag erklärte Schmadtke gegenüber dem sid: "Ich werde mit der DFL sprechen. Es ist aber nicht richtig, dass wir derzeit konkret über eine Verlegung nachdenken." Momentan habe er aber nicht das Gefühl, dass die Mannschaft für ein Bundesligaspiel bereit wäre. Das Ganze habe die Spieler "umgehauen", so Schmadtke weiter.
Unabhängig davon werde laut Schmadtke trotz aller Trauer angestrebt, nach und nach "zum Alltagsgeschehen und zur Normalität zurückzufinden". Dazu gehöre auch, beizeiten einen dritten Mann für die Torwartpositionen, die vorerst von Florian Fromlowitz (23) und Morten Jensen (22) besetzt werden, zu finden.
Auf lange Sicht jedoch steht die große Trauer um den Verlust von Robert Enke im Mittelpunkt. Für Sonntag ist eine öffentliche Trauerfeier im Stadion in Hannover geplant. Anschließend soll der Sarg nach Empede, nördlich von Hannover, überführt werden. Dort wird Enke im engsten Kreis beigesetzt, im Familiengrab findet er seine letzte Ruhestätte.
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