Zuvor passierte in dem siebenstündigen Sitzungsmarathon die beabsichtigte Satzungsänderung das Gremium problemlos. Mit einigen kleinen, aber entscheidenden Änderungen zwar, aber die dafür benötigte Dreiviertelmehrheit wurde locker erreicht. Das ehrenamtliche Präsidium steht damit vor seinem letzten Jahr an der Spitze des Vereins, wird dann abgelöst von einem zwei- bis dreiköpfigen Vorstand, den der Aufsichtsrat einsetzt und kontrolliert. Bedeutet konkret: Ab dem nächsten Herbst werden nach dem jetzigen Stand Sportdirektor Martin Bader und Geschäftsführer Ralf Woy ganz offiziell das machen, was sie jetzt bereits weitestgehend tun: die Geschicke des Vereins lenken.
Und das wird ein Knochenjob, denn die finanzielle Situation des Vereins ist alles andere als rosig - da mochte Ralf Woy zur fortgeschrittener Stunde das mit einem satten Minus von 5,8 Millionen Euro abgeschlossene Geschäftsjahr noch so eloquent in eine beschönigende, beschwichtigende Hülle verpacken. "Keine Panik", rief er den Mitgliedern zu, "das war eingeplant und schockiert uns nicht." So manch einem Mitglied ist der Schreck dennoch gehörig in die Glieder gefahren, denn ein Jahr zuvor hatte die Führung des FCN bei der gleichen Veranstaltung nichts dergleichen anklingen lassen. Da war sogar die Rede davon gewesen, das laufende Geschäftsjahr eventuell mit einer schwarzen Null beenden zu können.
Zu jenem Zeitpunkt aber war besagtes Ziel bereits Utopie - mit der nachvollziehbaren Entscheidung im Sommer, den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen und mit einem Kader ins Zweitliga-Rennen zu gehen, in dem gut die Hälfte Verträge zu Erstliga-Konditionen besaß, war ein Minus bereits ausweichlich. Im Nachhinein sprach Ralf Woy nun davon, dass "wir ein vertretbares finanzielles Risiko eingegangen sind", und davon, dass der Erfolg, sprich Aufstieg, "uns recht gibt".
„Der ein oder andere, der nicht wie gewünscht zum Zuge kommt, wird auf uns zukommen und gehen wollen“Rolf Woy zu möglichen Spielerabgängen
Wohl wahr, der Preis ist freilich ein hoher - der finanzielle Spielraum steckt den Franken nunmehr unmittelbar wie auch mittelfristig verdammt enge Grenzen. Siehe Winterpause. Da wollte der FCN, wie Sportdirektor Marin Bader vor Saisonstart mehrfach ausführte, im Notfall Korrekturen am Kader vornehmen. Neue Spieler können nun aber nur kommen, wenn gleichzeitig Mitglieder des derzeitigen Kaders gehen. "Der ein oder andere, der nicht wie gewünscht zum Zuge kommt, wird auf uns zukommen und gehen wollen", sagt Woy. Nur: Ob Akteure jenes Kalibers sonderlich begehrt sein werden, ist eine andere Frage. "Wenn im Winter Neue kommen, werden hinter ihnen immer ein Fragezeichen stehen", schiebt Martin Bader bereits jenen Visionen einen Riegel vor, in denen gestandene Akteure mit einer mehr oder minder großen Verstärkungsgarantie vorkommen.
Soweit zur unmittelbaren Zukunft, nun zur mittelfristigen: da droht sich die Finanzlage trotz 29 000 abgesetzten Dauerkarten und sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelten TV-Einnahmen weiter zuzuspitzen. Ralf Woy stellte bei seinem Bericht in Aussicht, das laufende Geschäftsjahr mit einem ausgeglichenen Geschäftsergebnis oder gar einem kleinen Plus abschließen zu können. Nur, welch großen Anstrengungen dazu nach dem momentanen Stand notwendig sein werden, machten erst die Ausführungen von Klaus Schramm, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, deutlich. Nach seinen Worten zeichnet sich ab, dass der FCN auch das laufende Geschäftsjahr mit einem Minus abschließen wird. Zahlen nannte zwar keiner aus dem Aufsichtsrat offiziell, doch das Gerücht von einem deutlichen Millionenloch drehte hartnäckig seine Runden.
Fakt ist, dass Klaus Schramm der Vereinsführung ins Stammbuch schrieb, "außerordentliche Gewinne oder Transfererlöse zu erzielen". Da ersteres aufgrund des Aus im DFB-Pokal und im Angesicht der Wirtschaftskrise höchst unwahrscheinlich ist, bedeutet dies: Am Ende der Saison muss der Club einen Leistungsträger verkaufen - und sollte er die Liga nicht halten, muss er sich wohl von allem trennen, was Rang und Namen hat.
Christian Biechele
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