"Nur knapp 29 000 Zuschauer zum ersten Spiel - da sieht man, wie hier die Stimmung ist." Diese, so fügte stellvertretend Christian Schulz hinzu, könne nur über Erfolge verbessert werden. "Eine andere Möglichkeit gibt es nicht für uns."
Doch daran, dass mit diesen Mitteln und unter diesen Umständen eine Siegesserie möglich ist, glaubt niemand ernsthaft. Neun Ausfälle, darunter ein halbes Dutzend mit dem Zeug zum Platz in der Stammelf, zählte Dieter Hecking diesmal. "Während andere Klubs sich einspielen, müssen wir improvisieren", klagte der Trainer, der die Personalmisere zu Recht ansprach, sie aber nicht als Entschuldigung anführte.
Zum größten Knackpunkt entwickelt sich immer mehr die negative Grundstimmung in Hannover. "Und dieses 1:1 trägt nicht zur Beruhigung bei", weiß Manager Jörg Schmadtke. "Wir haben hier nicht den zweiten, sondern den 36. Spieltag. Wir schleppen die Probleme der letzten Saison mit uns mit."
Eines dieser Probleme ist Dieter Hecking, oder genauer: Das, was mit dem Trainer geschieht. Hecking scheint unten durch - in Teilen des Umfelds, wie entsprechende Rufe von den Rängen belegen. Aber auch in der Mannschaft? Groteske Züge nahm die Meinungsmache vor dem Mainz-Spiel an. "Ein Spielerberater hat einem Fernsehsender berichtet, der Mannschaftsrat habe bei Jörg Schmadtke in dieser Woche meine Ablösung gefordert", machte Hecking selbst den Vorgang öffentlich. "Die Geschichte stimmt nicht", wies Arnold Bruggink, stellvertretender Mannschaftsführer, das Gerücht zurück. Fakt ist jedoch: Nach der Pokal-Pleite in Trier (1:3) gab es vor knapp zwei Wochen tatsächlich ein Gespräch mit den Mannschaftsvertretern. "Da haben wir die Gesamtsituation kritisch-konstruktiv analysiert", bestätigt Schmadtke. Auch das Thema Trainer stand dabei offenbar mit auf der Tagesordnung.
Finale Schlüsse zieht der Manager noch nicht, aber noch intensiver beobachtet er seither sämtliche Entwicklungen, versucht die Strömungen innerhalb und außerhalb des Klubs zu filtern und zu bewerten. Dabei spitzt sich für den 45-Jährigen in Bezug auf Dieter Hecking die Frage "Wende oder Ende?" zu.
Für das nächste Auswärtsspiel in Nürnberg gibt es von Schmadtke, dem vom mächtigen Klubboss Martin Kind viel Entscheidungsgewalt übertragen wurde, auf jeden Fall Garantien. "Hecking wird auf der Bank sitzen." Dabei könne es auch bis zum Saisonschluss, wenn des Trainers Vertrag endet, bleiben, so der Manager. Dann aber der kleine Zusatz: "Eventuell "
Schmadtke, der gerne offen und ohne Umschweife spricht, hasst es, von vermeintlichen Wortklaubern auf dieserlei Feinheiten festgenagelt zu werden. Doch geben eben jene Nuancen einen kleinen Einblick in den Zwiespalt eines Mannes, der sich nicht von außen treiben lassen will, aber dennoch bald intern zum Handeln gezwungen sein könnte.
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Abwehr
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28.05.12
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