kicker: Herr Borowski, welche Gefühle kamen auf bei der 2:5-Niederlage mit Bayern gegen Werder letzte Saison?
Tim Borowski: Oh je, es war die bitterste Niederlage überhaupt. Wir sind vorgeführt worden.
kicker: Und Tim Borowski hat noch zwei Tore gemacht gegen seinen Stammverein Bremen.
Borowski: Alles nur Beiwerk, nicht wirklich eine Ergebniskorrektur. Eine komische Situation.
kicker: Damals haben Sie sich dezent gefreut. Was machen Sie, wenn Sie am Samstag gegen Ihren Ex-Klub erfolgreich sein sollten?
Borowski: Ich werde mich genauso verhalten. Es gehört zum Ehrenkodex, dass man keine Jubelarien veranstaltet.
kicker: Ist es möglich, dass Werder ein solches Spiel in München wiederholt?
Borowski: Alles ist möglich, obwohl es vor einem Jahr schon ein außergewöhnliches Spiel war.
kicker: Sie haben die Vorbereitung bei den Bayern bestritten. Ist die Elf stärker als vor einem Jahr?
Borowski: Sie spielt jedenfalls taktisch sehr diszipliniert, agiert sehr orientiert auf Ballbesitz. Es herrscht Disziplin - neben und auf dem Platz.
kicker: Ist die Mannschaft nicht mehr so stark abhängig vom Individualisten Ribery?
Borowski: Zuletzt lag der Fokus stark auf Ribery, der für Weltklasse steht. Nun ist es nicht so extrem. Wenn er ausfällt, kann dies durch das neue System mit der Raute besser aufgefangen werden.
„Ich habe das Gefühl, dass schon jetzt alles von außen infrage gestellt wird. Alles wird schlechtgeredet. Es herrscht ein anderes Klima in Bremen.“Tim Borowski
kicker: Neues System auch bei Werder: Doppelsechs statt Raute. Hat die Elf die neue Ausrichtung noch nicht begriffen?
Borowski: Die Systemfrage wird zu hoch veranschlagt. Die Niederlage gegen Frankfurt lag nicht daran. Wir haben das System noch nicht optimal umgesetzt. Wir müssen kompakter stehen, jeder muss mitarbeiten.
kicker: Abwehrschwächen, speziell wegen des Ausfalls von Naldo, waren unübersehbar. Haben Sie Angst vor Bayern?
Borowski: Naldo steht für besondere Qualität. Hoffentlich wird er fit. Ansonsten müssen wir, wie in der Vergangenheit, versuchen, die Ausfälle zu ersetzen.
kicker: Ihr Debüt hatten Sie sich sicher anders vorgestellt?
Borowski: Natürlich, ich war nicht zufrieden, zumal wir nicht erfolgreich waren.
kicker: Haben Sie Unterschiede zu früher erlebt?
Borowski: Ja, ich habe das Gefühl, dass schon jetzt alles von außen infrage gestellt wird. Alles wird schlechtgeredet. Es herrscht ein anderes Klima in Bremen.

kicker: Was ist mit Bremen in dieser Spielzeit möglich?
Borowski: Das Problem im alten Jahr waren die vielen Sperren und Verletzungen. Davon müssen wir verschont bleiben. Dann können wir uns einen internationalen Platz ausrechnen.
kicker: Schon ganz in der neuen Werder-Sprachregelung verhaftet: Vom Titel oder der Champions League ist nicht mehr die Rede.
Borowski: Die Dichte an der Bundesliga-Spitze ist halt extrem. Auch die Münchner sind nicht mehr der ganz klare Favorit.
Interview: Hans-Günter Klemm
München gegen Schalke - wie gehts aus?(11529 Teilnehmer)
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