Von acht Abgängen schmerzt der von Markus Feulner (BVB) am meisten. Hoffnungsträger ist Andreas Ivanschitz (Panathinaikos), der für kreative Momente und Spielkultur sorgen soll. Zwei weitere Neuzugänge, der als Führungsspieler verpflichtete Eugen Polanski (Getafe) sowie Filip Trojan (St. Pauli), fallen zum Start aus. Zudem hat der ägyptische Nationalspieler Gamal Hamza (Zamalek) konditionelle Rückstände. Ob sich Keeper Heinz Müller (Barnsley) gegen Dimo Wache durchsetzt, ist fraglich. Ein Gewinn ist der von den A-Junioren aufgerückte André Schürrle.
Auf die 35 Tore gegen vier unterklassige Teams folgte ein 1:1 (St. Pauli), ein blamables 1:4 (Burghausen) und ein 2:0 gegen Österreichs Drittligisten Grödig. Weil verletzungsbedingt viele Spieler fehlten, hatten diese Tests wenig Aussagekraft.
In dem erfahrenen Kader tummeln sich 14 Nationalspieler, Erstligaeinsätze haben 15 Profis. Hoogland, Bungert, Polanski, Schürrle sind Talente mit Entwicklungspotenzial. Personell stellen sich viele Fragen: Kann Ivanschitz sofort helfen, obwohl er ein Jahr ohne nennenswerte Spielpraxis war? Schaffen die Langzeitverletzten Borja, van der Heyden, Gunkel und Rose den Anschluss? Wann sind die operierten Polanski, Trojan, Baljak und Amri fit?

Optionen sind ein 4-4-2-System mit Doppelsechs im Mittelfeld sowie ein 4-2-3-1 oder der Tannenbaum (4-3-2-1). Dem Trainer schwebt ein kompaktes Defensivverhalten vor sowie schnelles Umschalten in beide Richtungen. Damit das gelingt, müssen sich das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft, das Pressing und die Balance zwischen Offensive und Defensive verbessern. In der 2. Liga mangelte es an individual- und gruppentaktischen Automatismen und einstudierten Spielzügen.
Gehobenes Bundesliganiveau verkörpert Mainz auf alle Fälle mit seiner einzigartigen Fankultur. Und auch durch das ruhige Umfeld, die erstklassige Infrastruktur samt der Ende 2010 fertiggestellten neuen Arena sowie den Gewinn der deutschen A-Junioren-Meisterschaft findet der Trainer trotz bescheidenem Personaletat (15 Millionen Euro) nahezu optimale Rahmenbedingungen vor. Um fußballerisch in der Eliteliga zu bestehen, muss Andersen, der mit dem Aufstieg das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigte, seine Mannschaft in erster Linie taktisch weiterentwickeln. Das von Manager Heidel ausgegebene Ziel lautet Klassenverbleib.
Wegen der vielen Ausfälle zu Saisonbeginn ist es umso wichtiger, dass die Mannschaft die Aufstiegseuphorie mitnimmt und als Gesamtgebilde funktioniert. Gelingt das nicht, droht Mainz der Abstieg. Anders als in der 2. Liga lassen sich die Defizite kaum über individuelle Qualität kaschieren.
Uwe Röser
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