kicker: Zé Roberto, seit Donnerstag sind Sie im Trainingslager. Kennen Sie schon alle Mitspieler?
Zé Roberto: Die meisten schon, ich arbeite daran.
kicker: Was fällt Ihnen schwerer - sich auf die neuen Kollegen einzustellen oder sich körperlich in Topform zu bringen?
Zé Roberto: Mir wird beides gut gelingen. Körperlich hatte ich eigentlich noch nie Probleme. Mir fehlt zwar eine Woche Vorbereitung, aber ich habe mich in Brasilien mit Läufen fit gehalten. Ich arbeite auch immer im Urlaub. Laufen und Fitnesstraining gehören für mich einfach dazu.
kicker: Ist das Ihr Erfolgsgeheimnis im fortgeschrittenen Fußballeralter? Es war zu lesen von wenig Samba, guter Ernährung, keinem Alkohol und viel Schlaf.
Zé Roberto: Ja, ich denke, das ist so. Auch ich war jung und habe viel ausprobiert. Aber ich habe herausgefunden, was gut für mich ist.
kicker: Sind auch Deutschland und die Bundesliga gut für Sie? Mehrere Klubs hatten mit lukrativen Offerten gelockt, unter anderem Manchester City.
„"Die Premier League reizt mich nicht, sie ist zu brutal."“
Zé Roberto: Ja, Deutschland ist gut für mich. Und für meine Familie. Alle unsere drei Kinder sind hier geboren, wir haben gemeinsam entschieden, dass wir weiter hier leben wollen. Wir wollten nicht nach England, wollten nicht dort leben. Und auch die Premier League reizt mich nicht. Sie ist mir zu brutal.
kicker: Was gefällt Ihnen an Deutschland?
Zé Roberto: Ich mag die deutsche Pünktlichkeit.
kicker: Wie bitte?
Zé Roberto: Ja, wirklich.
kicker: Sind Sie ein echter Brasilianer oder ein halber Deutscher?
Zé Roberto: Nein, ich denke nicht, dass ich ein halber Deutscher bin. Ich bin schon zu 100 Prozent Brasilianer, aber ich habe in den vielen Jahren vieles übernommen für mein Leben, habe viel von den Deutschen gelernt. Es ist nicht nur die Organisation in den Vereinen, es ist auch die Organisation im Leben, die Sicherheit hier - ich schlafe in Deutschland ohne Schloss vor der Tür. In Brasilien kann ich das nicht machen. Wer weiß, vielleicht leben wir auch nach dem Ende meiner Karriere in Deutschland.
kicker: Werden Sie die in Hamburg beenden?
Zé Roberto: Ich denke schon. Noch zwei Jahre, dann ist Schluss. Ich will nicht spielen, bis ich 40 bin.
kicker: Sie wurden viermal Deutscher Meister, viermal Pokalsieger, gewannen die Copa America, wurden Vize-Weltmeister - was war Ihr Antrieb, nochmals in Hamburg zu unterschreiben?
Zé Roberto: Der Antrieb ist, noch zwei Jahre auf hohem Niveau Fußball zu spielen. Ich will die Europa League gewinnen, nochmal in der Champions League spielen.
kicker: Sind das realistische Ziele mit dem HSV?
Zé Roberto: Ja, das sind Ziele, die wir gemeinsam erreichen können. Der HSV hat in den vergangenen Jahren eine sehr gute Entwicklung genommen. Ich erinnere mich an meine Zeit in Leverkusen, da war Hamburg nicht annähernd so stark besetzt wie zuletzt. Mit Bayern waren es in den letzten beiden Spielzeiten immer heiße Duelle. Der Kader hat eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, es ist eine gute Basis da.
kicker: Und ein neuer Trainer. Wie ist Ihr erster Eindruck von Bruno Labbadia?
Zé Roberto: Wir arbeiten viel im taktischen Bereich. Das ist wichtig, weil wir schon in knapp drei Wochen das erste Pflichtspiel haben, aber es ist erst mal auch wieder ungewohnt für mich.
kicker: Weshalb?
Zé Roberto: Weil ich länger nicht so viel Taktik trainiert habe. Eigentlich seit Ottmar Hitzfeld nicht.
kicker: Ähneln sich Labbadia und Hitzfeld?
„"Meine Lieblingsrolle ist die als einer von zwei Sechsern."“
Zé Roberto: Ja, man kann sie in der Hinsicht in jedem Fall vergleichen, Labbadia erinnert mich an Hitzfeld.
kicker: Labbadia bevorzugte auf seinen bisherigen Stationen ein 4-1-3-2-System, in Ihrem ersten Test gegen Längenfeld wurde ein 4-4-2 mit Doppel-Sechs einstudiert - auf welcher Position sehen Sie sich in welchem System?
Zé Roberto: Ich kann in verschiedenen Systemen verschiedene Positionen spielen, war ja sogar schon Linksverteidiger. Aber meine Lieblingsrolle ist die als einer von zwei Sechsern im 4-4-2-System.
kicker: Weshalb?
Zé Roberto: Ich habe diese Rolle schon in der Selecao gespielt und zuletzt bei Bayern, sie liegt mir. Ich kann den Ball halten, nach vorn schieben, habe Einfluss auf Rhythmus und Tempo.
kicker: Stichwort Tempo: Sie sind vorige Woche 35 geworden - erlebt die Bundesliga in der kommenden Saison immer noch einen schnellen oder einen gemächlicheren Zé Roberto?
Zé Roberto: Ich bin vielleicht nicht mehr ganz so schnell wie mit Anfang 20. Aber ich habe auch nicht viel verloren. Und ich habe etwas gewonnen: Auge und Erfahrung. Genau deswegen bin ich hier - um noch zwei Jahre auf hohem Niveau zu spielen.
Sebastian Wolff
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