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25.06.2009, 12:24

HSV: Die Gründe für den großen Knall

Das Ende der Glückseligkeit

Die "Insel" gehört zu den angesagtesten Lokalitäten Hamburgs. Dass ausgerechnet hier der letzte Vorhang für Dietmar Beiersdorfer fiel, erinnert zwangsläufig an ein Zitat von Bernd Hoffmann vom 19. April dieses Jahres: "Wir befinden uns auf einer Insel der Glückseligkeit." Der Satz war ein Ausdruck des damaligen Hochgefühls beim Bundesliga-Dino und klingt gut zwei Monate später, als sei er aus dem HSV-Museum. Denn der sportliche Tanz auf drei Hochzeiten endete ebenso wie die Zusammenarbeit mit Martin Jol und Beiersdorfer: schmerzhaft.

Fußball, Bundesliga: Bernd Hoffmann, Hamburger SV
Gefragter Mann nach dem großen Knall: Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender beim HSV.
© picture-allianceZoomansicht

Dienstagnacht fiel der Vorhang für den Sportchef, den letzten Akt geschrieben hatte er selbst. Der Franke hatte bei seinem Vorstoß in Richtung Aufsichtsrat sein Ende mit einkalkuliert, sein Entschluss, nicht weitermachen zu wollen und zu können, war bereits am Wochenende gefallen. Knallhart hatte er am Montag seinen Standpunkt gegenüber Hoffmann und dem Personalausschuss des Aufsichtsrates deutlich gemacht, zu viel war aus seiner Sicht vorgefallen.

Das Kaderplanungsgespräch von Hoffmann mit Chefscout Michael Schröder und Neu-Coach Bruno Labbadia, aber ohne Beiersdorfer und dessen Wissen, war die Spitze des Eisbergs, aber eben nur eine Episode. Die vom Sportchef aufgebaute und viel beachtete Scoutingabteilung hatte Hoffmann nicht nur intern als "Geldvernichtungsmaschine" bezeichnet; der von Beiersdorfer abgesetzte und durch Ex-Profi Jens Todt ersetzte Nachwuchs-Chef Stephan Hildebrandt wurde von Hoffmann beauftragt, eine kritische Analyse über seinen Nachfolger Todt zu machen; in einem Planungsgespräch mit Labbadia ging Hoffmann an die Taktiktafel und polterte, das HSV-Problem sei ein fehlender "Sechser" - nachdem Nigel de Jong im Winter einvernehmlich für 19 Millionen veräußert wurde...

Das ist nicht mehr mein HSV.Dietmar Beiersdorfer

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Hoffmann sieht sein Einmischen kraft seines Amtes als berechtigt an, hält sich ansonsten verbal zurück. "Es gibt natürlich inhaltliche Gründe für die jüngsten Geschehnisse, ich werde mich aber daran halten, diese Dinge intern zu lassen. Auch, wenn die Stimmung jetzt aufgebracht ist." Gekracht haben soll es unter anderem wegen der Personalie Josip Simunic. Dem Vorsitzenden erschien ein 31-jähriger, sieben Millionen teurer Innenverteidiger als Wagnis, die Frage nach einer Alternative zum Berliner soll nicht zu seiner Zufriedenheit beantwortet worden sein.

Das Vertrauensverhältnis war beidseitig zerrüttet - Beiersdorfer soll sich darüber hinaus auch am Führungsstil Hoffmanns gestört haben, hat das Miteinander auf der Geschäftsstelle als zu kalt empfunden. Die Botschaft des sanften Franken im Gipfel vom Montag war unmissverständlich: "Das ist nicht mehr mein HSV!" Seit Dienstag ist es tatsächlich so. Der 45-Jährige hat einkalkuliert, dass der Aufsichtsrat nicht auf seine Forderungen eingeht und damit seine Amtszeit endet. Ein "weiter so" hat er ausgeschlossen.

Aufsichtsratsboss Horst Becker hat dennoch versucht, ihn zu genau diesem Schritt zu bewegen, hat ihn vor der Nacht der Entscheidung zu sich nach Hause eingeladen. Er hatte Beiersdorfer am Dienstag nach dem tags zuvor gescheiterten Konsensgespräch "weichzuklopfen" versucht und konstatiert: "Es war seine Entscheidung, er wollte nicht mehr. Alle Argumente haben nicht geholfen."

Die HSV-Supporters fordern eine Aufklärung

Also stimmte der komplette Aufsichtsrat der einvernehmlichen Vertragsauflösung des bis Ende 2010 laufenden Vertrages zu, mit Beiersdorfer wird auch das Gros der Scoutingabteilung gehen. Beckers Nahziel erscheint wie ein frommer Wunsch: "Wir müssen jetzt Ruhe in den Verein kriegen, die Außendarstellung ist nicht gut!" Und wird kaum besser werden. Die ohnehin Hoffmann-kritischen HSV-Supporters hatten schon vor der Aufsichtsratssitzung am Dienstag per Transparent für Beiersdorfer protestiert und beraumten noch am Mittwochabend eine Sitzung an. Ihr Ziel: eine außerordentliche Mitgliederversammlung. "Wir wollen eine Aufklärung gegenüber der Mitgliederschaft", fordern sie. Die Versammlung könnte bereits am 13. Juli stattfinden, für diesen Tag sei ohnehin eine Informationsveranstaltung für die Mitglieder geplant. Der Gegenwind für Hoffmann wird rauer.

Supporters-Boss Ralf Bednarek stört neben dem Aus von Sympathieträger Beiersdorfer vor allem ein Umstand, der sich tatsächlich anbahnt: der neue Sportchef soll nicht zwingend wieder einen Sitz als Vizepräsident im Vorstand erhalten. Bednarek: "Wenn der neue Manager nicht alle Kompetenzen haben wird, wer wird dann überhaupt kommen?"

Die Insel der Glückseligkeit ist Geschichte.

Sebastian Wolff

25.06.09
 
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