
Grund: Neben den beinahe schon üblichen Differenzen im Innenverhältnis mit dem Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann (46) soll es parallel zur Vorstellung von Labbadia einen Eklat gegeben haben. Der nächste Zwist zwischen zwei völlig unterschiedlichen Charakteren. Und gleichzeitig auch der letzte? Beiersdorfers Rückzug erscheint nicht ausgeschlossen.
Becker, der erst am gestrigen Sonntag aus New York zurückgekehrt ist, erwartet heute keinen Showdown, an dessen Ende nur einer der beiden Verantwortungsträger übrigbleibt. Ein Irrglaube? Das Einschalten eines anderen Gremiums verleiht der Angelegenheit Dynamik und erscheint Beiersdorfer als der letzte Ausweg. Ein Grund soll ein Vorfall sein, durch den der Sportchef am Tag vor Labbadias offizieller Vorstellung brüskiert wurde. Nach kicker-Informationen bat Hoffmann den neuen Coach und Chefscout Michael Schröder vor zwei Wochen zu einem Gespräch über die Kaderplanung, während Beiersdorfer mit Co-Trainer Eddy Sözer in Tirana Albaniens Lorik Cana beobachtete. Eine Zusammenkunft, die unzweifelhaft in den Aufgabenbereich Beiersdorfers fällt, von der dieser jedoch im Vorfeld nicht wusste. Der 45-Jährige bestätigt diesen Vorfall nicht, spricht offiziell nur "von unterschiedlichen Auffassungen, was Kompetenzbereiche betrifft".
Unterschiedliche Auffassungen zwischen den beiden Bossen sind selbst Spielern und deren Beratern in der Vergangenheit nicht verborgen geblieben. Hoffmann, ganz der Typ Macher, bemängelt nicht nur intern Beiersdorfers häufig abwartende, mitunter auch zögerliche Hal- tung, wenn es um Abschlüsse geht. Außerdem vermisst er, durchaus nachvollziehbar, Führungsstärke seines Sportlichen Leiters, wenn, wie zuletzt, nacheinander Piotr Trochowski, Mladen Petric und Paolo Guerrero ungesühnt Wechselgelüste verkünden dürfen. Wenn Spieler aus der Reihe tanzen, bevorzugt Ex-Profi Beiersdorfer die ruhige Hand, Hoffmann dagegen könnte diese, um im Bild zu bleiben, in solchen Momenten ausrutschen.
"Beide sind eben zwei unterschiedliche Charaktere, die immer mal aufeinanderprallen", sagt Aufsichtsrats-Boss Becker. "Es gibt jetzt offenbar unterschiedliche Auffassungen, was Transfers und die Aufarbeitung der vergangenen Saison anbelangt. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es in dieser Konstellation weitergeht." Hoffmann sieht die Lage ähnlich: "Wir werden es auch diesmal intern klären." Intern jedoch ist der Fall schon jetzt nicht mehr zu klären, weil er am Wochenende öffentlich wurde. Ob er zu klären ist, bleibt ebenso offen.
Zu laut knirscht es immer wieder in grundsätzlichen Fragen zwischen Hamburgs wichtigsten Entscheidungsträgern, die den HSV in ihrer gemeinsamen Ära sportlich wieder in der Ligaspitze etabliert haben. Am heutigen Montag muss der Personalausschuss des Aufsichtsrates entscheiden, ob die Ära weitergeht. Beiersdorfer weiß um Hoffmanns starke Position im seit Januar neu besetzten Kontrollgremium. Dennoch hat er den Gang zum Aufsichtsrat gewählt. Die letzte Ausfahrt für einen gemeinsamen Weg in die Zukunft? Oder der letzte Akt?
Sebastian Wolff
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