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27.05.2008, 09:31

Dortmund: Trainer steckt in vielen Schubladen

Klopp und der BVB: Passt das?

Drei Gespräche reichten, um eine gemeinsame Wellenlänge festzustellen. "Sensationell gute Gespräche", wie BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (48) berichtet. Mit chirurgischer Präzision analysierte Jürgen Klopp (40), der am Freitag in Dortmund seine Unterschrift unter einen Cheftrainer-Vertrag bis 2010 setzte, die Problemzonen der Borussia.

Der neue BVB-Coach Jürgen Klopp
Engagiert an der Seitenlinie, sicher auch Zukunft: Der neue BVB-Coach Jürgen Klopp.
© imagoZoomansicht

Gleichzeitig bescheinigte er seiner Mannschaft eine "hohe Qualität" - eben die hatte sein Vorgänger Thomas Doll (42) dem Kader zuletzt abgesprochen.

Klopp will die Aufgabe in Dortmund "mit ganz, ganz viel Leidenschaft" angehen. Seinen Spielern hat er für die Zeit ab 2. Juli bereits "mehr Arbeit, als sie es sich im Moment vorstellen können" in Aussicht gestellt. Vom neuen Trainer wird in erster Linie eine Stärkung der Defensive verlangt. "62 Gegentore in der vergangenen Saison sind kein Zufall", sagt Sportdirektor Michael Zorc (45). Eine straffere, autoritärere Mannschaftsführung als unter Doll, der immer wieder Signale falscher Großzügigkeit gab, und einen attraktiveren Fußball haben die Bosse Klopp mit in sein Pflichtenheft geschrieben. Aber passt das überhaupt mit dem Ex-Mainzer und der Borussia? Als Spielerversteher, Motivationsfuzzi oder Kumpeltyp steckt er in ziemlich vielen Schubladen. Was ist dran an den Vorurteilen, von denen eines sogar besagt, er sei Doll zu ähnlich. Wie arbeitet Klopp? Wie tickt dieser Mann? Eine Analyse.

Spielphilosophie: Klopp propagiert Erlebnisfußball mit viel Emotion, Leidenschaft und Willen auf der Basis hoher Laufbereitschaft und taktischer Disziplin. Klopp kündigte in Dortmund Spiele mit "Wiedererkennungswert" und "die eine oder andere Vollgasveranstaltung" an.

Taktik und System: Klopp fordert extrem ballorientiertes Verteidigen, schnelles Umschalten in beide Richtungen, äußerste Flexibilität bei Ballbesitz und schnelles, zielgerichtetes Spiel in die Spitze. Überwiegend verordnete er Mainz Viererkette, flache Vier im Mittelfeld und zwei Spitzen. Alternativ setzte er auf Mittelfeldraute oder auf den Tannenbaum (4-3-2-1). Besonderheit: Bei gegnerischen Standards ließ er im Raum decken.

Trainingsgestaltung: In den Übungseinheiten ist fast immer der Ball dabei, spielerische Vermittlung steht im Vordergrund, das Training muss sich so nahe wie möglich am Spiel orientieren, die Intensität ist hoch. Klopp: "Was die Jungs im Spiel gegen den Ball tun müssen, bekommen sie auf die Festplatte gehauen."

"Die Gespräche mit Klopp waren sensationell gut."H.-J. Watzke, Geschäftsführer

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Besonderheit: Klopp ist ein absoluter Verfechter der Videoanalyse. Auch im A- und B-Jugendbereich wurden alle Spiele auf Video aufgenommen. Klopp bereitet sich akribisch auf den Gegner vor und stimmt seine Mannschaft in einer 20- bis 25-minütigen Sitzung auf diesen ein. Videoanalysen setzt er systematisch und konstruktiv ein, sogar in der Halbzeitpause.

Umgang mit Spielern: Bei Spielen fühlt er an der Seitenlinie mit, er gestikuliert, schreit, raunzt seine Profis an und versucht ständig, Einfluss auf sie zu nehmen. Auf dem Trainingsplatz herrscht ein rauer Umgangston, dort ist er absolut kompromisslos, wenn es um die Sache geht. In einem Interview erklärte er: "Wenn ich sage, die müssen mit dem Kopf gegen die Wand laufen, müssten sie das tun."

Motivator und Psychologe: Selbst Spieler, die schon länger in Mainz sind, loben Klopp als "überragenden Motivator". Klopp gilt als rhetorisch gewandt und hat die Gabe, sich in fast jede Situation hineinversetzen zu können. "Als Trainer braucht man Antworten", sagt Klopp, "Spieler müssen nachvollziehen können, warum man was tut."

Mannschaftsführung: Ziel des Trainers ist es, eine funktionierende Gemeinschaft zu bilden, in der man sich absolut einig ist. Mit Spielern, die aus dem Kollektiv ausscheren und einen Egotrip fahren, kann er absolut nichts anfangen.

Thomas Hennecke und Uwe Röser

27.05.08
 
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