Hamburgs Trainer Huub Stevens änderte nichts an der Elf, die beim 1:0 gegen Wolfsburg zu Beginn auf dem Platz gestanden hatte. Beim VfB kehrte nach dem 3:1-Sieg gegen Aachen Delpierre, der seine Patellasehnenreizung auskuriert hatte, zurück in die Startformation, für ihn musste Boka weichen. Außerdem durfte Lauth gegen seinen Ex-Klub beginnen, Streller nahm auf der Bank Platz. Armin Veh, der sein 100. Bundesligaspiel als Trainer bestritt, setzte überraschend auf ein Ein-Spitzen-System: Cacau im Zentrum sollte über die Außen von Lauth und Hilbert unterstützt werden.
Vor 57.000 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena begannen beide Mannschaften aggressiv, mieden aber noch das letzte Risiko. Von dem Respekt, den die Teams im Vorfeld der Partie mehrfach geäußert hatten, war immerhin nicht viel zu sehen - große Torchancen ergaben sich in den ersten zehn Minuten allerdings auch nicht. Eine schöne Kombination über die rechte Seite - Osorio hatte Hilbert klasse frei gespielt - sorgte dann erstmals für Gefahr, Hitzlspergers Gewaltschuss konnte von Rost zur Ecke abgewehrt werden. Diese schien schon bereinigt, doch die HSV-Abwehr brachte den Ball nicht weg, Delpierre konnte von rechts flanken und Cacau aus fünf Metern in die Maschen köpfen (10.). Allerdings war der Treffer nicht astrein, der Brasilianer hatte gegen Mathijsen gedrückt.
Und der VfB legte direkt nach: Die hoch gelobte Defensive der Hausherren, die nur ein Gegentor in den letzten sieben Spielen kassierte, offenbarte die nächste Lücke, Pardo hatte zu viel Platz auf der rechten Außenbahn. Den nutzte der Mexikaner zu einer präzisen Flanke an den Fünfmeterraum, wo Khedira problemlos zum frühen 2:0 einköpfte (13.). Die Hamburger kamen kaum in die Nähe des Gästestrafraums, Pardo hatte van der Vaart fest im Griff, Sanogo konnte sich gegen die Stuttgarter Innenverteidigung nicht durchsetzen. Dazu kamen zahlreiche Abspielfehler und inkonsequente Zweikampfführung. So durfte Hilbert, nur leicht gestört von Ben-Hatira, nach einer Freistoßflanke durch Hitzlsperger aus dem linken Halbfeld beinahe ungestört ins lange Eck zur Vorentscheidung einköpfen (27.).
Als wenn das noch nicht schlimm genug für die Gastgeber gewesen wäre, schwächten sie sich nach 34 Minuten noch selbst: Ben-Hatira grätschte von der Seite in Delpierre hinein und sah dafür von Schiedsrichter Lutz Wagner sofort "Rot". Der Platzverweis war allerdings ebenso äußert fragwürdig wie der für Hitzlsperger neun Minuten später: Der Nationalspieler ließ gegen de Jong das Bein stehen und musste vorzeitig zum Duschen. Der Referee zeigte also mit drei zweifelhaften Entscheidungen - dem 1:0 und den beiden Platzverweisen - eine ebenso schwache Partie wie ein Großteil der HSV-Elf in der ersten Halbzeit.
Stevens brachte für den zweiten Durchgang Laas und Trochowski für de Jong und Mahdavikia. Doch auch der Doppelwechsel änderte am Spiel der Gastgeber nicht viel. Zu weit weg vom Mann standen die Stevens-Schützlinge auch jetzt: Nach einer Pardo-Ecke konnte Meira am ersten Pfosten nahezu ungehindert ins lange Eck zum 4:0 einköpfen (51.). Der vierte Kopfballtreffer, bei dem Rost keine gute Figur machte, zog dem HSV endgültig den Zahn. Wenn überhaupt, waren es die Gäste, die für ein wenig Torgefahr sorgten (Magnin, 54.; Hilbert, 56.).
Die Stuttgarter schalteten einen Gang nach dem anderen zurück und bekamen nach 66 Minuten die Quittung: Ein verunglückter Schuss von Trochowski von der rechten Seite landete in Jarolims Lauf, Meira rutschte weg und der Tscheche konnte Hildebrand aus acht Metern überwinden. Und auch der HSV legte nach: Jarolims Distanzschuss wurde zu Olic abgefälscht, der aus 13 Metern halbrechter Position Hildebrand mit rechts keine Chance ließ (75.). Die Veh-Schützlinge wurden in der Schlussphase immer weiter in die eigene Hälfte gedrängt, hielten aber letztlich stand.
Für Hamburg, das erstmals seit sieben Begegnungen wieder als Verlierer vom Platz gehen musste, steht nach dieser vor allem in der ersten Halbzeit desolaten Leistung am Freitag in Mönchengladbach ein sehr wichtiges Spiel im Abstiegskampf an. Mit viel Selbstvertrauen, jedoch ohne die gesperrten Magnin (Gelb) und Hitzlsperger (Rot), kann Stuttgart am Samstag in die Heimaufgabe gegen Hannover gehen.
| Hamburger SV |
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![]() Aufstellung: Rost (4,5) - Benjamin (5) , Reinhardt (5) , Mathijsen (6) , Atouba (4) - Jarolim (3,5) , N. de Jong (5) - Mahdavikia (6) , Ben-Hatira (6) - van der Vaart (5) - Sanogo (6) Trainer:
Stevens |
| VfB Stuttgart |
![]() Aufstellung: Hildebrand (3,5) - Osorio (3) , Fernando Meira (3) , Delpierre (3) , Magnin (3) - Pardo (2) - Khedira (3) , Hitzlsperger (3) - Lauth (4,5) - Trainer:
Veh |
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0:3
Hilbert (27., Kopfball, Hitzlsperger)
0:4
Fernando Meira (51., Kopfball, Pardo)
1:4
Jarolim (66., Linksschuss, Trochowski)
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Rote Karten |
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HSV: Ben-Hatira(34., grobes Foulspiel, Delpierre) Stuttgart: Hitzlsperger(43., grobes Foulspiel, N. de Jong) |
Gelbe Karten |

