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08.05.2018, 19:15

Fußballpionier, Pazifist, kicker-Gründer

Gedenktafel in Karlsruhe: Würdigung für Walther Bensemann

"Die Fußballtradition Karlsruhes wäre ohne den Engländerplatz nicht denkbar, genauso wenig wie ohne Walther Bensemann." Mit diesen Worten enthüllte der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup nahe des Anne-Frank-Hauses eine Gedenktafel zu Ehren des Fußballpioniers Bensemann, der 1920 auch den kicker gegründet hatte.

v.l.: Michael Obert (KFV-Vorsitzender und Bürgermeister), Frank Mentrup (Oberbürgermeister), Marco Fuchs (2. Vorsitzender Supporters Karlsruhe), Sophia Gerschel (Fanprojekt Karlsruhe).
v.l.: Michael Obert (KFV-Vorsitzender und Bürgermeister), Frank Mentrup (Oberbürgermeister), Marco Fuchs (2. Vorsitzender Supporters Karlsruhe), Sophia Gerschel (Fanprojekt Karlsruhe).
© Roland Fränkle - Presseamt Stadt KarlsruheZoomansicht

Einst ein Exerzitienplatz, ist der Engländerplatz der älteste Fußballplatz Süddeutschlands - und bis heute wird dort gekickt. Dort, wo die Stele nun also an den Gründer des kicker erinnert, ist Geschichte lebendig. Seit 2013 zeugt der "Fußball-Pilgerstein" von der Teilnahme des Karlsruher Fußballvereins (KFV) an der ersten deutschen Fußballmeisterschaft 1903. Nun wurde auch das Wirken Bensemanns, der 1891 den KFV gegründet hatte, gewürdigt.

"Der Engländerplatz gehört fest zum kollektiven Fußballgedächtnis unserer Stadt", sagte Mentrup am Mittwochnachmittag. Bensemann habe den Fußball nach Karlsruhe gebracht, so der SPD-Politiker. In der Tat spielte die Stadt im Badischen hierzulande eine Vorreiterrolle im Volkssport Nummer eins. Der KFV wurde 1910 Deutscher Meister. Ein Jahr zuvor sicherte sich der Lokalrivale Karlsruher FC Phönix, aus dem später der KSC hervorging, den Titel.

Den Anstoß für die Würdigung Bensemanns, der als Jude und Pazifist nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in die Schweiz fliehen musste und dort 1934 starb, lieferte der KSC-Fandachverband "Supporters Karlsruhe 1986 e.V." gemeinsam mit dem Fanprojekt, das vom Stadtjugendausschuss getragen wird. Beide Initiativen haben auch die Finanzierung der Stele übernommen. Diese beiden Organisationen wollen in Kooperation mit der Stadt künftig regelmäßig fußballhistorische Stadtrundgänge anbieten, bei denen der Besuch der Stele am Engländerplatz selbstredend Pflichtprogramm sein wird.

"Angesichts einer Gegenwart, in der Nationalismus um sich greift, ist es richtig und wichtig, das Gedächtnis an Walther Bensemann zu wahren", beschloss Mentrup feierlich die Enthüllung, der auch Andreas Hirsch, der Enkel der von den Nazis ermordeten KFV-Legende Julius Hirsch, Steffen Herberger, Nachkomme des 1954er-Weltmeistertrainers Sepp Herberger, und Prof. Gerhard Seiler, Karlsruher Ehrenbürger und einst KSC-Präsident, beiwohnten.

Benni Hofmann

Ausschnitt der Gedenktafel
Ausschnitt der Gedenktafel
© Roland Fränkle - Presseamt Stadt Karlsruhe
 
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