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01.08.2012, 16:02

1963/64 - Kölner Profis triumphieren über "Feierabendkicker"

Der "logische Titel" in einer Saison voller Premieren

Bereits seit dem Jahr 1903 werden in Deutschland Fußballmeister ausgespielt. Drei Jahre nach der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war es der VfB Leipzig, der sich als erster Klub Deutscher Meister nennen durfte. In einem K.o.-Modus mit nur fünf Kontrahenten setzten sich die Sachsen im Finale gegen den Deutschen Fußball Club Prag mit 7:2 durch. Von einem Ligasystem, wie es mittlerweile üblich ist, war man damals noch meilenweit entfernt. Bis es soweit war, gingen noch weitere 60 Jahre ins Land, ehe die Bundesliga nach einer schweren Geburt das Licht der Welt erblickte.

1. FC Köln
Am Ende der Premierensaison krönte sich der 1. FC köln zum ersten Deutschen Meister in der Bundesliga.
© picture alliance Zoomansicht

"Früher war alles besser!" Nun ja, über den Wahrheitsgehalt dieser oft verwendeten These darf mit Sicherheit gestritten werden. Eines ist aber sicher: Früher war zumindest vieles anders! Schon weit vor Einführung der Bundesliga 1963/64 gibt es eine deutsche Fußballmeisterschaft. Wenn auch in Finalspielen und nicht in einer Liga. Zwar hatte es schon 1932 konkrete Ideen einer "Reichsliga" gegeben, doch dieser Forderung vom damaligen DFB-Präsident Felix Linnemann wurde im Frühjahr 1933 nicht stattgegeben. Auch eine Meisterschale existiert zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Stattdessen wird die "Viktoria"-Trophäe bis 1944 in die Höhe gestreckt. In den letzten Kriegsmonaten geht der bronzene Pokal allerdings verloren und wird erst in den 1990ern wiederentdeckt.

Ein neues Objekt der Begierde musste also her. Erst wenige Monate nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 wird dann erstmals die Meisterschale, im Volksmund auch gerne "Salatschüssel" genannt, verliehen. Als erster Empfänger qualifiziert sich der VfR Mannheim. Und trotz der neuen Schale: An die Bundesliga denkt damals noch immer keiner!

Zunächst sollte Fußball-Deutschland erst noch von einem "Wunder" eingeholt werden. Die Rede ist natürlich von Sepp Herbergers Weltmeister-Mannschaft 1954. "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt ... Tor!" brüllt Reporter-Legende Herbert Zimmermann einst den Triumph über Ungarn in die deutschen Wohnstuben. "Der Boss" hat die noch immer junge Republik zum Weltmeister gemacht. International folgen anschließend aber mäßige Auftritte: Bei den Weltmeisterschaften 1958 und 1962 kann die DFB-Elf nicht an den Erfolg von '54 anknüpfen. National werden die Rufe nach einer Liga immer lauter: DFB-Coach Herberger sowie Kölns Präsident Franz Kremer sind energische Befürworter.

Nach langem Hin und Her: 1962 fällt die Entscheidung "pro Bundesliga"

Am 28. Juli 1962 um 17.45 Uhr ist es dann endlich soweit. Auf dem DFB-Bundestag im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle wird mit einer überwältigenden Mehrheit (103:26 Stimmen) für die Einführung der Bundesliga zur Spielzeit 1963/64 votiert. 46 Vereine haben sich für jeweils einen der nur 16 heißbegehrten Startplätze in der neugeschaffenen Eliteliga beworben. Durch die begrenzte Teilnehmerzahl gibt es selbstredend auch Verlierer, die somit nicht zum elitären Kreis der Gründungsmitglieder zählen.

Darunter findet sich auch ein ganz prominenter Name: der FC Bayern München, mittlerweile Rekordmeister und aus der Bundesliga nicht mehr wegzudenken. Dafür bekommt Lokalrivale TSV 1860 München die Lizenz zugesprochen. Ebenfalls unberücksichtigt bleibt der spätere Serienmeister Borussia Mönchengladbach.

Mit dabei - und das hat sich bis heute nicht verändert - war und ist der Hamburger SV. Seit der Einführung spielt der HSV in der höchsten deutschen Spielklasse und trägt deshalb auch den Namen "Bundesliga-Dino". Abstieg kennt man beim HSV nur vom Hörensagen.

Schon nach wenigen Sekunden klingelt es erstmals

Der Startschuss fällt am 24. August 1963. Acht Partien werden gleichzeitig angepfiffen. Allerdings nicht um 15.30 Uhr, sondern erst 90 Minuten später. Die Premieren-Saison der Bundesliga ist noch keine Minute alt, da feiert sie schon ihr erstes Tor. Friedhelm "Timo" Konietzka hat für Dortmund in Bremen getroffen. Doch weder Bild- noch Videomaterial liegen von diesem Treffer - dem allerersten in der Geschichte - vor. Der Grund ist ganz einfach: Die Fotografen haben sich auf der anderen Seite des Spielfeldes platziert.

Für die Meisterschaft reicht es für den BVB nicht. Der letzte "Nicht-Bundesliga-Champion" des Jahres 1963 landet auf Rang vier im Endtableau. Deutscher Meister wird der Finalist des Vorjahres und zugleich haushohe Favorit 1. FC Köln. Unter Präsident Kremer, einem der Gründungsväter der Bundesliga, entwickelt sich der FC zu einem professionell geführten Verein. Gegen die "Feierabendkicker" setzen sich die Vollprofis vom Rhein, darunter Weltmeister Hans Schäfer (1954) sowie der junge Wolfgang Overath, souverän durch und haben nach 17 Siegen und nur zwei Niederlagen sechs Zähler Vorsprung auf den Überraschungszweiten Meidericher SV (heute MSV Duisburg).

Was sonst noch geschah

Max Morlock, Herbert Widmayer und richard albrecht
Herbert Widmayer (Mi.) beobachtet seinen Star Max Morlock (li.) sowie Richard Albrecht beim Schach. Am 30. Oktober 1963 entließ der 1. FC Nürnberg Widmayer, die erste Trainerentlassung der Bundesliga war perfekt.
© imago/kicker Zoomansicht

Es ist selbstredend, dass in der Premierensaison alles zum ersten Mal geschieht. Dementsprechend muss auch ein Spieler den ersten Platzverweis hinnehmen. Hierbei erwischt es niemand geringeren als den WM-Helden Rahn. "Der Boss" lässt sich zu einer Tätlichkeit gegen Herthas Harald Beyer am vierten Spieltag hinreißen und schreibt so Bundesliga-Geschichte. Auch die erste Trainerentlassung soll nicht lange auf sich warten: Nach neun Runden feuert der 1. FC Nürnberg Herbert Widmayer.

Beliebt bei den Fans ist das "Produkt" Bundesliga schon damals. Erstmals ausverkauft vermeldet der Meidericher SV am zweiten Spieltag. Die meisten Zuseher zieht die Partie zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln an. 85 411 Besucher sehen den 3:0-Erfolg des späteren Meisters.

Der Torschützenkönig

Erfolgreichster Goalgetter der Auftaktsaison wird Uwe Seeler. "Uns Uwe" erzielte 30 Tore und sorgte mit einem Schnitt von genau einem Treffer pro Spiel für Furore. Damit hatte die lebende HSV-Legende, deren kostbarer Fuß als überdimensional große Statue heute vor der Hamburger Arena die Fans anlockt, einen gigantischen Vorsprung auf den Zweitplatzierten Konietzka (20 Tore). Dem HSV, der auf insgesamt 69 Tore kam, verhalf Seeler so auf den sechsten Rang.

Bilder zur Premierensaison 1963/64
Alles zum ersten Mal
1. FC Köln
Der erste Meister

Der allererste Meister der Bundesliga hieß 1. FC Köln. Die Geißböcke beendeten die Premierensaison 1963/64 mit 17 Siegen und nur zwei Niederlagen und sicherten sich souverän die Schale.
© picture alliance

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1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
11. FC Köln78:4045:15
 
2Meidericher SV60:3639:21
 
3Eintracht Frankfurt65:4139:21
 
4Borussia Dortmund73:5733:27
 
5VfB Stuttgart48:4033:27
 
6Hamburger SV69:6032:28
 
71860 München66:5031:29
 
8FC Schalke 0451:5329:31
 
91. FC Nürnberg45:5629:31
 
10Werder Bremen53:6228:32
 
11Eintracht Braunschweig36:4928:32
 
121. FC Kaiserslautern48:6926:34
 
13Karlsruher SC42:5524:36
 
14Hertha BSC45:6524:36
 
15Preußen Münster34:5223:37
 
161. FC Saarbrücken44:7217:43
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