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03.08.2012, 12:08

1966/67 - Gerd Müller wird Fußballer des Jahres

Meister Braunschweig - einmal und nie wieder

In Deutschland wird heiß diskutiert. Im Mutterland des Fußballs fließt das Bier in Strömen. England feiert seinen ersten Weltmeistertitel. War der Ball hinter der Linie? Das 3:2 von Geoffrey Hurst im WM-Endspiel in der 101. Minute wird als Wembley-Tor in den Geschichtsbüchern verewigt. Einen Eintrag in der Fußball-Historie findet auch Eintracht Braunschweig, das in der Saison 1966/67 die erste Deutsche Meisterschaft erringt - es bleibt bis dato die einzige. Kein Team feiert je wieder mit so wenigen Punkten den Titel.

Triumphzug: Braunschweig feiert seine Helden. Eintracht-Kapitän Joachim Bäse reckt die Schale gen Himmel.
Triumphzug: Braunschweig feiert seine Helden. Eintracht-Kapitän Joachim Bäse reckt die Schale gen Himmel.
© picture allianceZoomansicht

Sie brennen auf ihren Rivalen: Hannover 96, 1964 in die Bundesliga aufgestiegen, will das Derby unbedingt gewinnen. Eintracht Braunschweig muss am 12. November 1966 in die niedersächsische Landeshauptstadt. Kein leichtes Unterfangen: Nach anfänglichem Tiefstapeln - das Wiederholen des zehnten Platzes aus dem Vorjahr gibt Coach Helmut Johannsen als Ziel aus - entpuppt sich Braunschweig schnell als Geheimfavorit: Nach drei Spieltagen schlägt die Eintracht die großen Titelaspiranten Werder Bremen (2:0) und den 1. FC Köln (1:0). Selbst nach der 1:2-Niederlage am zweiten Spieltag beim Titelverteidiger TSV 1860 München zeigt sich deren Coach Max Merkel überrascht: "An denen wird sich noch mancher die Zähne ausbeißen!"

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Hannover 96 und Eintracht Braunschweig: Eine innig gepflegte Rivalität. Der Stachel bei den "Roten" aus Hannover sitzt tief, als ihnen 1963 die Lizenz für die neue Bundesliga verweigert wird, während ihre blau-gelben Erzfeinde aus Braunschweig zu den Gründungsmitgliedern zählen. In der niedersächsischen Landeshauptstadt wächst der Unmut: Sie hätten das größere Stadion, mehr Zuschauer und auch der Zehn- und Zwölfjahresschlüssel, bei dem die sportlichen Leistungen bewertet wurden, spräche für 96. Die Eintracht, im letzten Oberliga-Jahr 1963 Dritter, steht in der Tabelle vor dem Neunten, Hannover. Der DFB entscheidet am grünen Tisch pro Braunschweig, contra Hannover. Eine Genugtuung der "Roten" gibt es ausgerechnet im Meisterjahr der "Blau-Gelben": Zweimal gewinnt Hannover das wichtige Derby gegen den späteren Meister.

Bilder zur Saison 1966/67
Zahme Löwen beißen ein Mal richtig zu
Hans Tilkowski
Wembley-Tor

Vor dem Start der Bundesligasaison 1966/67 findet die Weltmeisterschaft in England statt. Im Finale schlagen die Gastgeber die DFB-Elf mit 4:2 n.V. Das 3:2 durch Geoff Hurst entwickelt sich zum bekanntesten (Nicht-)Tor aller Zeiten. England feiert seinen ersten und einzigen WM-Titel.
© picture alliance

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Tabellenführer? Egal! Dass Braunschweig als aktuell bestes deutsches Team zum Derby fährt, ist dem 13. völlig egal. Hannover will den Sieg. 43.000 "rote" und "gelb-blaue" Fans sehen im Niedersachsenstadion eine höchst motivierte 96er-Mannschaft, die schon nach fünf Minuten durch Hans Siemensmeyer in Führung geht. Auf Lothar Ulsaß' Ausgleich (18.) folgt nur fünf Minuten später die erneute Hannover-Führung, als Siemensmeyer per direktem Freistoß trifft. Kaj Poulsen in der 40. Minute zum 3:1-Pausenstand: Hannover wähnt sich dem großen Ziel nahe. Mit dem 2:3-Anschlusstreffer von Erich Maas (75.) wird es nochmal spannend, doch Jürgen Banduras Kopfball zum 4:2 (77.) entscheidet das umkämpfte Derby für die "Roten".

Die Eintracht sinnt auf Revanche! Trotz Tabellenführung schmerzt die Hinspiel-Niederlage und im Rückspiel soll alles besser werden. Fünf Spieltage vor Schluss wartet der Sensations-Erste der Bundesliga ohne Stars in der Mannschaft auf die Wiedergutmachung. Fünf Punkte trennen 96 vom Platz an der Sonne. Die Saison biegt in die Zielgerade ein, und Braunschweig steht kurz vor dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Noch schnell Hannover weggeräumt und die Meisterfeier kann geplant werden. Doch es kommt anders: 30.000 Zuschauer im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße sehen nicht die Heimmannschaft jubeln. Wieder ist es der Hannoveraner Siemensmeyer, der trifft. Es bleibt der einzige Treffer der Partie. Zwei Mal Braunschweig geschlagen, in deren Meisterjahr: Hannover 96 atmet hörbar durch.

Die Minimalisten aus Braunschweig räumen ab

Eintracht Braunschweig Deutscher Meister: Der Schein trügt nach dem letzten 4:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg. Die Niedersachsen sind über die ganze Saison gesehen die absoluten Minimalisten: 43 Punkte genügen der Eintracht. Keine Mannschaft wird vorher und nachher mit so wenigen Zählern Deutscher Meister. 49 Tore für Ulsaß, Maas und Co: Nie wurde ein Klub mit so wenigen Toren Titelträger. Selbst die bis heute unerreicht schlechte Auswärtsbilanz von 14:20 Punkten bleibt wohl ein Rekord für die Ewigkeit.

Horst Wolter ist das egal. Der Braunschweiger Keeper lässt nur 27 Gegentore rein, Vize-Meister 1860 München kassiert 47. Mit der Meisterschale in der Hand steht Kapitän Joachim Bäse im Europapokal der Landesmeister. Gegen den italienischen Meister Juventus Turin steht Braunschweig im Viertelfinale. Nach einem 3:2 und 0:1 ist im Entscheidungsspiel nach einem weiteren 0:1 Schluss.

Den großen Erfolg nicht richtig mitfeiern kann Michael Polywka. Der Angreifer vom DDR-Oberligisten Carl Zeiss Jena sollte als Neuzugang vor der Saison eingesetzt werden. Er bekommt jedoch vom DDR-Verband keine Freigabe. Kein Wunder, gilt der 22-Jährige als Republik-Flüchtling. Nach geheimer Absprache mit dem Braunschweiger Trainer Johannsen nach einem Spiel in Stockholm verstecken sie ihn zwei Wochen auf der Insel Helgoland. Nach einem Jahr Sperre debütiert der 23-Jährige am ersten Spieltag der neuen Saison 1967/68 gegen den TSV 1860 München. Vier Jahre bleibt Polywka in Braunschweig und wechselt dann ausgerechnet zum Erzrivalen Hannover 96.

Der Torschützenkönig

Lothar "Emma" Emmerich teilt sich den Erfolg mit Gerd Müller. Der Nationalspieler bekommt schlagkräftige Konkurrenz. Ein Jahr vorher traf keiner häufiger als der Dortmunder Stürmer (31). Bis heute gilt der 2003 verstorbene Emmerich als einer der herausragenden Spieler der Borussia, für die der fünffache Nationalspieler in 183 Spielen 115 Tore erzielte.

Was sonst noch geschah

Nicht Dortmund (3.), nicht Köln (7.), nicht 1860 München (2.), auch nicht Bayern München (6.): Eintracht Braunschweig stiehlt allen die Schau. Vorjahresmeister 1860 München entlässt in der Winterpause Max Merkel, der die abstiegsbedrohten Nürnberger rettet. Die Macht von der Weser und Elbe hat nur wenig Strahlkraft: Der Hamburger SV als 14. und Werder Bremen als 16. entgehen nur knapp dem Abstieg. Beide Aufsteiger (Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiß Essen) steigen dagegen postwendend wieder ab. Auf sich aufmerksam macht der 21-jährige Bayern-Stürmer Gerd Müller, der zum Fußballer des Jahres gekürt wird.

Video zum Thema
Saison 1966/67- 23.07., 16:17 Uhr
49 Tore zur Meisterschaft - Rekord!
Der Star ist die Mannschaft. Eintracht Braunschweig wird mit nur 49 erzielten Toren Meister, bis heute ein Rekord. Mit Emmerich und Müller werden zum ersten Mal zwei Spieler Torschützenkönig (28 Tore). Die fußballerische Eleganz von Franz Beckenbauer und die Genialität von Günter Netzer blitzen auf. Die Highlights der Saison 1966/67.
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03.08.12
 
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zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Eintracht Braunschweig49:2743:25
 
21860 München60:4741:27
 
3Borussia Dortmund70:4139:29
 
4Eintracht Frankfurt66:4939:29
 
51. FC Kaiserslautern43:4238:30
 
6Bayern München62:4737:31
 
71. FC Köln48:4837:31
 
8Bor. Mönchengladbach70:4934:34
 
9Hannover 9640:4634:34
 
101. FC Nürnberg43:5034:34
 
11MSV Duisburg40:4233:35
 
12VfB Stuttgart48:5433:35
 
13Karlsruher SC54:6231:37
 
14Hamburger SV37:5330:38
 
15FC Schalke 0437:6330:38
 
16Werder Bremen49:5629:39
 
17Fortuna Düsseldorf44:6625:43
 
18Rot-Weiss Essen35:5325:43
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