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03.08.2012, 12:08

1971/72 - Gerd Müller trifft 40-mal ins Schwarze

Die Rekorde des Meisters - Tore statt Speck

"Dieser Mann hat dicke Beine." Mehr fiel Tschik Cajkovski dazu nicht ein. Eine Karriere auf der internationalen Fußball-Bühne? Keine Chance. Cajkovskis Urteil über den Neuzugang aus dem schwäbischen Nördlingen fiel vernichtend aus. Tschik - die kroatische Bezeichnung für Zigarettenstummel - war selbst nur 1,65 Meter groß und alles andere als schlank. Doch Nachsehen hatte er mit seinem Spieler nicht. "Was soll ich mit diesem Jungen, diese Figur - unmöglich", wetterte der Bayern-Coach, als der Stürmer 1965 zur A-Mannschaft der Münchner stieß. "Kleines, dickes Müller" war geboren.

71/72 - aus "kleines, dickes Müller" war der "Bomber der Nation" geworden: Gerd Müller neben Rainer Zobel beim Freistoß.
71/72 - aus "kleines, dickes Müller" war der "Bomber der Nation" geworden: Gerd Müller neben Rainer Zobel beim Freistoß.
© imagoZoomansicht

Sechs Jahre später, die Spielzeit 1971/72 steht in den Startlöchern. Müllers Speck ist verschwunden, Cajkovskis Figur blieb indes unverändert. Die Kritik hatte dem Stürmer nicht geschadet - im Gegenteil. Aus "kleines dickes Müller" wurde der "Bomber der Nation". Sein ehemaliger Coach trainierte mittlerweile den 1. FC Nürnberg und war begeistert vom Top-Stürmer: "Er ist der beste Torjäger der Welt." Es war Müllers Saison - ein Jahr der Rekorde.

Der FCB lieferte sich mit Schalke einen erbitterten Kampf um den Titel, der Vorsprung auf die Knappen war minimal. Schluss mit der Vizemeisterschaft, noch ein Mal wollten die Münchner die Schale nicht in letzter Minute aus der Hand geben.

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3. Juni 1972, 32. Spieltag. Frankfurt war zu Gast beim FCB. Gerd Müller köpfte das 3:1 für sein Team. Doch die Eintracht zieht gleich: 3:3 steht es nach 56 Minuten. Kein Problem für die Münchner, sie haben ja den "Bomber" in ihren Reihen. Der legt zwei Tore drauf, einmal im Fallen durch die Beine von Verteidiger Peter Reichel, einmal wenige Zentimeter an der Fußspitze von Keeper Peter Kunter vorbei. Saisontreffer 38, 39 und 40 - bis heute ist Müllers Rekord ungebrochen. Bayern gewinnt 6:3, auch die Mitspieler schwärmen von ihrem Teamkollegen. "Es gibt keinen gefährlicheren Stürmer auf der Welt", lobt Franz Beckenbauer.

Müller "bombt" auch international

Im Schlusssprint der Spielzeit bleibt den Bayern-Stars aber keine Zeit zum Durchatmen: Die Europameisterschaft in Belgien steht an. Auch hier ist Verlass auf Müller, der "Bomber" trifft für die Nation. Am 18. Juni schießt er Deutschland gegen die UdSSR zum Titel, zwei Treffer trägt er zum 3:0 bei. Sechs Münchner Spieler waren nun Europameister: Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Gerd Müller, Uli Hoeneß und Paul Breitner. Doch in Gedanken waren sie sofort wieder in der Liga: "Die Meisterschaft ist für uns wichtiger", war Müllers nüchterne Reaktion nach dem Titelgewinn.

FCB-Trainer Udo Lattek zweifelte an der Konzentrationsfähigkeit seiner Jungs. Beckenbauer beruhigte seinen Coach: "Die zehn Tage halten wir auch noch durch." Dann ist es soweit, 28. Juni, 34. Spieltag, ein Endspiel stand an. 79 012 Zuschauer auf den Rängen - das Olympia-Stadion wurde würdig eingeweiht. Kein geringerer als der direkte Konkurrent war zu Gast: Die Königsblauen lauerten immer noch auf Rang zwei, der Abstand lag bei einem mageren Punkt.

Schalkes Topteam war gerüstet: Norbert Nigbur, Rolf Rüssmann, Klaus Fischer, Stan Libuda, Klaus Fichtel und die Kremers-Zwillinge waren dabei. Doch sie blieben chancenlos, die Bayern verfielen in einen echten Torrausch. Mit 5:1 Toren fegten sie die Knappen aus der neuen Arena. Hansen, Beckenbauer, Hoeneß, Breitner, Hoffmann - ein Müller-Tor gab es nicht. Egal, der FCB holte die Schale, der Auftakt zum Titel-Hattrick.

Der Torschützenkönig

"Der Bomber der Nation", wer sonst? 40 Treffer, ungebrochener Rekord. Dabei hätte Gerd Müller mindestens noch drei Tore machen können, doch bei seinen drei Strafstößen scheiterte er am Braunschweiger Bernd Franke, am Bochumer Harry Bohrmann und an Stuttgarts Zlatko Skoric. Bis zum Schluss war es zwischen Schalke und den Bayern knapp, die Entscheidung über die kicker-Torjägerkanone fiel da deutlicher aus. 18-mal häufiger knipste der FCB-Stürmer und verwies den Schalker Klaus Fischer (22 Tore) klar auf Platz zwei.

Bilder der Saison 1971/72
Der "Bomber" ballerte sich durch die Liga
Gerd Müller
"Kleines dickes Müller"

"Dieser Mann hat dicke Beine!" Das war das erste, was Bayern-Trainer Tschik Cajkovski zu Gerd Müller einfiel, als der Stürmer 1965 zur A-Mannschaft des FCB stieß. Die Kritik hielt Müller allerdings nicht davon ab, schon damals seine Torjägerqualität unter Beweis zu stellen.
© imago

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Was sonst noch geschah

Es war nicht nur die Saison des "Bombers", die Ereignisse brannten sich auch Nachwuchstalent Uli Hoeneß ins Gedächtnis. Gleich in seinem ersten Länderspiel gegen Ungarn erzielte er einen Treffer, in seiner sechsten Partie mit der DFB-Elf gewann der erst 20-Jährige die Europameisterschaft. Natürlich ist ihm auch das Endspiel gegen Schalke noch in besonderer Erinnerung: Mit dem 4:1 traf Hoeneß zum 100. Tor des Klubs, ein Jubiläumstor. "Mir war und ist dieses Tor gar nicht so wichtig, entscheidend für mich und uns alle war, dass wir Meister wurden", erklärte Hoeneß. Dieser 34. Spieltag war aber nicht nur wegen des hohen Sieges ein echtes Erlebnis, auch das neue Stadion überzeugte den Europameister: "Ich habe nie auf einem besseren Rasen Fußball gespielt, ich habe nie mehr einen solchen Rasen gesehen", sagte er begeistert.

101 - 40 - 79: die Rekord-Saison

Es war die Saison der Rekorde: 101 Treffer in einer Spielzeit, ein Torschütze hatte 40-mal geknipst, 79 Punkte umgerechnet nach der Drei-Punkte-Regel - all das ging auf das Konto der Münchner. Erst im vergangenen Jahr konnte der BVB mit 81 Punkten den Bayern-Rekord knacken - nach 40 Jahren. Die Knappen waren der stärkste Tabellenzweite der Bundesliga - 24 Siege hatten sie in dieser Saison eingefahren.

Trostpreis für Schalke: Drei Tage nach der Niederlage im Olympia-Stadion durften die Königsblauen den Pott in den Händen halten. Mit einem 5:0 gegen Kaiserslautern hatten sie den DFB-Pokal gewonnen.

Zu den Verlierern zählten Gladbachs "Fohlen". Der Meister, der in den beiden Jahren zuvor den Titel geholt hatte, schaffte es nur auf Rang drei. International wurde es ebenfalls nichts: Ihr 7:1 gegen Inter Mailand wurde wegen des legendären Büchsenwurfes auf Boninsegna annulliert. Immerhin wurde Günter Netzer "Fußballer des Jahres" und auch das erste "Tor des Jahres" der ARD sicherte sich der Gladbacher Ulrik Le Fevre.

Echte Nullnummern waren dagegen die Kicker aus Bielefeld. Ihr Urteil im Bestechungsskandal wurde am 15. April '72 rechtskräftig: 0:0 Tore, 0:0 Punkte, das bedeutete den Zwangsabstieg.

Video zum Thema
Saison 1971/72- 17.06., 13:57 Uhr
Unerreicht - Gerd Müller mit 40 Toren
Schalke 04 war auf dem Weg zur Meisterschaft nur von den Bayern zu stoppen. Die Münchner wurden nach zwei Jahren ohne Titel Meister, auch dank der 40 Tore von Gerd Müller. Insgesamt schossen die Bayern 101 Tore in der Saison, ein Rekord bis heute. Wolfgang Overath knackt als erster Spieler die 250-Spiele-Marke. 239 Spiele, 137 Tore - Uwe Seeler beendet seine Karriere beim HSV, ein großes Idol hört auf.
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03.08.12
 
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1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München101:3855:13
 
2FC Schalke 0476:3552:16
 
3Bor. Mönchengladbach82:4043:25
 
41. FC Köln64:4443:25
 
5Eintracht Frankfurt71:6139:29
 
6Hertha BSC46:5537:31
 
71. FC Kaiserslautern59:5335:33
 
8VfB Stuttgart52:5635:33
 
9VfL Bochum59:6934:34
 
10Hamburger SV52:5233:35
 
11Werder Bremen63:5831:37
 
12Eintracht Braunschweig43:4831:37
 
13Fortuna Düsseldorf40:5330:38
 
14MSV Duisburg36:5127:41
 
15Rot-Weiß Oberhausen33:6625:43
 
16Hannover 9654:6923:45
 
17Borussia Dortmund34:8320:48
 
18Arminia Bielefeld0:00:0
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