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03.08.2012, 12:08

1972/73 - Die Bayern marschieren unaufhaltsam

Der König vom Bökelberg sagt Adios

1970 und 1971 wird er Deutscher Meister, 1972 und 1973 Fußballer des Jahres. DFB-Pokalsieger wird er 1973 auch noch. Was kann ein Fußballer noch erreichen, der mit Borussia Mönchengladbach Erfolge an Erfolge reiht? Als frisch gebackener Europameister geht Günter Netzer in seiner zehnte Saison mit den Borussen. Es ist seine letzte.

Siegtor in den Winkel: Günter Netzer (re.) schießt Gladbach gegen Köln zum Pokalsieg, nachdem er sich selbst eingewechselt hat.
Siegtor in den Winkel: Günter Netzer (re.) schießt Gladbach gegen Köln zum Pokalsieg, nachdem er sich selbst eingewechselt hat.
© imago Zoomansicht

Dieser Mann ist kein normaler Spieler. Er ist eine Erscheinung. Dazu ist Günter Netzer ein echter, gebürtiger Gladbacher: Mit acht Jahren schnürt Klein-Günter die Schuhe für den 1. FC Mönchengladbach, als 19-Jähriger wechselt der blonde Mittelfeldstratege zum Regionalligisten Borussia Mönchengladbach. 1965 schafft die Borussia mit ihm den Sprung in die Bundesliga. Fünf Jahre später die Krönung einer bärenstarken Saison mit der ersten Deutschen Meisterschaft. Netzer, der Mann mit den großen Füßen, den Easy-Rider-Koteletten und der blonden Scheitel-Frisur, wächst zum Strahlemann des deutschen Fußballs heran.

Die Fans lieben ihren "Jünter", und der liebt den Ball

Als ein David Beckham noch nicht mal in Planung war, hat die deutsche Bundesliga einen Superstar, der anders war, als seine Kollegen. "Lovers Lane" heißt die Disco, die der Mittelfeld-Regisseur Netzer betreibt. Er liebt schnelle Autos und schöne Frauen. Vor seiner Garage parkt ein Ferrari Dino GT oder ein Jaguar E-Type. Hennes Weisweiler, sein Trainer in Gladbach, lässt den exzentrischen, aber begnadeten Techniker gewähren. Die Fans lieben ihren "Jünter", und der liebt den Ball. Keiner kann die Freistöße und Eckbälle so anschneiden wie Netzer. Für seine Spielweise, die lange Märsche im Mittelfeld nicht vorsehen, hat er Berti Vogts und Herbert "Hacki" Wimmer, die ihm den Rücken als Defensiv-Arbeiter freihalten.

Bayern München hat Gerd Müller, Gladbach Jupp Heynckes. Bayern hat Franz Beckenbauer, die Borussia Günter Netzer. Anfang der Siebziger gibt es zwei Mannschaften, die Fußball vom anderen Stern spielen und nicht einzuholen zu sein scheinen. Nach der ersten erfolgreichen Verteidigung der Meisterschaft in der Bundesliga-Geschichte durch die Borussia (1969/70, 70/71,) laufen die Bayern der "Fohlen-Elf" den Rang ab: 40 Glocken lässt Gerd Müller 1971/72 erklingen - ein Wert für die Ewigkeit, dem auch ein Top-Stürmer wie Jupp Heynckes (19) nicht standhalten kann. Die Bayern gehen als neuer Meister selbstbewusst in die Saison.

Günter Netzer ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Der "King vom Bökelberg" kehrt 1972 als frisch gebackener Europameister in die Bundesliga-Saison zurück. Doch Netzer plagt sich mit Verletzungen und kommt nur zu 18 Einsätzen. Trotz großer Konkurrenz mit den sechs "bayerischen" Europameistern Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Gerd Müller, Uli Hoeneß und Paul Breitner spielt der 29-Jährige dennoch eine überragende Saison und wird zum Fußballer des Jahres.

Pokalsieg 1973 bleibt ewig mit Netzer verbunden

Was da in Gladbach noch niemand ahnt: Der geniale Passgeber und Spielmacher plant seinen Abschied. Bei Gladbach hat er alles erreicht - es ist Zeit, "Goodbye" zu sagen. Oder besser gesagt: "Adios". Bevor er zu den "Königlichen" nach Madrid geht, gönnt sich der Superstar einen würdigen Abschied, als er sich im Pokal-Finale gegen den 1. FC Köln in der 94. Minute selbst einwechselt und mit dem zweiten Ballkontakt das Spielgerät in den Winkel chippt: 2:1 - Gladbach gewinnt.

Die Bayern dominieren vom Anfang bis zum Schluss

Der Pokalsieg - mehr ist in dieser Saison nicht drin für die Gladbacher. Die Bayern setzen sich im internen Zweikampf mit Gladbach souverän ab. Trotz Meistertrainer Weisweiler, Terrier Vogts, Spielmacher Netzer und Goalgetter Heynckes reicht es am Ende nur zum fünften Platz für die "Fohlen". Eine klassische Start-Ziel-Landung legt dagegen der FC Bayern München hin: Vom ersten bis zum letzten Spieltag kommt der Tabellenführer aus München. Elf Punkte Rückstand hat der Zweite, 1. FC Köln, auf den Meister am Ende. Die Bayern werden zum Krösus der Liga. Das neue Olympiastadion erweist sich als sprudelnde Geldquelle. Sepp Maier im Rückblick: "Wir bekamen doppelt so hohe Siegprämien wie vorher."

Der Torschützenkönig

1969 wird Gerd Müller erstmals Torschützenkönig (30 Treffer). Ein Jahr später trifft er sagenhafte 38-mal und nach einer kurzen "Schwächephase" 1971 (22) lässt er alle Kritiker mit unerreichten 40 Toren 1972 erstummen. Der Europameister wird nach vier Toren in Belgien bester Torjäger der EM und auch in der Bundesliga glänzt "kleines dickes Müller". 28 Tore von Gladbachs Jupp Heynckes reichen nur zu Platz zwei, denn zum vierten Mal erhält Gerd Müller die kicker-Kanone, die er nach 36 Toren mehr als verdient hat.

Was sonst noch geschah

Bayern ganz stark Meister, aber die Bundesliga leidet immer noch unter dem Bestechungsskandal zwei Jahre zuvor. In der Saison 1972/73 wollen durchschnittlich nur knapp über 16.000 Menschen die Spiele in den Stadien sehen. Damit fällt die Gunst des Bezahlfußballs auf einen historisch niedrigen Wert. Ein Negativ-Rekord bis heute.

So verpassen viele einen ungemein starken Aufsteiger Wuppertaler SV. Mit ihrem Torjäger Günter Pröpper landet der WSV auf einem nie geahnten vierten Platz. Ganz andere Sorgen haben Braunschweig und Frankfurt. Am 31. Oktober, dem zehnten Spieltag, führt Braunschweig 3:0, doch die Partie wird nicht zu Ende gespielt: Nach 45 Minuten bricht Schiri Wilfried Hilker das Spiel wegen Nebel ab. Das Nachholspiel am 28. November gewinnt Braunschweig dennoch (2:1), steigt aber als Vorletzter mit RW Oberhausen als Schlusslicht ab.

Nach den Münchener "Löwen" und dem Club aus Nürnberg damit der dritte ehemalige Bundesliga-Meister, der den Gang in die Zweitklassigkeit antreten muss.

03.08.12
 
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zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München93:2954:14
 
21. FC Köln66:5143:25
 
3Fortuna Düsseldorf62:4542:26
 
4Wuppertaler SV62:4940:28
 
5Bor. Mönchengladbach82:6139:29
 
6VfB Stuttgart71:6537:31
 
7Kickers Offenbach61:6035:33
 
8Eintracht Frankfurt58:5434:34
 
91. FC Kaiserslautern58:6834:34
 
10MSV Duisburg53:5433:35
 
11Werder Bremen50:5231:37
 
12VfL Bochum50:6831:37
 
13Hertha BSC53:6430:38
 
14Hamburger SV53:5928:40
 
15FC Schalke 0446:6128:40
 
16Hannover 9649:6526:42
 
17Eintracht Braunschweig33:5625:43
 
18Rot-Weiß Oberhausen45:8422:46
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