Der FCB sackte damit ab auf Rang 4, der KSC rückte ihm auf die Pelle und schob sich auf den fünften Platz. Bei den Bayern "qualmte es richtig", verriet Mittelfeldspieler Rainer Zobel, der später unter anderem den FCK und den Club coachte. "Wenn ich heute solche Worte gebrauchen würde, hätte ich täglich so etwa 16 Beleidigungsklagen am Hals."
Doch die Lage beruhigte sich wieder. Der FCB merzte seinen Fehler wieder aus, vor heimischem Publikum blieb er die gesamte Spielzeit über ungeschlagen - diese Bilanz konnte außer dem amtierenden Meister nur noch Eintracht Frankfurt ziehen.
Den Bayern gelang in dieser Saison der Titel-Hattrick, dreimal in Folge durften sie die Schale bejubeln. Bereits vor dem letzten Spieltag stand die Entscheidung fest - Gladbach konnte die Bayern auch im direkten Duell nicht mehr einholen. Doch das änderte nichts daran, dass die Borussia offensiv agierte: Fünfmal musste Bayern-Keeper Sepp Maier hinter sich greifen. Doch das störte die Bayern nicht - abgesehen von Gerd Müller, der ängstlich auf die Torjägerliste schielte. Schampus und eine durchzechte Nacht hatten das Team aus der Form gebracht: Nicht einmal 24 Stunden zuvor hatten sie den ganz großen Coup gelandet.
Als erste deutsche Mannschaft gewannen die Bayern den Europapokal der Landesmeister. Mit einem 4:0 servierten sie Atletico Madrid im Wiederholungsspiel ab, die erste Begegnung hatte auch nach Verlängerung mit einem Unentschieden (1:1) geendet. Und das wurde anschließend gebührend gefeiert, erinnert sich Rainer Zobel: "Wir haben ziemlich getankt. Selbst kurz vor dem Spiel in Gladbach saßen wir auf der Wiese draußen vor unserem Tageshotel und haben immer noch Bier getrunken. Ich saß in der ersten Halbzeit auf der Bank, weil ich kaum noch laufen konnte."
Die anfängliche Skepsis war komplett verflogen: Vor dem Amtsantritt von Bayern-Trainer Udo Lattek 1971 schrieben seine Kollegen diesem nicht die besten Chancen zu. "Dem Mann fehlt es an Erfahrung", hatten die Experten orakelt. Am Ende hatte er es allen gezeigt und sich selbst übertroffen.
Für die Bayern Maier, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Breitner, Hoeneß und Müller war das aber noch nicht der krönende Abschluss. Ihr Highlight folgte am 7. Juli 1974 mit der Nationalmannschaft: Im Münchner Olympia-Stadion fand das WM-Finale statt, Niederlande hieß der Gegner, den es zu besiegen galt. Und das gelang der DFB-Elf. Nach einer frühen Führung durch den Niederländer Johan Neeskens, der einen Foulelfmeter verwandelt hatte, machten Paul Breitner (ebenfalls Strafstoß) und Gerd Müller das Ding rein und gewannen so 2:1. Nach 1954 war Deutschland wieder Weltmeister.
Am Meistertitel konnte Gladbach am letzen Spieltag nicht mehr rütteln, die Vergabe der Torjägerkanone war aber noch nicht entschieden. Borusse Jupp Heynckes nutzte die Sorglosigkeit der Bayern, die in Gedanken bereits bei der Meisterfeier waren und traf noch zweimal. "Kleines dickes Müller" musste auf dem Torjäger-Thron Platz machen, mit jeweils 30 Treffern teilten sie sich Platz 1.
Gerd Müller und Jupp Heynckes stürmten für ihre Teams zum Erfolg, doch auch ihre Mitspieler waren torhungrig: Borussia Mönchengladbach schoss insgesamt 93 Tore, die Bayern brachten es sogar auf 95. Eine so hohe Ausbeute war beim FCB nichts Ungewöhnliches. Im Jahr zuvor hatten sie 93-mal gejubelt, in der Saison 1971/72 erzielten sie sogar 101 Treffer.
Für Spannung in der Saison sorgten auch die Main-Derbys zwischen Eintracht Frankfurt und den Kickers aus Offenbach. In dieser Saison gab es keine Heimniederlage für die Eintracht, seit dem 5. Juni 1971 war die Bilanz zu Hause fast makellos: Nur am 24. Februar 1973 mussten sie eine 0:3-Schlappe einstecken. Natürlich gegen die Kickers. Am 2. März 1974 war Offenbach nun erneut zu Gast. Gegen den Angstgegner gab man sich in Frankfurt mit einem 2:2 zufrieden, Hauptsache es gab keine Demütigung wie in der Hinrunde, als sie ein 2:5 kassierten. Frankfurt konnte sich zum Schluss über Tabellenplatz 4 freuen, die Kickers landeten auf dem 10. Rang.
Während das Rennen um den Meistertitel vor dem letzten Spieltag bereits entschieden war, gab es im Tabellenkeller noch Abstiegsdramatik pur. Hannover 96 hatte sich bereits vorab ein Ticket in die Zweite Liga gesichert, bis zur 81. Spielminute war der SV Wuppertal Abstiegskandidat Nummer zwei, weil dieser in Stuttgart 1:2 hinten lag. Fortuna Köln bewies in Offenbach zwar keine Klasse und hatte bereits vier Gegentore kassiert, doch sie schienen mit einem Punkt Vorsprung gerettet zu sein. Dann jedoch kam der große Auftritt von Dieter Lömm: Sein Ausgleichstreffer versetzte ganz Wuppertal in einen Freudenrausch. Dem SVW gelang bei Punktgleichheit dank der besseren Tordifferenz der Klassenerhalt, während Fortuna Köln sich in die neugeschaffene Zweite Liga Nord verabschieden musste.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Bayern München | 95:53 | 49:19 |
| 2 | ![]() | Borussia M'gladbach | 93:52 | 48:20 |
| 3 | ![]() | Fortuna Düsseldorf | 61:47 | 41:27 |
| 4 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 63:50 | 41:27 |
| 5 | ![]() | 1. FC Köln | 69:56 | 39:29 |
| 6 | ![]() | 1. FC Kaiserslautern | 80:69 | 38:30 |
| 7 | ![]() | FC Schalke 04 | 72:68 | 37:31 |
| 8 | ![]() | Hertha BSC | 56:60 | 33:35 |
| 9 | ![]() | VfB Stuttgart | 58:57 | 31:37 |
| 10 | ![]() | Kickers Offenbach | 56:62 | 31:37 |
| 11 | ![]() | Werder Bremen | 48:56 | 31:37 |
| 12 | ![]() | Hamburger SV | 53:62 | 31:37 |
| 13 | ![]() | Rot-Weiss Essen | 56:70 | 31:37 |
| 14 | ![]() | VfL Bochum | 45:57 | 30:38 |
| 15 | ![]() | MSV Duisburg | 42:56 | 29:39 |
| 16 | ![]() | Wuppertaler SV | 42:65 | 25:43 |
| 17 | ![]() | Fortuna Köln | 46:79 | 25:43 |
| 18 | ![]() | Hannover 96 | 50:66 | 22:46 |