
Auf Empfehlung von Bundestrainer Sepp Herberger engagiert Borussia Mönchengladbach den im Rheinland bekannten Trainer Hennes Weisweiler zum 1. Juli 1964 von Viktoria Köln. Hart, direkt, kantig, aber immer eine ehrliche Haut: So lernen ihn die Gladbacher kennen. Weisweiler lässt offensiven, attraktiven Fußball spielen. Dafür hat er zu Beginn junge Spieler wie Günter Netzer oder - aus der eigenen Jugend - Jupp Heynckes zur Verfügung.
Die "Fohlenelf" spielt unbekümmert auf und steigt in Weisweilers erstem Jahr auf dem Bökelberg in die Bundesliga auf. Zusammen mit Mönchengladbach betritt auch der FC Bayern München 1965 die neue Bundesliga-Bühne. Eine Erfolgsgeschichte nimmt seinen Lauf in beiden Vereinen.
Unter der Ägide Weisweiler verbessert sich Gladbach kontinuierlich von Jahr zu Jahr. Von der Regionalliga führt der passionierte Skatspieler seine Mannschaft zur ersten deutschen Meisterschaft 1970. Vor dieser Saison gibt es für den ehrgeizigen Trainer nur ein Ziel, das er vehement ausgibt: "Wenn es in diesem Jahr nichts wird mit der Meisterschaft, dann bin ich weg!" Gladbach wird nicht nur Meister, sondern verteidigt seinen Titel ein Jahr später als erstes Team der Bundesliga. 1973 feiert Gladbach den Pokalsieg. Doch es gibt auch Nebengeräusche. Weisweiler, der es hasst zu verlieren, lässt schon mal seinen "Ziehsohn" Berti Vogts antreten, damit dieser den neben ihm stehenden Kapitän Günter Netzer ausrichten soll, morgen sei Training.
Der Star Günter Netzer verlässt Gladbach auf dem Höhepunkt seiner Karriere 1973, doch Weisweiler hat ein Händchen für Talente. Auch ohne die Spieler-Ikone schießt sich die Fohlenelf zum Titel. Mit der dritten Meisterschaft 1975 hat Gladbach die Bayern vom Thron gestoßen.
Vom "Supersturm" Simonsen/Jensen/Heynckes schwärmt Abwehrspieler Rainer Bonhof. Da überrascht Weisweiler den Bökelberg mit der Bekanntgabe, zum FC Barcelona zu wechseln. Nach drei Meisterschaften (1970, 1971 und 1975), dem Pokalsieg 1973 und dem UEFA-Pokalerfolg 1975 verlässt die Ikone nach elf Jahren Mönchengladbach. Mit "Adios Hennes"-Plakaten verabschieden die Fans den Fußball-Fachmann. Für Bonhof ist es die "erfolgreichste Saison meiner Karriere". Die schönste kann es nicht werden, der Schock vom Weggang Weisweilers sitzt zu tief: "Er war der beste Trainer, den ich je hatte."
Müller, Müller, immer wieder Müller. Den "Bomber" rufen sie ihn. Gerd Müller gilt als der beste Stürmer Deutschlands und hat sich spätestens mit seinem Siegtor im WM-Finale 1974 unsterblich gemacht. Doch der Stern des Südens beginnt zu sinken. Der fünfmalige Torschützenkönig der Bundesliga trifft zwar nach Belieben. Bei der 5:6-Niederlage der Bayern in Düsseldorf braucht der Jahrhundert-Stürmer für drei seiner fünf (!) Tore gerade mal vier Minuten. Aber 23 Tore reichen 1974/75 nicht mehr aus, um bester deutscher Torjäger zu werden. Als Meister sind die Bayern angetreten und schließen die Saison als Zehnter ab. So sehr "kleines dickes Müller" auch jubelt: Es gibt immer wieder torgefährlichere Stürmer. Mit Dieter Müller teilt er sich 1978 noch einmal die Krone (24 Tore). Danach steht er nie wieder ganz oben.
Ein Bundesliga-Gründungsmitglied geht. Der VfB Stuttgart fällt einer Neuerung zum Opfer: Erstmals müssen drei Mannschaften die Bundesliga verlassen. Als Drittletzter, nur einen einzigen Punkt hinter Werder Bremen, erwischt es den VfB ebenso wie den erstmaligen Aufsteiger Tennis Borussia Berlin und den Wuppertaler SV. Auch die Trainerwechsel in Stuttgart (Albert Sing für Hermann Eppenhoff) und Wuppertal (Janos Bedl für Horst Buhtz) retten die Mannschaften nicht vor der Zweitklassigkeit.
Bei der WM im eigenen Land wird der Gladbacher Jupp Heynckes neben Jürgen Grabowski, Dieter Herzog, Bernd Hölzenbein und Gerd Müller als Stürmer nominiert. Im zweiten Spiel gegen Australien verletzt sich aber der amtierende Torschützenkönig der Bundesliga. Rechtzeitig zum Saisonstart gegen den Hamburger SV ist er wieder fit: Heynckes trifft nach dem 0:2-Rückstand zum Anschlusstreffer, Gladbach verliert dennoch 1:3. Heynckes brilliert am Ende mit 27 Toren neben seinen genialen Partnern Allan Simonsen (18) und Henning Jensen (13). Damit lässt er Dieter Müller vom 1. FC Köln (24) ebenso hinter sich wie Gerd Müller (23) und den Lauterer Roland Sandberg (20).
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Borussia M'gladbach | 86:40 | 50:18 |
| 2 | ![]() | Hertha BSC | 61:43 | 44:24 |
| 3 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 89:49 | 43:25 |
| 4 | ![]() | Hamburger SV | 55:38 | 43:25 |
| 5 | ![]() | 1. FC Köln | 77:51 | 41:27 |
| 6 | ![]() | Fortuna Düsseldorf | 66:55 | 41:27 |
| 7 | ![]() | FC Schalke 04 | 52:37 | 39:29 |
| 8 | ![]() | Kickers Offenbach | 72:62 | 38:30 |
| 9 | ![]() | Eintracht Braunschweig | 52:42 | 36:32 |
| 10 | ![]() | Bayern München | 57:63 | 34:34 |
| 11 | ![]() | VfL Bochum | 53:53 | 33:35 |
| 12 | ![]() | Rot-Weiss Essen | 56:68 | 32:36 |
| 13 | ![]() | 1. FC Kaiserslautern | 56:55 | 31:37 |
| 14 | ![]() | MSV Duisburg | 59:77 | 30:38 |
| 15 | ![]() | Werder Bremen | 45:69 | 25:43 |
| 16 | ![]() | VfB Stuttgart | 50:79 | 24:44 |
| 17 | ![]() | Tennis Borussia Berlin | 38:89 | 16:52 |
| 18 | ![]() | Wuppertaler SV | 32:86 | 12:56 |