Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
Nicht registriert?

03.08.2012, 12:08

1975/76 - Klaus Fischer schnappt sich die Kanone

Auch ohne Weisweiler - "Fohlen" halten ihre Leistung

Eine Ära ging zu Ende. Nach elf erfolgreichen Jahren war vor der Saison 1975/76 Schluss für Gladbachs Trainer Hennes Weisweiler. Der Meistermacher verließ den Verein und machte sich auf in Richtung Süden: FC Barcelona hieß sein neues Projekt. Gespannt wurde der Saisonstart in der Bundesliga erwartet - wie würde sich die Borussia ohne Weisweiler schlagen?

Triumphzug durch Mönchengladbach: Die Borussia um Berti Vogts (mit der Schale) und Trainer Udo Lattek (re. daneben) feierte erneut.
Triumphzug durch Mönchengladbach: Die Borussia um Berti Vogts (mit der Schale) und Trainer Udo Lattek (re. daneben) feierte erneut.
© imago Zoomansicht

Der neue Trainer, für den sich das Präsidium am Bökelberg entschieden hatte, war kein Unbekannter: Udo Lattek, im Vorjahr noch Coach des Erzrivalen FC Bayern, übernahm das Training. Doch bevor es für Lattek in Gladbach losgehen konnte, gab es da noch eine Kleinigkeit zu klären. Der Erfolgstrainer hatte nämlich bereits bei Rot-Weiss Essen unterschrieben, kaufte sich aber aus dem Vertrag heraus. "Was würden Sie machen, wenn Sie die Wahl zwischen einem Fahrrad und einem Mercedes hätten?", begründete Lattek seine Entscheidung.

In München übernahm Dettmar Cramer das Training. Nach einer miserablen Leistung in der vergangenen Saison und einem unbefriedigenden zehnten Rang war das Ziel klar: Gladbach muss vom Sockel gestürzt werden. Daraus wurde zwar nichts, gefeiert wurde beim FCB trotzdem.

Wie sein Vorgänger Weisweiler setzte auch Lattek auf Sicherheitsfußball. Das Hauptaugenmerk lag bei ihm auf der konzentrierten Abwehrarbeit. "Unter seiner Leitung schossen wir in dieser Saison nur 66 Tore, im Jahr zuvor waren es noch 20 mehr gewesen", erinnerte sich Uli Stielike, dem in dieser Spielzeit der internationale Durchbruch gelang: Gegen Österreich (2:0) debütierte er am 3. September 1975 in der deutschen Nationalmannschaft.

Bilder der Saison 1975/76
Attraktiv und effektiv - Fischers Kunststücke für Schalke
Klaus Fischer
Endlich Erster

In den vergangenen Jahren war Schalkes Stürmer Klaus Fischer meist auf dem zweiten oder dritten Rang der Torschützenliste gelandet - jetzt stand er endlich ganz oben auf dem Podest. Mit 29 Treffern hatte er die Konkurrenz weit hinter sich gelassen, der Zweitplatzierte Erich Beer (Hertha BSC) hatte nur 23 Treffer auf dem Konto.
© imago

vorheriges Bild nächstes Bild

Zwar hatte die Borussia diesmal nicht so oft geknipst, doch Latteks Taktik ging auf. Neben Stielike sorgten Torhüter Wolfgang Kleff, Hans-Jürgen Wittkamp, Berti Vogts, Herbert Wimmer und Dietmar Danner für eine stabile Defensive. Mit nur 37 Gegentreffern hatte Gladbach die zweitbeste Abwehr der Saison, nur die von Vizemeister HSV war besser: Die Hanseaten kassierten nur 32 Tore.

32. Spieltag - der Sekt bleibt im Kühlschrank

Bereits am 32. Spieltag hätte die Borussia alles klarmachen können. Nur ein Punkt hatte noch zum Titel gefehlt. Und alle vier Verfolger mit gleichem Punktstand - 37:25 Zählern - patzten. Der FCB ließ durch ein 1:1 gegen Frankfurt einen Punkt liegen, Braunschweig kam gegen Essen ebenfalls nicht über ein Unentschieden hinaus (2:2). Der HSV kassierte gegen Bremen eine 1:2-Heimpleite, mit gleichem Ergebnis unterlag auch Kaiserslautern Bayer Uerdingen. Und Gladbach? Der Sekt war kaltgestellt, 32.000 Fans ließen sich die Partie gegen den Tabellensiebten Schalke 04 nicht entgehen. Doch anstelle von Sektkorken, knallte es auf dem Bökelberg Gegentore für Latteks Jungs. Die Königsblauen schossen Gladbach 2:0 ab, zweimal hatte Erwin Kremers getroffen.

Dann eben im nächsten Spiel: Gegen Kickers Offenbach fertigte die Borussia ihr viertes Meisterstück. 1:1 lautete das Endergebnis, doch das Tor durch den Gladbacher Allan Simonsen wäre gar nicht nötig gewesen: Für die Verfolger Bayern (0:1 gegen Köln) und Braunschweig (1:1 gegen Bochum) war der Traum vom Titel nach ihren Patzern geplatzt, Lattek hätte mit seinem Team auch ohne Punkt den Titel eingefahren. Für Offenbach bedeutete der Gegentreffer jedoch den Genickbruch - die Hessen stiegen in die Zweite Liga ab.

Der FCB landete auf dem dritten Rang, freute sich aber über den Hattrick im Europapokal der Landesmeister. 1:0 hatte sich Cramers Team gegen AS Saint-Etienne im Finale durchgesetzt.

Der Torschützenkönig

Endlich hatte es gereicht. In den vergangenen Jahren war er meist auf dem zweiten oder dritten Rang gelandet, diesmal ging die kicker-Torjägerkanone an den Schalker Klaus Fischer. Mit 29 Treffern ließ er die Konkurrenz weit hinter sich. Berlins Erich Beer und Bayerns "Bomber" Gerd Müller brachten es auf 23 Tore und teilten sich Platz zwei.

Was sonst noch geschah

Es war eine Saison der Jubiläen: 19. Spieltag, der MSV Duisburg verlor zu Hause 1:3 gegen Schalke. Kleiner Trost für die "Zebras": Herbert Büssers hatte Tor Nummer 12.000 der Bundesliga-Geschichte erzielt.

Am letzten Spieltag ließen es die Bayern noch einmal richtig krachen. 7:4 endete die torreiche Begegnung mit Hertha BSC. Fünf Treffer steuerte Gerd Müller in seinem 350. Bundesligaspiel bei. Vor heimischem Publikum gelang ihm dabei sein 300. Tor.

Die neue Karnevalssaison in Köln war gerade eröffnet worden, da gab es auch im Fußball Grund zu feiern. Weniger wegen des Ergebnisses gegen Eintracht Frankfurt (3:3), sondern weil im neuen Müngersdorfer Stadion die erste Bundesligapartie ausgetragen wurde.

Gut gelaunt war hier am Ende niemand: Gemeinsam mit den Kickers Offenbach verabschiedeten sich Hannover 96 und Bayer Uerdingen in die Zweite Liga.

Nach Saisonende war die DFB-Elf wieder unterwegs, das Team fuhr zur Europameisterschaft. Deutschland stand im Finale gegen die Tschechoslowakei, nach 90 Minuten lautete das Ergebnis am 20. Juni 1976 in Belgrad 2:2. Die Verlängerung blieb torlos - erstmals in der Geschichte entschied ein Elfmeterschießen über den Sieger einer EM oder WM. Die Tschechoslowaken legten vor, Rainer Bonhof, Heinz Flohe und Hannes Bongartz glichen jeweils aus. Dann machte sich Uli Hoeneß auf den Weg zum Punkt. "Ich hätte eigentlich gar nicht schießen dürfen", sagte er später, "ich war fix und fertig, die Hitze im Stadion hatte mich kaputt gemacht." Anstatt auf den Torwart zu achten und die andere Ecke zu wählen, wollte er diesmal "kein Risiko eingehen und den Ball mit voller Wucht ins Tor jagen". Mit voller Wucht - ja, ins Tor - leider nein. Hoeneß drosch den Ball in den Nachthimmel von Belgrad, Deutschland verlor 3:5 im Elfmeterschießen. Das Finale ist Geschichte, ein Satz darf dabei nie fehlen: "Den Ball suchen sie noch heute."

03.08.12
 
- Anzeige -
Seite versenden
zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bor. Mönchengladbach66:3745:23
 
2Hamburger SV59:3241:27
 
3Bayern München72:5040:28
 
41. FC Köln62:4539:29
 
5Eintracht Braunschweig52:4839:29
 
6FC Schalke 0476:5537:31
 
71. FC Kaiserslautern66:6037:31
 
8Rot-Weiss Essen61:6737:31
 
9Eintracht Frankfurt79:5836:32
 
10MSV Duisburg55:6233:35
 
11Hertha BSC59:6132:36
 
12Fortuna Düsseldorf47:5730:38
 
13Werder Bremen44:5530:38
 
14VfL Bochum49:6230:38
 
15Karlsruher SC46:5930:38
 
16Hannover 9648:6027:41
 
17Kickers Offenbach40:7227:41
 
18Bayer 05 Uerdingen28:6922:46
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

- Anzeige -