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03.08.2012, 12:08

1976/77 - Gladbach wird Meister, Dieter Müller knipst

Die Zeichen stehen auf Abschied: "Franz der Große" verlässt den FC Bayern

1965 hatte er mit den Bayern die Bundesliga-Bühne betreten und war zum "Kaiser" aufgestiegen. In der Saison 1976/77 absolvierte Franz Beckenbauer seine letzte Spielzeit im Dress der Münchner - und zog weiter Richtung New York.

Neue Heimat Big Apple: Franz Beckenbauer nach seinem Abschied aus München im Sommer 1977.
Neue Heimat Big Apple: Franz Beckenbauer nach seinem Abschied aus München im Sommer 1977.
© imago Zoomansicht

Er ist ein Kind der Bundesliga. Ein Kind, das später zum Kaiser ausgerufen wird. Mit einer Sondergenehmigung des Süddeutschen Fußballverbandes spielt der noch A-Jugendliche Franz Beckenbauer 1964 bei den Aufstiegsspielen des FC Bayern München in der Regionalliga mit. "Ich hatte 160 Mark Grundgehalt", kramt Beckenbauer später in seinem großen Fußball-Fundus. 16 Tore steuert der 19-Jährige beim späteren Regionalliga-Meister bei: Mit dem Gruppensieg in den Aufstiegsrunden betritt der FC Bayern 1965 samt Beckenbauer die noch frische Bundesliga-Bühne. Der Beginn einer Welt-Karriere - für Beckenbauer und den FC Bayern.

Siebter! Der Meister von 1974 verliert immer mehr an Glanz. Nach dem Zwischenhoch 1976 als Dritter hinter dem ewigen Rivalen Borussia Mönchengladbach und dem Hamburger SV sinkt der Stern des Südens 1977. Der siebte Tabellenrang wird eine Zäsur beim bajuwarischen Serienmeister Anfang der Siebziger darstellen. Auch wenn die "Katze von Anzing" erneut zum Fußballer des Jahres gekürt wird, steht bei den Bayern mit Sepp Maier ein nun 33-Jähriger zwischen den Pfosten. Gerd Müller weiß nach 28 Toren auch noch, wo der Ball rein muss. Doch Franz Beckenbauer, Edel-Libero der Bayern, Europameister 1972 und Weltmeister 1974, sieht mit 32 Jahren dem Abschied entgegen. Dem Abschied vom FC Bayern, dem Abschied aus der Nationalmannschaft: "Die Zeit war abgelaufen, die Konstanz fehlte."

Probleme hat nicht nur der FCB: Meister Borussia Mönchengladbach steht zwar die Titelverteidigung bevor und Meistertrainer Udo Lattek verfügt über nahezu den gleichen Kader, doch die "Fohlen" haben einige Ausfälle zu beklagen. Keeper Wolfgang Kleff verletzt sich in der Vorbereitung, Lattek holt Wolfgang Kneib vom SV Wiesbaden ("Das war ein Volltreffer", freut sich Stürmer Allan Simonsen). Die Doppelbelastung mit Liga und Europapokal setzt den Borussen zu. Leistungsträger wie Berti Vogts (Leisten-OP) oder Jupp Heynckes (Meniskus-OP) fallen aus. Taktik-Fuchs Lattek reagiert: Die einstige Torfabrik der Liga wandelt der Trainer um in eine Defensiv-Mauer. "Wir haben oft nur mit einer Spitze und offensivem Mittelfeld gespielt." Simonsen vermisst vor allem den zu Real Madrid abgewanderten Sturmpartner Henning Jensen.

Weisweiler zurück im Rheinland

Den Borussen mit heißem Atem im Nacken sind die Kölner. Die lassen vor der Saison mit spektakulären Transfers aufhorchen: Der große Hennes Weisweiler kehrt vom FC Barcelona als Trainer zurück in seine Heimatstadt. Dem ehemaligen Gladbacher Meistercoach wird Roger van Gool als Stürmer zur Verfügung gestellt. Die Liga staunt über den Transfer: Erstmals in der Bundesliga-Geschichte wird für einen Spieler über eine Million DM (1,1 Mio. an den FC Brügge) gezahlt. Der "Eff-Zee" legt einen Traumstart hin. Nach fünf Siegen in Folge steht Köln an der Tabellenspitze. Die Gladbacher Borussen starten zwar mit einem mageren 1:1 in die neue Spielzeit, verlieren aber erst im 14. Spiel (1:4 gegen HSV). Latteks Schützlinge holen sich so noch die Herbstmeisterschaft. Auch, weil die Konkurrenz stets schwächelt. So fallen etwa die Kölner zurück: Es kriselt fortwährend, weil Weisweiler mehr auf Heinz Flohe als auf die Ikone Wolfgang Overath als Spielmacher setzt.

Die Highlights der Saison 1976/77
Die letzte Saison mit den Stars - Gladbachs Titel-Hattrick
Hennes Weisweiler
Der Meistermacher gab sich die Ehre

Der 1. FC Köln wartete in der neuen Saison mit einem spektakulären Transfer auf: Der große Hennes Weisweiler gab sich die Ehre und war als Coach vom FC Barcelona in die Domstadt gewechselt. Gladbach schien den Titel abonniert zu haben - Zeit, die Borussia zu entthronen.
© imago

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Bomber Müller jubelt fünf Mal beim 9:0 seiner Bayern gegen den späteren Absteiger Tennis Borussia Berlin. Aber alle Meisterschaftsanwärter vermögen den Gladbachern nicht zu folgen. Schalke 04 und Eintracht Braunschweig können ihren Ambitionen mit dem zweiten bzw. dritten Platz noch Taten folgen lassen. Der HSV (6.), die Bayern (7.) und Kaiserslautern (13.) sind weit von ihren Ansprüchen entfernt. Nach dem 27. November (2:1 in Karlsruhe) starten die Bayern eine Negativserie von saisonübergreifend 28 Spielen in Serie ohne Sieg auf fremden Plätzen und verlieren den Nimbus des übermächtigen Gegners.

Meister ohne großen Glanz

Ein Grund dafür, dass Gladbach abermals den Meistertitel feiern kann, obwohl "der große Glanz bei uns nicht vorhanden" war, wie Jupp Heynckes rückblickend feststellte. Seine Borussen feierten - ausgerechnet in München. Im letzten Saisonspiel vor 77.500 Zuschauern schoss er das 1:0, Stielike das 2:0. Gerd Müllers Anschlusstreffer und Hans-Jürgen Wittkamps Eigentor reichten zum fünften Meistertitel.

Am 34. Spieltag stehen Franz Beckenbauer, Uli Stielike und Wolfgang Overath zum letzten Mal im Dress ihrer Vereine. Leitwolf Beckenbauer verlässt die Bundesliga und Deutschland Richtung Amerika. Für zwei Millionen Dollar heuert der Star aus Germany bei Cosmos New York an: "Diese Zeit war mit die schönste in meinem Leben", bilanziert der "Kaiser" nach seiner Karriere. Kölns Spielmacher Overath, Deutscher Meister 1964 und Weltmeister 1974, beendet seine Karriere nach insgesamt 765 Spielen für den FC. Den Abschied aus der Profikarriere versüßt sich der 34-Jährige mit einem letzten Tor im letzten Spiel gegen Werder Bremen zum zwischenzeitlichen 2:0 (Endstand 3:0). Stielike, dreifacher Deutscher Meister mit Mönchengladbach (1975-77) sagt der Bundesliga mit seinem letzten 2:0 gegen die Bayern ebenso Servus. Als Spanischer Meister (1978-80) knüpft der Abwehrspieler bei Real Madrid nahtlos an die Erfolge in Deutschland an.

Der Torschützenkönig

Gestatten: Müller. Dieter Müller. Es "müllert" wieder in der Bundesliga! Konnten Jupp Heynckes und Klaus Fischer "Bomber" Gerd Müller in den Jahren zuvor noch Konkurrenz machen, steht 1977 wieder ein Müller ganz vorne in der Liste der besten Torjäger. Der Kölner Dieter Müller hat eine Traumquote von 34 Treffern in 34 Spielen. Damit lässt er nicht nur Vorjahres-Sieger Fischer (29 Tore) hinter sich, sondern auch klangvolle Namen wie Gerd Müller (28) und Simonsen (12). Enttäuschend dagegen die Ausbeute des Kölner Millionen-Transfers Roger von Gool, der in 32 Partien nur zehn Mal jubelt.

Was sonst noch geschah

Aus der Bundesliga verabschieden sich der Karlsruher SC, der Vorjahres-Achte RW Essen und Aufsteiger Tennis Borussia Berlin. Die beiden anderen Aufsteiger 1. FC Saarbrücken (14.) und Borussia Dortmund (8.) bleiben dem Oberhaus ein weiteres Jahr erhalten. Wehmütig blickt Simonsen zurück, denn nur vier Tage nach dem Gewinn der Meisterschaft steht Gladbach in Rom beim Finale des Europapokals der Landesmeister dem FC Liverpool gegenüber. 1:3 unterliegen sie den Engländern, Simonsen ist sich sicher, "hätten wir die Meisterschaft schon früher entschieden, wären wir auch Europacup-Sieger geworden". Der Borussen-Angreifer wird dennoch Europas Fußballer des Jahres. "Eine Trophäe, die mich heute noch an Borussias große Zeit erinnert."

03.08.12
 
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zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bor. Mönchengladbach58:3444:24
 
2FC Schalke 0477:5243:25
 
3Eintracht Braunschweig56:3843:25
 
4Eintracht Frankfurt86:5742:26
 
51. FC Köln83:6140:28
 
6Hamburger SV67:5638:30
 
7Bayern München74:6537:31
 
8Borussia Dortmund73:6434:34
 
9MSV Duisburg60:5134:34
 
10Hertha BSC55:5434:34
 
11Werder Bremen51:5933:35
 
12Fortuna Düsseldorf52:5431:37
 
131. FC Kaiserslautern53:5929:39
 
141. FC Saarbrücken43:5529:39
 
15VfL Bochum47:6229:39
 
16Karlsruher SC53:7528:40
 
17Tennis Borussia Berlin47:8522:46
 
18Rot-Weiss Essen49:10322:46
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