
"Bei der anschließenden Meisterfeier wollte überhaupt keine Stimmung aufkommen", erzählt Kopfball-Ungeheuer Horst Hrubesch, "zu sehr belasteten die Bilder aus dem Stadion."
Bis zum vorletzten Spieltag war es spannend geblieben: Nach einer rasanten Aufholjagd von Stuttgart und Hamburg lieferten sich die beiden Klubs in der Rückrunde einen erbitterten Kampf um den Titel. Doch nach einem peinlichen 1:4 des VfB gegen Vorjahresmeister Köln enteilte der HSV mit dem Titel.
Das Erfolgsrezept stammte von Branko Zebec, ausgerechnet dem Coach, der Anfang der 70er die Schwaben trainiert hatte. Disziplin und "Rasenschach" lautete sein Credo. Rationeller konnte Fußball kaum gespielt werden. Das System wurde perfektioniert, bis die Kicker tatsächlich an Schachfiguren erinnerten. Nicht besonders attraktiv, aber durchaus effektiv. Zebec, damals noch nicht alkoholkrank, war konsequent: Wer nicht nach seinen Regeln spielte, flog raus. Exzellente Fußballer wie Arno Steffenhagen, Ferdinand Keller oder Georg Volkert mussten gehen.
Der Erfolg gab dem Jugoslawen Recht: Noch ein Jahr zuvor hatte es für die Hanseaten nur zum 10. Platz gereicht, nun standen sie an der Spitze des deutschen Fußballs. Für seine Jungs war es kein Zuckerschlecken gewesen: harte Arbeit und immer auf der Hut sein. Nicht nur das Konditionstraining verlangte den Spielern alles ab. "Ihr müsst in jeder Situation hellwach sein", verlangte Zebec von seinen Kickern. Diesen Leitspruch sollten sie stets in Erinnerung behalten, da kam es schon mal vor, dass die Fußballer an ihrem Trainer vorbeiliefen und der ihnen plötzlich in die Hacken trat. "Du musstest aufpassen wie ein Wachhund", erinnert sich Felix Magath.
Seine gnadenlose Kontrolle war eine weitere Spezialität von Zebec. "Um 22.30 Uhr kam immer sein Anruf", erzählte Horst Hrubesch, bekannt für die perfekte Verwertung der "Bananen-Flanken" von Manfred Kaltz. "Und wenn er spitzkriegte, dass ein Spieler auch nur in die Nähe von St. Pauli und der Reeperbahn kam, wurde er fuchsteufelswild. Sein Informationssystem war nahezu lückenlos."
Zur Trumpfkarte der Mannschaft entwickelte sich Stürmer Kevin Keegan. 17-mal knipste die "Mighty Mouse" aus England. Für seine überragende Spielweise wurde er zum zweiten Mal in Folge zu "Europas Fußballer des Jahres" gewählt. Mindestens genauso viel Bewunderung erntete er für ein Foul der ganz besonderen Art. Im Training war es Keegan gelungen, bei Coach Zebec eine Grätsche anzusetzen. "Bereits im Fallen hat er einen Freistoß für sich gepfiffen", sagte Magath später.
In der Treffer-Statistik gab es einen Einbruch. Seit 1971 waren in jeder Saison mehr als 1.000 Tore gefallen, diesmal wurden nur magere 963 geknipst. 22-mal hatte der Düsseldorfer Klaus Allofs eingenetzt und durfte die begehrte kicker-Torjägerkanone in den Händen halten. Sein zweiter Titel in dieser Spielzeit: Die Fortuna hatte sich im Pokalfinale mit 1:0 gegen Hertha BSC durchgesetzt.
Pokalsieger und Meister im vergangenen Jahr, doch in dieser Spielzeit konnte der 1. FC Köln nicht glänzen. Zeitweise rutschte das Team von Hennes Weisweiler gefährlich weit ab, landete sogar auf Rang 14. Doch genau wie beim VfB und HSV verlief die Rückrunde erfolgreicher: Die Geißböcke erreichten zum Schluss doch noch Platz 6. Sie waren gerade erst angekommen, da mussten sie auch schon wieder ihre Sachen packen: Die Aufsteiger aus Nürnberg, Bielefeld und Darmstadt mussten sich nach nur einer Saison im Oberhaus wieder verabschieden und stiegen ab.
Schlechtwetterkapriolen brachten den Spielplan gehörig durcheinander. Spielleiter Hermann Schmaul hatte alle Hände voll zu tun, die 46 ausgefallenen Spiele neu anzusetzen und den Terminplan zu koordinieren. Bis zum drittletzten Spieltag lieferte die Tabelle deshalb ein ungleiches Bild ab.
Chip im Ball, Torkamera - von wegen. Trotzdem gab es in dieser Spielzeit eine neue technische Errungenschaft: "Kommissar Kamera" wurde eingeführt. Zur Beweisführung wurden Kamerabilder herangezogen, heute längst eine Selbstverständlichkeit. Als ersten erwischte es Magath, der für eine Tätlichkeit gegen den Gladbacher Horst Wohlers eine sechswöchige Strafe erhielt. In der Berufungsverhandlung wurde diese zwar wieder aufgehoben, doch von nun an ging es den Profis an den Kragen.
Fußballer des Jahres wurde der 32-jährige Gladbacher Berti Vogts - zum zweiten und letzten Mal in seiner überaus erfolgreichen Karriere.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Hamburger SV | 78:32 | 49:19 |
| 2 | ![]() | VfB Stuttgart | 73:34 | 48:20 |
| 3 | ![]() | 1. FC Kaiserslautern | 62:47 | 43:25 |
| 4 | ![]() | Bayern München | 69:46 | 40:28 |
| 5 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 50:49 | 39:29 |
| 6 | ![]() | 1. FC Köln | 55:47 | 38:30 |
| 7 | ![]() | Fortuna Düsseldorf | 70:59 | 37:31 |
| 8 | ![]() | VfL Bochum | 47:46 | 33:35 |
| 9 | ![]() | Eintracht Braunschweig | 50:55 | 33:35 |
| 10 | ![]() | Borussia M'gladbach | 50:53 | 32:36 |
| 11 | ![]() | Werder Bremen | 48:60 | 31:37 |
| 12 | ![]() | Borussia Dortmund | 54:70 | 31:37 |
| 13 | ![]() | MSV Duisburg | 43:56 | 30:38 |
| 14 | ![]() | Hertha BSC | 40:50 | 29:39 |
| 15 | ![]() | FC Schalke 04 | 55:61 | 28:40 |
| 16 | ![]() | Arminia Bielefeld | 43:56 | 26:42 |
| 17 | ![]() | 1. FC Nürnberg | 36:67 | 24:44 |
| 18 | ![]() | SV Darmstadt 98 | 40:75 | 21:47 |