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03.08.2012, 12:08

1980/81 - Rummenigge fängt Burgsmüller ab

Champagner in München, Tränen auf Schalke

Ein "Oldie" kehrte in der Saison 1980/81 zurück in die Bundesliga: Franz Beckenbauer kam heim, aber nicht "hoam". Der 35-jährige Weltmeister von 1974 kehrte aus New York zurück, heuerte fortan aber nicht in seiner bayerischen Heimat, sondern im hohen Norden an. Trainer Branko Zebec und Manager Günter Netzer hatten Beckenbauer zum HSV geholt.

Kapitän und Torschütze vom Dienst: Karl-Heinz Rummenigge, hier beglückwünscht vom Gastschiedsrichter Renzo Reduzzi aus der Schweiz.
Kapitän und Torschütze vom Dienst: Karl-Heinz Rummenigge, hier beglückwünscht vom Gastschiedsrichter Renzo Reduzzi aus der Schweiz.
© imagoZoomansicht

Es gab aber nicht nur ein Comeback, auch zahlreichen Talenten gelang der Durchbruch. Karl-Heinz Rummenigge wurde bei den Bayern bejubelt, hatten sie ihn doch anfangs verspottet. "Das wird nie einer", hatte Franz Beckenbauer, damals noch beim FCB, über den Neuzugang "Kalle" gesagt. Doch Rummenigge entwickelte sich zur Führungsfigur, besonders nachdem Gerd Müller nach Amerika aufgebrochen war und Sepp Maier nach einem Autounfall keinen Platz in der Startelf mehr bekam. Zur selben Zeit ging in Gladbach der Stern von Lothar Matthäus auf, Bernd Schuster war der Youngster des 1. FC Köln, wechselte im Oktober jedoch zum FC Barcelona. Rudi Völler glänzte bei 1860 und wurde am 25. Oktober 1980 in den deutschen Fußball-Himmel katapultiert, als er dreimal gegen Düsseldorf traf.

Der Titelkampf war aber ein Duell zwischen dem HSV und Vorjahresmeister Bayern München. Noch bis zum 25. Spieltag hatte Hamburg die Nase im Nord-Süd-Duell vorne, dann folgte das Rückspiel der Top-Klubs. Kaltz, Hrubesch und Co. hätten zu Hause alles klar machen müssen. In der 54. Minute schoss Hrubesch das 2:0, bei einem Sieg hätten die Hanseaten den Vorsprung auf den Konkurrenten auf fünf Punkte ausgebaut.

Aber nicht mit den Münchnern. Die zogen kurz vor Schluss die Notbremse, Rummenigge erzielte den Anschlusstreffer, Paul Breitner traf kurz vor Abpfiff zum 2:2 und machte damit seinen Fehler wieder gut: Durch einen schlampigen Rückpass hatte er das 0:2 eingeleitet.

Die Highlights der Saison 1980/81
Neue Stars am Fußball-Himmel und ein "Oldie" im Rampenlicht
Lothar Matthäus und Dragan Holcer
Die Spielzeit der Talente

Es war die Saison der Youngsters, und ein "Oldie" feierte sein Comeback - dazu später mehr. In Gladbach ging der Stern von Lothar Matthäus (m.) auf. Der 19-Jährige setzte sich in der Liga nicht nur gegen Stuttgarts Dragan Holcer (r.) durch, trotzdem verlor die Borussia 2:4 gegen den VfB.
© imago

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"Es ist wieder alles offen", erkannte der Torschütze Rummenigge. Die Hamburger verharrten nach der Begegnung gegen den amtierenden Meister in Schockstarre. Das kommende Auswärtsspiel in Dortmund zog ihnen endgültig den Boden unter den Füßen weg: Mit 2:6 Toren verloren sie im Westfalenstadion, doch auch der FCB kam im Derby gegen die "Löwen" nicht über ein Unentschieden hinaus (1:1). Dann legten die Münchner los: Ein Ruck ging durch die Mannschaft. 16:0 Punkte lautete die Bilanz der Bayern aus den letzten acht Spielen. Damit sicherten sie sich ihren siebten Titel der Vereinsgeschichte. Zur Feier des Tages gab es Champagner für alle, obwohl schon während der Saison gefeiert wurde. "Mental waren wir unheimlich stark, weil es auch menschlich hundertprozentig stimmte. Nach den Spielen gingen wir meist essen und zogen durch die Diskotheken", verriet Rummenigge.

Der Torschützenkönig

Ähnlich wie der Endspurt der Bayern auf den Titelgewinn, verlief auch Rummenigges Jagd auf die Torjägerkanone: Drei Spieltage vor Schluss lag "Kalle" noch fünf Treffer hinter Manfred Burgsmüller (BVB). "Zehn Spiele lang hatte ich kein Tor erzielt, dann die unmöglichsten", bemerkte der FCB-Stürmer. Zum Beispiel gegen Düsseldorf, als Klaus Augenthaler den Ball an den Innenpfosten hämmerte und Rummenigge mit dem Knie traf. Für 29 Treffer bekam der Bayern-Spieler nicht nur die kicker-Torjägerkanone überreicht, sondern auch den "Bronzenen Schuh" für den drittbesten Torschützen Europas.

Was sonst noch geschah

HSV-Trainer Zebec kannte Beckenbauer noch aus Bayern-Zeiten. 1969 hatte die Mannschaft unter ihm die Meisterschale geholt. Diesmal dauerte die Zusammenarbeit nur ein halbes Jahr: Wegen seiner offensichtlichen Alkoholprobleme wurde Zebec in der Winterpause entlassen, auf ihn folgte Aleksandar Ristic. Wie sein Vorgänger setzte Ristic auf Disziplin und steuerte mit seinem Team den Titel an, bei seiner Übernahme hieß der Tabellenführer noch Hamburg.

Im Abstiegskampf sorgte ein neuer Coach für die erhoffte Wende: Hans-Dieter Tippenhauer hatte im Vorjahr mit Fortuna Düsseldorf den DFB-Pokal gewonnen, doch bei Arminia Bielefeld blieb er erfolglos - als Tippenhauer gehen musste, rangierte sein Team auf dem letzten Tabellenplatz. Unter Horst Franz hangelte sich die Mannschaft nun nach oben. Zum Saisonende reichte es für den 15. Rang.

Heute ist das längst kein Problem mehr, doch in der Saison 1980/81 gab es in Sachen Trainer-Qualifikation eine Premiere: Nach der Entlassung von Karl-Heinz Heddergott beim 1. FC Köln durfte mit dem Holländer Rinus Michels erstmals ein Trainer ohne DFB-Lizenz in der Bundesliga arbeiten.

Bayern und Hamburg waren längst ausgeschieden, stattdessen gab es im Pokalfinale ein Duell des Tabellenfünften gegen den Viertplatzierten. Mit einem 3:1 über Kaiserslautern durfte Eintracht Frankfurt zum dritten Mal den Pokal mit nach Hause nehmen.

So neidisch sie auch alle auf die Neuentdeckung der "Löwen" blickten - Rudi Völler hatte in seinem ersten Bundesligajahr neunmal getroffen - mit der Situation von 1860 wollte kein anderer Klub tauschen. Die Münchner stiegen in die neugeschaffene eingleisige Zweite Liga ab, bei der die Unterteilung in Nord und Süd abgeschafft wurde. Ebenso erging es Schalke, das nach 18 Jahren im Oberhaus der Ersten Liga den Rücken kehren musste. Gelsenkirchen war fassungslos. Präsident Hans-Joachim Fenne erhielt massenhaft Morddrohungen, Klaus Fischer, zuvor Publikumsliebling, wurde nach seinem Wechsel zu Köln als Verräter beschimpft.

 
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Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München89:4153:15
 
2Hamburger SV73:4349:19
 
3VfB Stuttgart70:4446:22
 
41. FC Kaiserslautern60:3744:24
 
5Eintracht Frankfurt61:5738:30
 
6Bor. Mönchengladbach68:6437:31
 
7Borussia Dortmund69:5935:33
 
81. FC Köln54:5534:34
 
9VfL Bochum53:4533:35
 
10Karlsruher SC56:6332:36
 
11Bayer 04 Leverkusen52:5330:38
 
12MSV Duisburg45:5829:39
 
13Fortuna Düsseldorf57:6428:40
 
141. FC Nürnberg47:5728:40
 
15Arminia Bielefeld46:6526:42
 
161860 München49:6725:43
 
17FC Schalke 0443:8823:45
 
18Bayer 05 Uerdingen47:7922:46

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