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03.08.2012, 12:08

1981/82 - Kaltz flankt, Hrubesch köpft

Ernst Happel - ein Wiener Grantler entzündet das Hamburger Offensivfeuerwerk

1981 - das Jahr, in dem "Dallas" ins deutsche Fernsehen kam und IBM den ersten Personal Computer auf den Markt brachte. Das Jahr vor dem Amtsantritt des Helmut Kohl und Nicoles Triumph beim Eurovision Song Contest, der damals noch gar nicht so hieß. In der Bundesliga begann es mit Blumengeschenken. Zumindest im Hamburger Volksparkstadion.

Meistermacher, Wiener Grantler: Ernst Happel wurde in Hamburg zur Trainerikone - hier feiert er im Frühling 1982 die Meisterachaft mit Hartwig, Wehmeyer und Hrubesch (v.l.).
Meistermacher, Wiener Grantler: Ernst Happel wurde in Hamburg zur Trainerikone - hier feiert er im Frühling 1982 die Meisterachaft mit Hartwig, Wehmeyer und Hrubesch (v.l.).
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Die HSV-Profis wollten sich somit bei ihren Fans für zwei zweite Plätze in Folge hinter dem FC Bayern - nach der Meisterschaft 1979 zuvor - entschuldigen. "Wir waren damit eben unzufrieden", sagt der damalige Kapitän Horst Hrubesch im Interview mit dem kicker zurückblickend. "Das wollten wir zeigen. Uns ging es darum, den Erfolg zuvor bestätigen zu wollen." Durch die Blume gesprochen eine Kampfansage an die Bayern also, die der HSV in jenem Sommer 1981 aussprach.

An der Elbe hatte ein neuer Coach angeheuert. Der grantige Ernst Happel, ein autoritärer Wiener, der als Spieler fest mit Rapid liiert war, als Coach jedoch durch Europa reiste und nun in der Bundesliga angekommen war. Manager Günter Netzer hatte einen echten Glücksgriff gelandet mit Happel. "Wir wollen das Optimale", sagte der bei seinem Dienstantritt.

Keegan geht, Bastrup kommt

Personell gab es wenige, aber durchaus einschneidende Veränderungen bei den Hanseaten. Kevin Keegan - die "Mighty Mouse", hatte ihren Koffer gepackt. Ersetzen sollte Keegan jener eher unbekannte Däne Lars Bastrup. Zurück zu Happel. Gewiefter Taktiker, Disziplinfanatiker, Grantler aber nur nach außen. "Das war immer nur dummes Geschwätz. Wir durften sonntags zum Auslaufen unsere Kinder mitbringen. Und wer hat mit denen gespielt? Happel!", erinnert sich Hrubesch. "Happel war der Rembrandt und Van Gogh des Fußballs", fügt sein damaliger Co-Trainer Aleksandar Ristic im Gespräch mit dem österreichischen Fußballmagazin Ballesterer hinzu. Der Kettenraucher Happel führte beim HSV Vollwertkost ein, er perfektionierte die Abseitsfalle, aber für die Kondition war sein Assistent zuständig. "Wenn man überhaupt ein Manko finden wollte, dann, dass er eine Mannschaft nicht physisch vorbereiten konnte", sagt Ristic, der auch schon unter Happels Vorgänger, dem "knüppelharten Schleifer" Branko Zebec, beim HSV in Lohn und Brot gestanden hatte. Happel ließ einen furiosen Offensivfußball spielen, der letztlich in 95 Saisontoren mündete. Die Eckpfeiler seiner Mannschaft: Torwart Uli Stein, der mit seinen Vordermännern Ditmar Jakobs und Holger Hieronymus die Abwehr festigte, im Mittelfeld der torgefährliche "Jimmy" Hartwig (14 Treffer) und der junge Thomas von Heesen, dazu Regisseur Felix Magath, vorne der wieselflinke Bastrup und Kopfballungeheuer Hrubesch, der die Bananenflanken des Manfred Kaltz reinwuchtete.

Solange alles funktionierte, ließ Happel seinen Leistungsträgern auch Freiheiten. "Wenn ihr ausbüchst, lasst euch nicht erwischen", sagte er. Als sich Stein mit ihm im Wintertrainingslager in Bilbao anlegte, schickte der Trainer ihn vom Platz direkt ins Hotel mit der Ansage: "Stein, verschwind! Netzer, buch ihm den Rückflug!" Stein klopfte im Morgengrauen an Happels Zimmertür. "Der hustete erst eine Viertelstunde, machte mir dann auf - mit einer Zigarette in der Hand", blickt der Ex-Nationaltorwart zurück. "Was willst", fragte Happel. "Mit ihnen sprechen." "Ja, ja, geh runter und moch an Kaffee." Zehn Minuten später kam Happel dann, Stein entschuldigte sich und blieb im Tor.

Die Entscheidung um den Titel fiel am 29. Spieltag, am 24. April 1982 im Münchner Olympiastadion. 78.000 Zuschauer sahen den Süd-Nord-Gipfel zwischen den Bayern und dem HSV. Und es sah so aus, als würde der seit dem 16. Januar ungeschlagene Gast aus dem hohen Norden stolpern. Pal Csernais Bayern führten zur Pause mit 2:1. Dann patzte auch noch Stein in der 64. Minute. "Ich wollte den Ball von Hoeneß quasi ins Aus gucken", so der Schlussmann. Der Ball fiel ins Netz, 3:1 Bayern. Von Heesen verkürzte, Hrubesch glich aus - und der EM-Held von Rom machte in der Schlussminute gar noch das 4:3! Der HSV war so gut wie durch und ließ sich den zweiten Meistertitel in der Bundesliga-Geschichte auch nicht mehr nehmen. Und er trug die Serie an ungeschlagenen Spielen weiter in die nächste Spielzeit. Bis Januar 1983 blieb das Happel-Team in 36 Begegnungen unbezwungen und wurde auch im Folgejahr Meister.

Der Torschützenkönig

Horst Hrubesch. Es war die logische Konsequenz. "Manni Bananenflanke, ich Kopf. Tor!" - so ein unvergessener Spruch des baumlangen Ex-Esseners. Die Offensivmaschine des HSV hatte in Hrubesch einen gnadenlosen Vollstrecker. 27-mal zappelten seine Kopfbälle oder Schüsse im Netz des Gegners. "Es konnten drei Gegenspieler auf seinem Rücken hängen und er war immer noch in der Lage, sich zu behaupten und ein Tor zu erzielen", erinnert sich Sturmkollege Bastrup. Hinter Hrubesch schnitten Dortmunds Manni Burgsmüller (22 Tore) und Dieter Hoeneß (Bayern, 21) am besten ab.

Was sonst noch geschah

Vizemeister hinter dem HSV wurden nicht die Bayern, die am Ende fünf Punkte Rückstand hatten. Der 1. FC Köln, trainiert von Rinus Michels und mit der besten Defensive um Torhüter Toni Schumacher bestückt, wies in der Schlussabrechnung drei Zähler Abstand zum HSV auf. Überraschungsfünfter: Otto Rehhagels aufgestiegene Bremer, die in den UEFA-Cup einzogen. Werder-Profi Norbert Siegmann schlitzte in einer unvergessenen Szene Bielefelds Ewald Lienen mit den Stollen den Oberschenkel auf. Lienen machte Rehhagel für das Foul verantwortlich, der erschien zum Rückspiel mit kugelsicherer Weste und stand unter Polizeischutz. Brutalität war ein großes Thema in dieser Saison.

Absteigen mussten nach vielen Jahren im Tabellenkeller die Duisburger. Mit dem MSV trat ein Verein der ersten Stunde den Weg nach unten an. Auch Aufsteiger Darmstadt 98 musste erwartungsgemäß wieder runter. Bayer Leverkusen rettete sich in der neu eingeführten Relegation durch zwei Siege über Kickers Offenbach.

Titellos blieben die Bundesligisten im Europapokal. Die Bayern verloren auf Landesmeister-Ebene im Finale gegen Aston Villa mit 0:1, der HSV scheiterte in den UEFA-Pokal-Endspielen an IFK Göteborg mit 0:1 und 0:3.

Fußballer des Jahres wurde der unerbittliche und zuverlässige Stuttgarter Vorstopper Karlheinz Förster.

Video zum Thema
Saison 1981/82- 22.04., 15:41 Uhr
Das böse Foul an Lienen und HSV im Meisterglück
Das vielleicht schlimmste Foul der Bundesliga-Historie an Ewald Lienen; Franz Beckenbauer wird mit dem HSV Meister; Köln mischt mit Traumfussball lange um den Titelkampf mit; Willi Neuberger knackt als erster Spieler die 500 Spiele Marke. Die Highlights der Saison 1981/82.
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03.08.12
 
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1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Hamburger SV95:4548:20
 
21. FC Köln72:3845:23
 
3Bayern München77:5643:25
 
41. FC Kaiserslautern70:6142:26
 
5Werder Bremen61:5242:26
 
6Borussia Dortmund59:4041:27
 
7Bor. Mönchengladbach61:5140:28
 
8Eintracht Frankfurt83:7237:31
 
9VfB Stuttgart62:5535:33
 
10VfL Bochum52:5132:36
 
11Eintracht Braunschweig61:6632:36
 
12Arminia Bielefeld46:5030:38
 
131. FC Nürnberg53:7228:40
 
14Karlsruher SC50:6827:41
 
15Fortuna Düsseldorf48:7325:43
 
16Bayer 04 Leverkusen45:7225:43
 
17SV Darmstadt 9846:8221:47
 
18MSV Duisburg40:7719:49
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