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03.08.2012, 12:08

1983/84 - Torhüter kassieren 1097 Gegentore

VfB spitze: Förster-Brüder wider den Tore-Trend

32 Jahre hatten sich die Fans des VfB Stuttgart gedulden müssen. Umso ausgelassener feierten sie im Mai 1984, als ihre Lieblinge die Schale nach 1950 und 1952 zum dritten Mal in Bad Cannstatt unterstellten. Das Prunkstück des neuen Titelträgers war zweifellos die Abwehr.

Erfolgsgaranten: Das Brüderpaar Karlheinz und Bernd (re.) Förster verlieh der VfB-Abwehr im Meisterjahr die nötige Stabilität.
Erfolgsgaranten: Das Brüderpaar Karlheinz und Bernd (re.) Förster verlieh der VfB-Abwehr im Meisterjahr die nötige Stabilität.
© imagoZoomansicht

Den entscheidenden Vorteil hatten sich die Schwaben am vorletzten Spieltag erarbeitet. Asgeir Sigurvinsson brachte Stuttgart im Weserstadion in Front. Benno Möhlmann antwortete mit dem 1:1. Doch das letzte Wort in Bremen hatte der VfB: Hermann Ohlichers Abstauber stellte die Weichen endgültig auf Sieg, die Party-Ampel im Gästeblock auf grün. Kurz nach dem Schlusspfiff legte auch Helmut Benthaus seine Zurückhaltung ab. Der stets besonnene VfB-Coach stürmte auf den Rasen, um seine Spieler zu umarmen. Sekunden zuvor war das Endergebnis aus Hamburg übermittelt worden: Der schärfste Verfolger hatte zuhause gepatzt, gegen die abstiegsgefährdete Frankfurter Eintracht mit 0:2 verloren.

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Auch wenn das direkte Duell noch ausstand, die Meisterfrage war so gut wie geklärt. Der HSV, zuvor zweimal in Folge Champion, brauchte in Stuttgart einen Sieg mit mindestens fünf Toren Differenz, um den VfB noch von Platz eins zu stürzen. Eine zu große Hypothek, zumal das Prunkstück des designierten Titelträgers die Abwehr war. Die Hanseaten siegten mit 1:0. Die Festtagsstimmung im voll besetzen Neckarstadion trübte das nicht.

Abwehrriegel um die Föster-Brüder

Bereits am Wochenende zuvor hatten die VfB-Anhänger ihren Helden einen tosenden Empfang bereitet. Um dem Trubel in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu entfliehen, kam ein Kurztrip mit der Nationalelf gerade recht. Helmut Roleder, Karlheinz und Bernd Förster sowie Debütant Guido Buchwald nutzten die Ablenkung für ein weiteres Erfolgserlebnis (1:0 gegen Italien). Den kurz darauf amtlichen Titelgewinn durften sich die Defensivkräfte ebenfalls auf ihre Fahnen schreiben. Die Förster-Brüder bildeten mit Buchwald, Kurt Niedermayer und Günther Schäfer einen Abwehrriegel, den die Konkurrenz nur selten knackte. In der mit 1097 Einschlägen bis heute torreichsten Bundesliga-Spielzeit kassierten die Schwaben die wenigsten Gegentreffer (33).

Doch auch im Vorwärtsgang hatte der neue Meister überzeugt. Mehr als ein Jahrzehnt bevor das "magische Dreieck" (Balakov, Bobic, Elber) in Aktion treten sollte, natürlich ebenfalls dreifach. In seinem zweiten VfB-Jahr reihte Regisseur Sigurvinsson einen Gala-Auftritt an den anderen. Auf der Bayern-Bank fast versauert, gab der als Hansi-Müller-Ersatz verpflichtete Isländer der Stuttgarter Offensive die Impulse, von denen zwei Kollegen besonders profitierten. Karl Allgöwer machte mit brachial-präziser Schussgewalt aus der zweiten Reihe auf sich aufmerksam, Peter Reichert aus der Nahdistanz. Der Stürmer, der bis zu seinem 18. Lebensjahr ausschließlich auf Bezirksliga-Sportplätzen gekickt hatte, firmierte mit 13 Treffern als bester Torschütze der "Roten".

Bilder der Saison 1983/84
VfB und Rummenigge sind gut drauf, der Club bodenlos
Stuttgarter Meisterfreuden
Meisterliches Gruppenfoto

Im Mai 1984 feierte der VfB Stuttgart zuhause mit seinen Anhängern die dritte Meisterschaft seiner Vereinsgeschichte. In Deutschlands 1963 etablierter Eliteliga gelang den Schwaben damit erstmals der Titel-Coup. Zuvor waren nur die Meisterjahre 1950 und 1952 auf dem VfB-Briefkopf gestanden.
© imago

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Als Chef-Konstrukteur des Überraschungsmeisters durfte sich derweil Helmut Benthaus feiern lassen. Für den unscheinbaren Westfalen hatte der Triumph eine interessante Beinote. 1963/64, in der ersten Bundesliga-Saison, hatte Benthaus mit Köln die Meisterschale errungen - als Spieler. 20 Jahre später wiederholte er das Kunststück als Trainer.

Der Torschützenkönig

Karl-Heinz Rummenigge wollte sich würdig aus der Bundesliga verabschieden. In der letzten Spielzeit vor seinem Engagement bei Inter Mailand gelang dies dem späteren Bayern-Vorstandsboss formidabel. 26 Treffer standen für ihn letztlich zu Buche. Beim 9:0 gegen Offenbach, bei dem sich auch Bruder Michael einmal zielsicher zeigte, hatte sich der Vollblutstürmer sogar als Vierfach-Torschütze betätigt. Sechs Treffer weniger bedeuteten für Kölns Klaus Allofs Rang zwei. Im Saisonfinish hatte der Schnurrbartträger mächtig Fahrt aufgenommen - elf Buden in den letzten sieben Partien dienen als Beweis. Gladbachs Goalgetter Frank Mill belegte den dritten Platz (19 Tore).

Was sonst noch geschah

In der Endabrechnung trennten den VfB vom Tabellenfünften Bremen lediglich drei Punkte. Bis zum 33. Spieltag hatten drei Vereine die Schwaben in einen Vierkampf um die Spitze verwickelt. Der HSV musste sich als erster Verlierer fühlen. Durch die Heimpleite gegen Frankfurt war die Hoffnung auf die dritte Meisterschaft in Folge zerbröselt. Rang zwei war - im Jahr nach dem Europacup-Triumph im Landesmeisterwettbewerb und am neuen Anspruch an der Elbe gemessen - zu wenig. Magath & Co. hatten in den entscheidenden Momenten gepatzt, Angreifer Dieter Schatzschneider Horst Hrubeschs Fehlen nie kaschieren können. Atmosphärische Störungen wirkten bei den von Chef-Grantler Ernst Happel trainierten Hanseaten als zusätzlicher Hemmschuh.

Die Bayern in Torlaune

Wie Hamburg beendete auch Mönchengladbach die Saison punktgleich mit dem neuen Meister. Im Gegensatz zum HSV blickten die Fohlen, die sich auf Platz drei einreihten, durchaus zufrieden auf die 34 absolvierten Runden zurück. Im Vorjahr nur Zwölfter, konnten sich die Gladbacher auf ihre Heimstärke verlassen. Vom Bökelberg entführte keine Mannschaft die volle Punktzahl (15-2-0). Heimstark präsentierten sich auch die Bayern, die als Vierter eine ähnlich gute Bilanz zuhause aufwiesen (14-3-0). Positiv aus Münchner Sicht war auch, dass es der FCB - angeregt von Einpeitscher Udo Lattek - am häufigsten klingeln ließ (84 Tore). Trost spendete überdies das DFB-Pokal-Finale gegen Gladbach. Lothar Matthäus' Fehlversuch im Elfmeterschießen, der zur Niederlage der Borussen beitrug, sicherte Matthäus' nachfolgendem Arbeitgeber immerhin einen Titel.

Uneingeschränkt gute Laune herrschte bei Kölns Schlussmann Harald Schumacher (Fußballer der Jahres) und den Aufsteigern. Bayer Uerdingen und der SV Waldhof Mannheim, bei dem Trainer Klaus Schlappner zum Kult-Trainer avancierte, hielten souverän die Klasse. Frankfurt rettete seinen Status als Erstligist derweil erst in der Relegation. Mit einem 5:0 in Duisburg gelang den jungen Adlerträgern um Ralf Falkenmayer und Thomas Berthold der "Klassennachweis" im ersten Duell jedoch imposant.

Negativrekord des 1. FC Nürnberg

Nichts zu lachen gab es indes in Offenbach und Nürnberg. Mehr Gegentreffer als die Kickers (106), die sich Valentin Herr und Bundesliga-Novize Oliver Reck im OFC-Kasten teilten, hatte zuvor nur Tasmania Berlin kassiert (108). Mitunter bezogen die Hessen derbe Prügel, so beim FC Bayern (0:9). In einem noch erbärmlicheren Zustand präsentierte sich nur der Club, der als Tabellenletzter ins Unterhaus abstürzte. Mit der unerreichten Auswärtsbilanz von 0:34 Punkten beindruckten die Franken negativ - selbst Tasmania Berlin hatte 1965/66 immerhin einen Zähler auf fremdem Geläuf ergattert. Weder ein Führungswechsel an der Vereinsspitze, noch drei Trainerentlassungen brachten die Kehrtwende. Unter Heinz Höher, dem vierten Verantwortlichen an der Seitenauslinie, sicherte sich der FCN in der Rückrunde lediglich fünf Punkte. Nach zehn Niederlagen in Serie konnte er froh sein, als eine Horror-Saison endlich vorbei war.

03.08.12
 
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zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1VfB Stuttgart79:3348:20
 
2Hamburger SV75:3648:20
 
3Bor. Mönchengladbach81:4848:20
 
4Bayern München84:4147:21
 
5Werder Bremen79:4645:23
 
61. FC Köln70:5738:30
 
7Bayer 04 Leverkusen50:5034:34
 
8Arminia Bielefeld40:4933:35
 
9Eintracht Braunschweig54:6932:36
 
10Bayer 05 Uerdingen66:7931:37
 
11Waldhof Mannheim45:5831:37
 
121. FC Kaiserslautern68:6930:38
 
13Borussia Dortmund54:6530:38
 
14Fortuna Düsseldorf63:7529:39
 
15VfL Bochum58:7028:40
 
16Eintracht Frankfurt45:6127:41
 
17Kickers Offenbach48:10619:49
 
181. FC Nürnberg38:8514:54
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