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03.08.2012, 12:08

1989/90 - Jakobs' verhängnisvolle Rettungstat

WM-Fieber und ein tragisches Karriereende

Elfmeter! Noch fünf Minuten im Endspiel der Weltmeisterschaft in Italien zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Argentinien. Nach dem Solo von Spielführer Lothar Matthäus und seinem Pass in den Strafraum zu Rudi Völler wird "Tante Käthe" regelwidrig zu Fall gebracht. Trotz heftiger Proteste der Südamerikaner um ihren Superstar Diego Armando Maradona tritt Andy Brehme an, trifft mit rechts in die von ihm aus linke untere Ecke: Deutschland wird Weltmeister.

Karriereende: Hamburgs Verteidiger Ditmar Jakbobs fällt auf einen defekten Karabiner.
Karriereende: Hamburgs Verteidiger Ditmar Jakbobs fällt auf einen defekten Karabiner.
© Getty ImagesZoomansicht

Teamchef Franz Beckenbauer konstatiert: "Diese neue Fußball-Begeisterung, die jetzt wieder in Deutschland herrscht, dies sind die wichtigsten Ergebnisse meiner Arbeit."

Was mit dem dritten Weltmeistertitel im römischen Stadio Olimpico am 8. Juli 1990 endet, findet am 20. September 1989 einen denkwürdigen, unfassbaren Start in die Saison. Bundesliga-Dino HSV empfängt im Nord-Derby Werder Bremen. Der Vorjahres-Vierte gegen den Vorjahres-Dritten. Ein Duell auf Augenhöhe um die Vorherrschaft im Norden der Republik. Ditmar Jakobs, 36-jähriger Vorstopper der Hamburger, der sich scherzhaft "schon immer als Sprinter" bezeichnet, will in einer Rettungstat den Ball von der Linie kratzen. Im Hamburger Volksparkstadion sind die Netze noch mit Karabinerhaken befestigt. Jakobs fliegt mit voller Wucht ins Netz.

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Ein defekter Karabiner bohrt sich in den Rücken des Nationalspielers. 20 quälend lange Minuten ("Ich hatte überhaupt keine Schmerzen") dauert es, dann schneidet ihn der Mannschaftsarzt mit einem Skalpell frei. "Nach einem halben Jahr war mir bewusst, dass es nicht mehr weitergeht, da Nervenbahnen durchtrennt waren", blickt Jakobs später nüchtern zurück. Nach 493 Bundesliga-Spielen endet die Karriere abrupt. "Zwei Jahre zuvor hatte ich noch Pläne, ins Ausland zu wechseln."

Von sich reden macht indes noch eine weitere Mannschaft: Eintracht Frankfurt, die launische Diva vom Main, krönt die Saison als drittbester deutscher Klub. Im Sommer 1989 retten sich die Hessen noch als 16. in der Relegation, ein Jahr später reiht sich das Team um Trainer Jörg Berger hinter Meister und Titelverteidiger Bayern München und Vize 1. FC Köln im Spitzenfeld der Bundesliga ein.

Bilder der Saison 1989/90
WM-Fieber und ein tragisches Karriereende
Jörn Andersen
Top-Platzierung und Kanone

Neben Legende "Charly" Körbel und Mittelfeld-Regisseur Uwe Bein hatte auch Stürmer Jörn Andersen der Eintracht zu ihrer Top-Platzierung in der Liga verholfen. Mit 18 Treffern ging die kicker-Torjägerkanone in dieser Spielzeit an den Frankfurter.
© imago

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Mit ihren Stars wie Mittelfeld-Regisseur Uwe Bein, dem Torschützenkönig Jörn Andersen und Legende Karl-Heinz Körbel, der ein Jahr später mit 602 Ligaspielen - ausschließlich für Frankfurt - seine 19-jährige Profi-Karriere beendet, etabliert sich die Eintracht auch in den Folgejahren weit oben in der Tabelle. "Leider war es mir nie vergönnt, mit Frankfurt Meister zu werden."

Doch nicht nur "Charly" Körbel trauert dem großen Erfolg von 1959 hinterher. Weder Nationalspieler Andy Möller, noch der zweimalige Torschützenkönig Anthony Yeboah können die Hessen je zum Meistertitel führen. 1992 scheitert der Tabellenführer denkbar knapp, als er im letzten Saisonspiel gegen Hansa Rostock in der letzten Sekunde 1:2 verliert - und am Ende Dritter wird. Vier Jahre danach steigt das Gründungsmitglied der Bundesliga erstmals in die Zweite Liga ab.

Der Torschützenkönig

Die Zeiten, in denen Gerd Müller und Co. mit über 30 Toren die Torjäger-Kanone in Empfang nehmen, gehören der Vergangenheit an. Mit 18 Treffern sichert sich Jörn Andersen (Eintracht Frankfurt) vor Stefan Kuntz (15, 1. FC Kaiserslautern) und Fritz Walter (13, VfB Stuttgart) die Torjäger-Krone. Andersen ist der erste ausländische Torjäger, dem der kicker die Kanone überreicht. Trotz Meistertitel stellt der große FC Bayern mit Roland Wohlfarth (ebenfalls 13) nur den drittbesten Angreifer in der Elite-Liga. Magere 17 Treffer hatten dem bajuwarischen Stürmer in der Vor-Saison noch zum Gewinn der Kanone (gemeinsam mit Klaus Allofs) gereicht - und zum Meistertitel mit den Bayern.

Was sonst noch geschah

"Es war eine durch und durch unspektakuläre Saison", bilanziert Bayern-Kapitän Klaus Augenthaler trotz der Titelverteidigung und seinem siebten (und letzten) Meistertitel. Manager Uli Hoeneß langweilt sich nach dem zwölften Titelgewinn seiner Bayern: "Da gibt es keine Euphorie mehr." Für den Aufsteiger FC Homburg ist es eine lehrreiche Spielzeit. Die Saarländer tanzen nur drei Sommer im Oberhaus. Der Abstieg als Letzter 1990 bedeutet auch den Abschied von der großen Bühne. Der Name FC Homburg wird einem gewissen Andreas Thom jedoch immer in Erinnerung bleiben. Als erster DDR-Nationalspieler darf der Stürmer legal aus dem Osten ausreisen und steht bei Bayer Leverkusen in Lohn und Brot. Gleich in seinem ersten Pflicht-Spiel für den West-Verein trifft Thom nach 15 Minuten - gegen den FC Homburg.

Das Jahr 1990 steht ganz im Zeichen der Weltmeisterschaft in Italien. Die Erwartungshaltung ist nach dem Vize-Meistertitel vier Jahre vorher riesengroß. Andere Sorgen hat Waldhof Mannheim. Zusammen mit Homburg ist das Abenteuer Bundesliga für die Mannschaft um Coach Günter Sebert zu Ende.

Beckenbauer macht sich "unsterblich"

In anderen Sphären schwebt Franz Beckenbauer. Der von Fußball-Gnaden inthronisierte Heilsbringer lässt die Kameras blitzen, als er nach dem gewonnenen WM-Endspiel gedankenversunken auf dem Rasen steht und den historischen Moment mit allen Sinnen genießt. "Unsterblich" schreiben die italienischen Gazetten. Als Spieler Weltmeister, jetzt als Trainer: In Rom lässt sich der Franz zum Kaiser krönen.

03.08.12
 
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zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München64:2849:19
 
21. FC Köln54:4443:25
 
3Eintracht Frankfurt61:4041:27
 
4Borussia Dortmund51:3541:27
 
5Bayer 04 Leverkusen40:3239:29
 
6VfB Stuttgart53:4736:32
 
7Werder Bremen49:4134:34
 
81. FC Nürnberg42:4633:35
 
9Fortuna Düsseldorf41:4132:36
 
10Karlsruher SC32:3932:36
 
11Hamburger SV39:4631:37
 
121. FC Kaiserslautern42:5531:37
 
13FC St. Pauli31:4631:37
 
14Bayer 05 Uerdingen41:4830:38
 
15Bor. Mönchengladbach37:4530:38
 
16VfL Bochum44:5329:39
 
17Waldhof Mannheim36:5326:42
 
18FC 08 Homburg33:5124:44
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