
Zu Beginn der Saison überraschte das - für den Rekordmeister hatte es im vergangenen Jahr nur für Rang zehn gereicht. Doch mit Trainer Erich Ribbeck ging es steil bergauf, und die Konkurrenz zweifelte kaum noch daran, dass der Titel schon längst vergeben sei.
Der FCB stand lange Zeit ganz oben, aber nicht am entscheidenden letzten Spieltag. Jetzt hatten die Bremer den Spieß nämlich umgedreht: In der Saison 1985/86 wurden sie von den Bayern in letzter Sekunde vom Sockel gestürzt. Diesmal griffen die Hanseaten an. Durch einen 5:0-Erfolg am 33. Spieltag gegen den Erzrivalen HSV konnte sich Werder an den Bayern vorbeischieben, doch am vorletzten Spieltag hatten sie bei gleichem Punktestand nur ein mageres Tor Vorsprung auf Ribbecks Jungs.
Der finale Tag stand an, und Bremen ging mit den vermeintlich schlechteren Chancen in die Entscheidung: Sie mussten in Stuttgart ran. Der VfB würde sich nicht zurücklehnen, schließlich ging es für ihn noch um einen UEFA-Cup-Platz. Noch bitterer aber war die Erinnerung an die fatale Saison 1985/86, denn hier hatten die Schwaben den Hanseaten durch einen 2:1-Sieg in letzter Minute den Titel vermasselt. Bayern hatte es da weitaus leichter: Für sie ging es nach Gelsenkirchen. Das sollte machbar sein, dachten viele, schließlich gab es für die Königsblauen nichts mehr zu holen.
Soweit die Prognosen, die Realität sah ganz anders aus. Die Bremer hatten nur eines im Sinn: den Sieg und den Meistertitel. Rehhagel schickte seinen Joker Bernd Hobsch auf den Platz, der in der Winterpause vom Zweitligisten VfB Leipzig gekommen war. Er erledigte das Vorhaben fast im Alleingang: Zwei Tore erzielte der "Sachsen-Bomber" selbst, das dritte durch Thomas Wolter bereitete er vor. Auf Schalke sprach sich der klare 3:0-Sieg der Bremer schnell herum und sorgte für Fassungslosigkeit. Leichtfertig hatten die Bayern den Titel doch noch aus der Hand gegeben, der Spaziergang in Gelsenkirchen entpuppte sich als anstrengende Bergtour: Es reichte nur zu einem 3:3. Schützenhilfe sieht anders aus.
Otto Rehhagel hatte einen erneuten Erfolg eingefahren, drei bedeutende Titel in drei Jahren: DFB-Pokalsieger 1991, der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger und nun die Deutsche Meisterschaft. "König Otto" war auf den Spuren von Lattek, Zebec, Weisweiler und Happel.
Der neue Star der Bremer, Andreas Herzog, hatte bis zum Schlusspfiff um den Titel gebangt. "Selbst als wir 2:0 führten, hatte ich noch ein Kribbeln im Bauch. 'Wenn wir jetzt noch verlieren, sind wir die Deppen der Nation', schoss es mir durch den Kopf", erinnert sich der österreichische Nationalspieler. Trotzdem dachte er auch an die niedergeschlagenen Münchner: "Ich konnte schon mit denen mitfühlen, schließlich war ich als Junge immer Bayern-Fan gewesen."
Im Rennen um die kicker-Torjägerkanone hatte weder Bayern noch Meister Bremen etwas zu melden. Diesmal wurde es eng auf dem Podest, Ulf Kirsten (Leverkusen) musste sich den Titel mit Anthony Yeboah teilen, der für die Eintracht getroffen hatte. 20 Tore konnten die beiden jeweils auf ihrem Konto verbuchen.
Der "Alb-Daum", ein neues Wort im Fußball-Wortschatz, hatte beim VfB Stuttgart zugeschlagen. Die Schwaben verloren in der Champions League gegen Leeds United den Überblick. Eins, zwei, drei, vier - Mist. Trainer Christoph Daum hatte sich verzählt und den Serben Jovo Simanic unerlaubterweise als vierten Ausländer eingewechselt. Das Hinspiel hatte der VfB 3:0 gewonnen, nach dem Regelverstoß wurde das Rückspiel 3:0 für Leeds gewertet. Es kam zum Entscheidungsspiel, das der Vorjahresmeister 1:2 verlor.
A propos Champions League: In dieser Saison wurde der Titel des Wettbewerbs geändert, zuvor lief dieser unter dem Namen "Europapokal der Landesmeister". Interimstrainer Horst Heese hatte sich bei Eintracht Frankfurt ebenfalls mit der Ausländerfrage vertan - allerdings in der Bundesligabegegnung gegen Bayer Uerdingen. Die Hessen wurden mit doppeltem Punktabzug bestraft, Uerdingen erhielt zwei Treffer zugesprochen. Die Eintracht konnte sich trotzdem einen Platz im UEFA-Cup sichern, Uerdingen stieg ab.
Gesprächsstoff boten auch die Heimkehrer aus Italien. Lothar Matthäus wechselte während der Saison von Inter Mailand zurück an die Säbener Straße zum FC Bayern. Matthias Sammer trat ebenfalls die Reise nach Deutschland an und nahm in Dortmund sofort eine zentrale Rolle ein. Während die einen zurückkamen, verließ ein Star die Liga: Pierre Littbarski machte sich auf nach Japan. In seiner letzten Saison in Deutschland hatte der Weltmeister allerdings noch einmal großen Anteil am Klassenerhalt des 1. FC Köln.
Mit einer negativen Rekordserie machte der 1. FC Saarbrücken indes von sich Reden. 964 Minuten erzielten die Saarländer kein Tor, der Abstieg war nicht mehr aufzuhalten. Den DFB-Pokal gewann Bayer Leverkusen mit einem 1:0, obwohl der Finalgegner nicht ebenbürtig erschien. Die Amateure von Hertha BSC Berlin hatten sich bis zum Schluss wacker geschlagen und waren als erster Amateurklub in einem DFB-Pokalfinale gelandet.
Die von Spannung geprägte Serie wurde von dem Tod des Uerdingers Michael Klein überschattet. Der 33-jährige Außenverteidiger war während des Trainings plötzlich zusammengebrochen.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Werder Bremen | 63:30 | 48:20 |
| 2 | ![]() | Bayern München | 74:45 | 47:21 |
| 3 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 56:39 | 42:26 |
| 4 | ![]() | Borussia Dortmund | 61:43 | 41:27 |
| 5 | ![]() | Bayer 04 Leverkusen | 64:45 | 40:28 |
| 6 | ![]() | Karlsruher SC | 60:54 | 39:29 |
| 7 | ![]() | VfB Stuttgart | 56:50 | 36:32 |
| 8 | ![]() | 1. FC Kaiserslautern | 50:40 | 35:33 |
| 9 | ![]() | Borussia M'gladbach | 59:59 | 35:33 |
| 10 | ![]() | FC Schalke 04 | 42:43 | 34:34 |
| 11 | ![]() | Hamburger SV | 42:44 | 31:37 |
| 12 | ![]() | 1. FC Köln | 41:51 | 28:40 |
| 13 | ![]() | 1. FC Nürnberg | 30:47 | 28:40 |
| 14 | ![]() | SG Wattenscheid 09 | 46:67 | 28:40 |
| 15 | ![]() | 1. FC Dynamo Dresden | 32:49 | 27:41 |
| 16 | ![]() | VfL Bochum | 45:52 | 26:42 |
| 17 | ![]() | Bayer 05 Uerdingen | 35:64 | 24:44 |
| 18 | ![]() | 1. FC Saarbrücken | 37:71 | 23:45 |