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03.08.2012, 12:08

1996/97 - Münchner sind lediglich im Erfolg vereint

FCB - Der Titel, Trapattoni und eine Tonne

Der Fußball, den der FC Bayern in dieser Saison präsentierte, war selten attraktiv. Los ging's mit einem holprigen 2:1 beim FC St. Pauli. Einträglich war er dennoch, wie die 33 nachfolgenden Runden zeigen sollten. Im Sommer 1996 hatte man an der Säbener Straße - nach zwei Dortmunder Meisterschaften in Folge - keinen Schönheitspreis, sondern einzig den 14. Titel als Ziel ausgegeben. Entsprechend zufrieden waren die Münchner, als sie auf dem Marienplatz dem Anhang die Schale entgegenstreckten. Doch bevor es soweit war, sorgte der "FC Hollywood" vor allem abseits des Platzes für Wirbel.

Die Schale ist zurück in München: Jürgen Klinsmann freut sich mit Mario Basler (re.).
Die Schale ist zurück in München: Jürgen Klinsmann freut sich mit Mario Basler (re.).
© imago Zoomansicht

Vor Beginn der Spielzeit hatte der FCB seinen Anspruch, den BVB als Meister abzulösen, auf dem Transfermarkt deutlich gemacht. Mit Mario Basler, Carsten Jancker und Ruggiero Rizzitelli hatten ausgewiesene Fachkräfte den namhaften Kader verstärkt. Das Starensemble dirigieren sollte ein Neuzugang, der sich in München bereits auskannte. Giovanni Trapattoni war nach achtmonatigem Cagliari-Aufenthalt an seine zuvorige Wirkungsstätte zurückgekehrt.

Der Italiener verordnete dem Rekordmeister eine umstrittene Defensivtaktik. Lag der FC Bayern in Front, rührte er meist Beton an, statt eine Vorentscheidung offensiv in Angriff zu nehmen. Eine Strategie - von den Spielern oft leicht modifiziert -, die zum Titel führte. "Wir hatten gemeinsam Erfolge, waren aber nie einer Meinung", kommentierte Lothar Matthäus, unter "Trap" mit Inter Mailand 1989 bereits Meister in der Serie A, das unterschiedliche Spielverständnis.

Matthäus/Klinsmann - konfliktbeladenes Nicht-Verhältnis

Doch nicht nur zwischen dem "Mister" und Matthäus knirschte es. Auch innerhalb der Mannschaft sorgten Eitel- und Streitigkeiten für Stress und Schlagzeilen. So auch zwischen Matthäus und Jürgen Klinsmann, die ein konfliktbeladenes Nicht-Verhältnis pflegten.

Apropos Klinsmann: Der spätere Bundestrainer, der in taktischen Dingen ebenfalls anders tickte als sein damaliger Vereinscoach, sorgte für den Saison-Aufreger schlechthin. Am 10. Mai 1997 - beim torlosen Heimremis gegen Freiburg durch Amateur Carsten Lakies ersetzt - entlud Klinsmann seine Wut über die Auswechslung mit einem Tritt in eine Werbetonne und schickte derbe italienische Worte an die Adresse von Trapattoni.

Bilder der Saison 1996/97
München feiert, Stuttgart zaubert, Kirsten trifft
Meisterfeier auf dem Marienplatz
Meisterschale trifft Lederhosen

Gut gelaunt und landestypisch bekleidet präsentierten die Bayern-Spieler im Sommer 1997 ihren Anhängern die Schale. Nach zwei Dortmunder Meisterschaften in Folge war an der Säbener Straße das Titel-Comeback als Ziel definiert worden. Nicht nur Samuel Kuffour, der das Objekt der Begierde festhält, war glücklich. Auch die...
© imago

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Nach der Saison zählte jedoch nur die Meisterschaft. Vor allem, da die Bayern in den anderen Wettbewerben enttäuscht hatten: Aus dem UEFA-Cup hatte man sich als Titelverteidiger (!) in Runde eins gegen Valencia verabschiedet, die Pokal-Reise war nach dem Viertelfinale in Karlsruhe beendet.

Köln vermasselt Bayer den Titel

Zum Erfolg des Münchner Defensivkonzepts trug auch Oliver Kahn bei. Der Torhüter avancierte zum absoluten Rückhalt seines Teams (kicker-Durchschnittsnote: 2,55) und musste den Ball - gleichbedeutend mit dem Liga-Bestwert - nur 34-mal aus dem Netz holen. Ein weiterer Faktor, warum der FCB letztlich die Nase vorn hatte, war seine Heimstärke: Keine Mannschaft entführte aus dem Olympiastadion die volle Punktausbeute. Lediglich viermal trennten sich die Bayern dort remis. Dementsprechend fiel die Meisterschaftsentscheidung auch in München, am vorletzten Spieltag. Während Bayer Leverkusen - die Werkself hatte das Titelrennen bis eine Runde vor Schluss offengehalten - im prestigeträchtigem rheinischen Duell in Köln mit 0:4 den Kürzeren zog, machte die Trapattoni-Truppe zeitgleich gegen Stuttgart das Titel-Comeback perfekt.

Die Schlüsselszene beim 4:2-Erfolg gegen die Schwaben war eine Aktion, die beim Stand von 1:1 zur Gelb-Roten Karte für Gästespielmacher Krassimir Balakov führte. Das Fehlen des Bulgaren beraubte den VfB seiner gefürchteten Offensivkraft. Fredi Bobic gelang, nachdem Mehmet Scholl die Bayern kurz vor der Pause mit 2:1 in Front gebracht hatte (45.), nach Wiederanpfiff zwar der Ausgleich (51.). Doch Ruggiero Rizzitellis Kopfball-Qualitäten und Marcel Witeczeks Traumtor (65.,78.) fixierten für die von den Zwischenständen aus Köln beflügelten Münchner die Meisterschaft.

Der Torschützenkönig

Ulf Kirsten demonstrierte in dieser Saison eindrucksvoll seine Lieblingsbeschäftigung: Toreschießen. Leverkusens durchsetzungs- und abschlussstarker Angreifer markierte 22 Treffer. Gegen Duisburg und den HSV machte Kirsten gar als Dreifach-Torschütze auf sich aufmerksam. Der Lohn: die kicker-Torjägerkanone. Gefährlich nah kam ihm der Österreicher Toni Polster (1. FC Köln, 21 Tore). Vor allem, da der ausgebuffte Stürmer im Saison-Finish mächtig aufdrehte und sich an den letzten fünf Spieltagen insgesamt neunmal treffsicher zeigte. Auf Platz drei reihte sich Fredi Bobic ein (VfB Stuttgart, 19 Tore).

Was sonst noch geschah

Auch die Konkurrenz des FCB konnte im Jahr nach Deutschlands EM-Titel eine erfolgreiche Bilanz ziehen - vor allem auf europäischem Parkett. Der BVB, in der Liga als Meister entthront und im Endklassement auf Platz drei - gewann in München gegen Juventus Turin die Champions League, Lars Ricken lässt grüßen. Der FC Schalke 04, Dortmunds Revier-Rivale, wollte den Borussen nicht nachstehen. Die königsblauen "Euro-Fighter", welche die Bundesliga-Saison als Zwölfte beendeten, triumphierten im UEFA-Cup. Im Finale bezwangen die "Knappen" in San Siro Inter Mailand. "Toll, traumhaft, triumphal", titelte der kicker über das beste Abschneiden von Bundesliga-Vertretern seit 1975.

Ebenfalls zufrieden war man in Leverkusen. Im Vorjahr hatten die Rheinländer Platz 14 belegt. Dank 15 Heimsiegen und Ulf Kirstens Goalgetter-Qualitäten hatte die von Christoph Daum trainierte Werkself dem FC Bayern einen echten Titelzweikampf geliefert. Manager Reiner Calmund bewertete dies im Nachgang als "größten Erfolg der Vereinsgeschichte".

Balakov, Bobic, Elber - das "magische Dreieck"

Auch die Vereine, die danach ebenfalls europäisch ran durften, hatten ihren Anhängern viel Spaß gemacht. Der VfB Stuttgart, der sich unter Coach Joachim Löw im DFB-Pokal-Finale zudem gegen Energie Cottbus durchsetzen sollte (2:0), mit dem schönsten Fußball dieser Spielzeit. Balakov, Bobic und Giovane Elber, der nach seinen beiden Treffern im Endspiel in München weiterstürmen sollte, begründeten das "magische Dreieck". Das Trio erzielte 49 der 78 VfB-Tore und verzauberte die Liga mit attraktivem Offensivwirbel. Auch in Bochum und Karlsruhe, die sich auf den Plätzen fünf und sechs einreihten, war man überglücklich. Besonders beim VfL, der von Klaus Toppmöller neben und Dariusz Wosz auf dem Feld gelenkt als Aufsteiger in den UEFA-Pokal-Wettbewerb marschierte.

Video zum Thema
Saison 1996/97- 09.01., 11:37 Uhr
Klinsmanns Tonnentritt und Bochums Coup
Trapattoni, ein italienischer Maestro und der wohl berühmteste Tonnentritt der Bundesliga Geschichte - es ist die Saison des FC Hollywood. Zudem zaubert sich Bayer Leverkusen in die Herzen des neutralen Zuschauers, während sich der VfL Bochum sensationell in den UEFA-Cup schießt. Die Highlights der Saison 1996/97.
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03.08.12
 
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zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München68:3471
 
2Bayer 04 Leverkusen69:4169
 
3Borussia Dortmund63:4163
 
4VfB Stuttgart78:4061
 
5VfL Bochum54:5153
 
6Karlsruher SC55:4449
 
71860 München56:5649
 
8Werder Bremen53:5248
 
9MSV Duisburg44:4945
 
101. FC Köln62:6244
 
11Bor. Mönchengladbach46:4843
 
12FC Schalke 0435:4043
 
13Hamburger SV46:6041
 
14Arminia Bielefeld46:5440
 
15Hansa Rostock35:4640
 
16Fortuna Düsseldorf26:5733
 
17SC Freiburg43:6729
 
18FC St. Pauli32:6927
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