Vor Beginn der Spielzeit hatte der FCB seinen Anspruch, den BVB als Meister abzulösen, auf dem Transfermarkt deutlich gemacht. Mit Mario Basler, Carsten Jancker und Ruggiero Rizzitelli hatten ausgewiesene Fachkräfte den namhaften Kader verstärkt. Das Starensemble dirigieren sollte ein Neuzugang, der sich in München bereits auskannte. Giovanni Trapattoni war nach achtmonatigem Cagliari-Aufenthalt an seine zuvorige Wirkungsstätte zurückgekehrt.
Der Italiener verordnete dem Rekordmeister eine umstrittene Defensivtaktik. Lag der FC Bayern in Front, rührte er meist Beton an, statt eine Vorentscheidung offensiv in Angriff zu nehmen. Eine Strategie - von den Spielern oft leicht modifiziert -, die zum Titel führte. "Wir hatten gemeinsam Erfolge, waren aber nie einer Meinung", kommentierte Lothar Matthäus, unter "Trap" mit Inter Mailand 1989 bereits Meister in der Serie A, das unterschiedliche Spielverständnis.
Doch nicht nur zwischen dem "Mister" und Matthäus knirschte es. Auch innerhalb der Mannschaft sorgten Eitel- und Streitigkeiten für Stress und Schlagzeilen. So auch zwischen Matthäus und Jürgen Klinsmann, die ein konfliktbeladenes Nicht-Verhältnis pflegten.
Apropos Klinsmann: Der spätere Bundestrainer, der in taktischen Dingen ebenfalls anders tickte als sein damaliger Vereinscoach, sorgte für den Saison-Aufreger schlechthin. Am 10. Mai 1997 - beim torlosen Heimremis gegen Freiburg durch Amateur Carsten Lakies ersetzt - entlud Klinsmann seine Wut über die Auswechslung mit einem Tritt in eine Werbetonne und schickte derbe italienische Worte an die Adresse von Trapattoni.
Nach der Saison zählte jedoch nur die Meisterschaft. Vor allem, da die Bayern in den anderen Wettbewerben enttäuscht hatten: Aus dem UEFA-Cup hatte man sich als Titelverteidiger (!) in Runde eins gegen Valencia verabschiedet, die Pokal-Reise war nach dem Viertelfinale in Karlsruhe beendet.
Zum Erfolg des Münchner Defensivkonzepts trug auch Oliver Kahn bei. Der Torhüter avancierte zum absoluten Rückhalt seines Teams (kicker-Durchschnittsnote: 2,55) und musste den Ball - gleichbedeutend mit dem Liga-Bestwert - nur 34-mal aus dem Netz holen. Ein weiterer Faktor, warum der FCB letztlich die Nase vorn hatte, war seine Heimstärke: Keine Mannschaft entführte aus dem Olympiastadion die volle Punktausbeute. Lediglich viermal trennten sich die Bayern dort remis. Dementsprechend fiel die Meisterschaftsentscheidung auch in München, am vorletzten Spieltag. Während Bayer Leverkusen - die Werkself hatte das Titelrennen bis eine Runde vor Schluss offengehalten - im prestigeträchtigem rheinischen Duell in Köln mit 0:4 den Kürzeren zog, machte die Trapattoni-Truppe zeitgleich gegen Stuttgart das Titel-Comeback perfekt.
Die Schlüsselszene beim 4:2-Erfolg gegen die Schwaben war eine Aktion, die beim Stand von 1:1 zur Gelb-Roten Karte für Gästespielmacher Krassimir Balakov führte. Das Fehlen des Bulgaren beraubte den VfB seiner gefürchteten Offensivkraft. Fredi Bobic gelang, nachdem Mehmet Scholl die Bayern kurz vor der Pause mit 2:1 in Front gebracht hatte (45.), nach Wiederanpfiff zwar der Ausgleich (51.). Doch Ruggiero Rizzitellis Kopfball-Qualitäten und Marcel Witeczeks Traumtor (65.,78.) fixierten für die von den Zwischenständen aus Köln beflügelten Münchner die Meisterschaft.
Ulf Kirsten demonstrierte in dieser Saison eindrucksvoll seine Lieblingsbeschäftigung: Toreschießen. Leverkusens durchsetzungs- und abschlussstarker Angreifer markierte 22 Treffer. Gegen Duisburg und den HSV machte Kirsten gar als Dreifach-Torschütze auf sich aufmerksam. Der Lohn: die kicker-Torjägerkanone. Gefährlich nah kam ihm der Österreicher Toni Polster (1. FC Köln, 21 Tore). Vor allem, da der ausgebuffte Stürmer im Saison-Finish mächtig aufdrehte und sich an den letzten fünf Spieltagen insgesamt neunmal treffsicher zeigte. Auf Platz drei reihte sich Fredi Bobic ein (VfB Stuttgart, 19 Tore).
Auch die Konkurrenz des FCB konnte im Jahr nach Deutschlands EM-Titel eine erfolgreiche Bilanz ziehen - vor allem auf europäischem Parkett. Der BVB, in der Liga als Meister entthront und im Endklassement auf Platz drei - gewann in München gegen Juventus Turin die Champions League, Lars Ricken lässt grüßen. Der FC Schalke 04, Dortmunds Revier-Rivale, wollte den Borussen nicht nachstehen. Die königsblauen "Euro-Fighter", welche die Bundesliga-Saison als Zwölfte beendeten, triumphierten im UEFA-Cup. Im Finale bezwangen die "Knappen" in San Siro Inter Mailand. "Toll, traumhaft, triumphal", titelte der kicker über das beste Abschneiden von Bundesliga-Vertretern seit 1975.
Ebenfalls zufrieden war man in Leverkusen. Im Vorjahr hatten die Rheinländer Platz 14 belegt. Dank 15 Heimsiegen und Ulf Kirstens Goalgetter-Qualitäten hatte die von Christoph Daum trainierte Werkself dem FC Bayern einen echten Titelzweikampf geliefert. Manager Reiner Calmund bewertete dies im Nachgang als "größten Erfolg der Vereinsgeschichte".
Auch die Vereine, die danach ebenfalls europäisch ran durften, hatten ihren Anhängern viel Spaß gemacht. Der VfB Stuttgart, der sich unter Coach Joachim Löw im DFB-Pokal-Finale zudem gegen Energie Cottbus durchsetzen sollte (2:0), mit dem schönsten Fußball dieser Spielzeit. Balakov, Bobic und Giovane Elber, der nach seinen beiden Treffern im Endspiel in München weiterstürmen sollte, begründeten das "magische Dreieck". Das Trio erzielte 49 der 78 VfB-Tore und verzauberte die Liga mit attraktivem Offensivwirbel. Auch in Bochum und Karlsruhe, die sich auf den Plätzen fünf und sechs einreihten, war man überglücklich. Besonders beim VfL, der von Klaus Toppmöller neben und Dariusz Wosz auf dem Feld gelenkt als Aufsteiger in den UEFA-Pokal-Wettbewerb marschierte.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Bayern München | 68:34 | 71 |
| 2 | ![]() | Bayer 04 Leverkusen | 69:41 | 69 |
| 3 | ![]() | Borussia Dortmund | 63:41 | 63 |
| 4 | ![]() | VfB Stuttgart | 78:40 | 61 |
| 5 | ![]() | VfL Bochum | 54:51 | 53 |
| 6 | ![]() | Karlsruher SC | 55:44 | 49 |
| 7 | ![]() | 1860 München | 56:56 | 49 |
| 8 | ![]() | Werder Bremen | 53:52 | 48 |
| 9 | ![]() | MSV Duisburg | 44:49 | 45 |
| 10 | ![]() | 1. FC Köln | 62:62 | 44 |
| 11 | ![]() | Borussia M'gladbach | 46:48 | 43 |
| 12 | ![]() | FC Schalke 04 | 35:40 | 43 |
| 13 | ![]() | Hamburger SV | 46:60 | 41 |
| 14 | ![]() | Arminia Bielefeld | 46:54 | 40 |
| 15 | ![]() | Hansa Rostock | 35:46 | 40 |
| 16 | ![]() | Fortuna Düsseldorf | 26:57 | 33 |
| 17 | ![]() | SC Freiburg | 43:67 | 29 |
| 18 | ![]() | FC St. Pauli | 32:69 | 27 |