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03.08.2012, 12:08

1997/98 - Aufregung und Abstieg

Rehhagels Revanche - Trainer im Gefühlschaos

"Es gibt einen Fußballgott - und der sieht alles", da war sich Kaiserslauterns Trainer Otto Rehhagel nach der Saison 1997/98 sicher. Fußball-Geschichte wurde geschrieben, ein wahres Fußball-Märchen. Für Rehhagel war es das Happy End. Aufsteiger sind gefährlich - das war bekannt. Doch diese Spielzeit überraschte alle.

Die Meisterschale: Eine riesige Genugtuung für Lauterns Trainer Rehhagel (m.), besonders weil er den FC Bayern entthront hatte.
Die Meisterschale: Eine riesige Genugtuung für Lauterns Trainer Rehhagel (m.), besonders weil er den FC Bayern entthront hatte.
© imagoZoomansicht

Wein- und Wassergläser mussten herhalten, Rehhagel verschob Positionen, feilte an taktischen Gemeinheiten. Der Überraschungsangriff der "Roten Teufel" gelang schon am ersten Spieltag. Andreas Brehme saß auf der Bank, Oliver Schäfer spielte trotz Nasenbeinbruch und Heimkehrer Ciriaco Sforza dirigierte von seiner Wunschposition aus hinter den Spitzen Lauterns Spiel.

Der FC Bayern strauchelte zum Saisonstart. Vor heimischem Publikum verloren die Münchner 0:1 gegen Aufsteiger Kaiserslautern. Eine Lappalie, mehr nicht. Noch konnte niemand ahnen, wie bedeutend dieses Spiel wirklich war. "Wer bei Bayern gewinnt, kann auch jeden anderen Gegner schlagen", lehnte sich Michael Schjönberg, Torschütze des Tages, weit aus dem Fenster. Zu weit? Nein, denn "König" Otto revanchierte sich für seinen Rauswurf in München 1996 und entthronte die Bayern. Schjönbergs Treffer sorgte für Selbstbewusstsein bei den "Roten Teufeln". Es folgte der Sprung an die Tabellenspitze, ab dem vierten Spieltag gaben die Pfälzer die Führung nicht mehr aus der Hand.

"König" Otto macht den Sack zu

Neun Punkte Vorsprung hatte Kaiserslautern am 26. Spieltag auf die Verfolger aus Bayern, doch dann wurde es noch einmal eng. Die Mannschaft zeigte Nerven, fünf Spiele lang ging nichts mehr - Rehhagels Team konnte keinen Sieg einfahren. Eine Woche vor Saisonabschluss stand dann aber doch fest: Der neue Meister kommt aus Kaiserslautern. 4:0 hatte Lautern gegen Wolfsburg, ebenfalls Aufsteiger, gewonnen. Zeitgleich kam der FCB nicht über ein 0:0 gegen den MSV Duisburg hinaus, und "König" Otto machte den Sack zu: "Die Rechnung kommt immer, manchmal gleich, manchmal ein wenig später." Der Titelgewinn gegen den bayerischen Konkurrenten war für Rehhagel eine große Genugtuung. "Kaiserslautern hat am konstantesten und attraktivsten gespielt", sagte Leverkusens Trainer Christoph Daum anerkennend.

Bilder der Saison 1997/98
Das Aus für den Maestro
Giovanni Trapattoni
Lag's am Rasen?

Schon zum Saisonstart strauchelte der FC Bayern München unter Coach Giovanni Trapattoni. Der Kader war mit Nationalspielern gespickt, trotzdem unterlag das Team Aufsteiger Kaiserslautern 0:1. Die Individualisten Thomas Helmer, Mario Basler, Lothar Matthäus und Mehmet Scholl waren überragende Fußballer - an ihnen konnte die schwache Leistung nicht gelegen haben. Die Ursache für die Pleite musste eine andere sein - vielleicht lag's am Rasen?
© imago

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An der Säbener Straße hatte man für derartige Komplimente nichts übrig, sondern war genervt von dem erfolgreichen Aufsteiger, schon bevor der sich die Meisterschaft sicherte. Einer zeigte das am 10. März 1998 ganz deutlich: "Maestro" Giovanni Trapattoni, der emotionale Coach. Zwei Tage nach dem 0:1 gegen Schalke trat der Italiener vor die versammelten Journalisten und redete Klartext - mehr oder weniger. Doch was er sagen wollte, verstand jeder. "Flasche leer", "Was erlauben Strunz?" und vor allem "Ich habe fertig!". Drei Monate war Trapattoni noch im Amt, dann hatte er wirklich fertig bei den Bayern.

Der Torschützenkönig

Ulf Kirsten heißt der Mann, der sich diesmal die kicker-Torjägerkanone sicherte. Der Leverkusener knipste 22-mal, erzielte einen Treffer mehr als "Fußballgott" Olaf Marschall aus Kaiserslautern.

Was sonst noch geschah

Mit dem 1. FC Köln stieg das vorletzte Gründungsmitglied der Bundesliga ab, gemeinsam mit dem HSV hatten sie seit 1963 ununterbrochen im Oberhaus gekickt. Die Hanseaten sind seither die einzigen Bundesliga-Dinosaurier, die noch nie in der Zweiten Liga spielten.

Borussia Dortmund blamierte sich und konnte sein Leistungsniveau aus der Vorsaison nicht halten. Als Gewinner der Champions League stürzten die Westfalen ins Mittelfeld ab, es reichte nur für Rang zehn. Trainer Nevio Scala musste seine Sachen packen, auf ihn folgte Michael Skibbe.

Mit Joachim Löw gelang dem VfB Stuttgart der Einzug ins europäische Cupsieger-Finale, das die Schwaben aber mit 0:1 gegen Chelsea verloren. Außerdem platzierten sie sich in der Liga auf Rang vier und landeten so auf einem UEFA-Cup-Platz.

DFB-Pokal als Trostpflaster für den FCB

Die Bayern hielten immerhin die Pokal-Trophäe in den Händen. Hier hatten sie sich gegen die "Zebras" aus Duisburg durchgesetzt, die als Finalisten eine Europacup-Teilnahme schafften.

Besonders tragisch war die Saison für Matthias Sammer. Nach der vierten Operation am linken Knie konnte er nie mehr in die Bundesliga zurückkehren. Bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich musste die DFB-Elf auf Sammer verzichten. Verpasst hat er hier nichts: Die Gastgeber sicherten sich ihren ersten WM-Titel, Deutschland scheiterte im Viertelfinale an Kroatien (0:3).

Das Aus gab's auch für Winfried Schäfer. Nach 371 Bundesliga- und 38 Zweitligaspielen in knapp zwölf Jahren war die Zusammenarbeit mit dem Karlsruher SC beendet. Als Coach hatte er unter anderem Oliver Kahn, Jens Nowotny und Mehmet Scholl betreut. Per Autotelefon erfuhr er von der Entscheidung des KSC. Seine Amtszeit war eine der längsten der Bundesligageschichte.

Hertha-Trainer Jürgen Röber hatte da mehr Glück: Gerade erst entlassen, nahm der Aufsichtsratschef Robert Schwan den Rauswurf nach Protesten zurück.

Der "Fußballer des Jahres" kickte in dieser Saison nicht auf deutschem Rasen: Oliver Bierhoff spielte seine letzte Saison bei Udinese Calcio. 27-mal traf er für den italienischen Verein und wurde Torschützenkönig der Serie A.

Erstmals über zehn Millionen Zuschauer

10.096.422 Fans pilgerten zu den Bundesligaspielen ins Stadion - erstmals sahen mehr als 10 Millionen Zuschauer die Bundesligaspiele einer Saison.

 
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Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
11. FC Kaiserslautern63:3968
 
2Bayern München69:3766
 
3Bayer 04 Leverkusen66:3955
 
4VfB Stuttgart55:4952
 
5FC Schalke 0438:3252
 
6Hansa Rostock54:4651
 
7Werder Bremen43:4750
 
8MSV Duisburg43:4444
 
9Hamburger SV38:4644
 
10Borussia Dortmund57:5543
 
11Hertha BSC41:5343
 
12VfL Bochum41:4941
 
131860 München43:5441
 
14VfL Wolfsburg38:5439
 
15Bor. Mönchengladbach54:5938
 
16Karlsruher SC48:6038
 
171. FC Köln49:6436
 
18Arminia Bielefeld43:5632

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