Das Abenteuer Bundesliga beginnt am 14. August 1999 um 15.30 Uhr bei der Frankfurter Eintracht. Anstoß zum ersten Spiel der neuen Saison, Auftakt für die Spielvereinigung zum Rundkurs durch Deutschlands Eliteklubs. Frankfurt, dem Abstieg knapp entgangen, zählt nicht gerade zu den Meisterfavoriten. Ein leichter Auftakt-Gegner für Unterhaching? Mitnichten! In einer einseitigen Partie dominiert die Mannschaft von Trainer Felix Magath den Liga-Neuling nach Belieben. 1:0 durch Rolf-Christel Guié-Mien (38.), 2:0 Jan-Aage Fjörtoft (47., Foulelfmeter), 3:0 Bachirou Salou (88.). Die Experten sehen sich bestätigt: Unterhaching wird sofort wieder absteigen. Denkste!
Den etablierten Mannschaften im Oberhaus fällt es schwer, den Underdog richtig einzuordnen. Unterhaching ist eine derart unbekannte Mannschaft, dass viel Video-Anschauungsunterricht notwendig ist, um dieses Team richtig einschätzen zu können. Im Sportpark Unterhaching finden sich im Aufstiegsjahr beim Zweiten in Liga zwei gerade mal knapp über 2300 Fans im Schnitt ein. Mit dem Aufstieg in die Beletage wird das Stadion dennoch für 15.000 Zuschauer ausgebaut. Der Trainer ist eher bekannt als sein Team. Neben Christoph Daum wird Lorenz-Günther Köstner 1993 als Co-Trainer Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart. Der Oberfranke übernimmt Unterhaching 1994 in der Regionalliga und führt sie auf Anhieb zurück in die Zweite Liga.
Köstner gelingt es, die Spielvereinigung Jahr für Jahr zu verbessern und schließlich gar in die Bundesliga zu führen. Er gilt als distanziert und autoritär. Mit strenger Hand, aber viel Gespür für neue Spieler, blickt die Liga auf einen Mann, der eine Mannschaft führt, die nicht spektakulär spielt, aber kämpferisch überzeugt. Die Sympathien fliegen dem "kleinen gallischen Dorf" immer mehr zu. Neben Ludwig "Wiggerl" Kögl holen Manager Norbert Hartmann und sein Übungsleiter Köstner Danny Schwarz, Oliver Straube, Marco Haber, André Breitenreiter und Dennis Grassow zu den Rot-Blauen. Volltreffer: Alle avancieren zu Stammspielern. Einzig Alberto Mendez, immerhin vom FC Arsenal London geholt, kann die Erwartungen nicht erfüllen.
Freitag, 20. August, 19.30 Uhr: Im ersten Bundesliga-Heimspiel der Vereinshistorie gastiert der MSV Duisburg im Sportpark. 0:0 zur Halbzeit. In der 68. Minute tritt Altin Rraklli zum Strafstoß an, nach einem Foul von Michael Zeyer an Alexander Strehmel. Stürmer Rraklli trifft. 1:0 für Unterhaching, das erste Tor der Bundesliga-Geschichte ist gefallen. Als Straube zehn Minuten vor dem Ende das 2:0 gelingt, steht der Sportpark Kopf. 8200 Zuschauer sehen den ersten Dreier der SpVgg. Es wird der Auftakt einer Serie, die lange Bestand haben soll: Die komplette Vorrunde bleiben die Hachinger im heimischen Sportpark ungeschlagen. Viel Häme und Spott mussten sie sich anhören vor der Saison. "Das war schon sehr enttäuschend", so Kapitän Matthias Zimmermann am Ende, "aber man denkt sich seinen Teil und spielt Fußball."
Ein Highlight der Saison ist der 1:0-Sieg gegen Borussia Dortmund am zwölften Spieltag. Der Champions-League-Sieger von 1997 schafft es trotz dreier Stürmer (Fredi Bobic, Sergej Barbarez und Victor Ikpeba) nicht, den Underdog zu bezwingen. Unterhachings einzige Spitze Altin Rraklli wird nur bei Ballbesitz von Markus Oberleitner im Sturm unterstützt. Köstner setzt Straube als dritten Manndecker auf Ikpeba an. Jochen Seitz über links, ein Spieler, den vor der Saison keiner auf dem Schirm hatte, Oberleitner in der Mitte und Rraklli ganz vorne, bereiten den Dortmundern mit ihren schnellen und gefährlichen Kontern immer wieder Probleme. Der nimmermüde Rraklli verwandelt in der 38. Minute einen an Oberleitner verursachten Elfer zum 1:0. Unterhaching kämpft sich zum Sieg.
Die Sensation perfekt macht der Aufsteiger, als der so sicher gehandelte Absteiger drei Spieltage vor Saisonende den Klassenerhalt eintütet. Wieder ein 1:0 (Breitenreiter, 73.) und wieder zu Hause jubelt die Spielvereinigung. Jan Seifert spielt sich mit seiner Abwehrleistung gegen Bremens Stürmer Claudio Pizarro in die kicker-Elf des Tages. Nach dem Schlusspfiff gönnt Präsident Engelbert Kupka seinem Libero Strehmel eine Champagner-Dusche. Sieg und Klassenerhalt: "Wir haben Großartiges geleistet und können wirklich stolz darauf sein." Matthias Zimmermanns Fazit nach der gelungenen Saison kann nur positiv ausfallen. So positiv, wie das Image, das die Unterhachinger nun haben: "Ich glaube, dass wir als sympathische Mannschaft rübergekommen sind."
"Brauchen wir den wirklich?" Löwen-Präsident Karl-Heinz Wildmoser hat Zweifel. Doch sein Trainer Werner Lorant will den Schalker Stürmer Martin Max unbedingt. Die Zweifel Wildmosers sind berechtigt, kostet der neue Mann doch 1,5 Millionen Mark Ablösesumme. Und zuletzt traf Max nur vier bzw. sechs Mal pro Saison. Lorant macht aus dem auf Schalke ausgepfiffenen Stürmer den besten Torschützen der Saison (19 Tore). Für Max ein gänzlich neues Gefühl: "Ich kann plötzlich in der zweiten Halbzeit noch zulegen." Lorant sah "nur" mangelnden Trainingsrückstand, um das Juwel zu schleifen. Auch der Renaissance eines Thomas Häßler als Spielmacher ("Es ist ein Traum als Stürmer vor Häßler zu spielen", Martin Max) hat es der in Recklinghausen groß gewordene Max zu verdanken, vor Ulf Kirsten (17) und Giovane Elber (14) die Torjägerkanone in Empfang zu nehmen.
Bayern wird Meister. Wieder. Aber wie! Punktgleich mit Bayer Leverkusen, die, wie schon im Vorjahr, wieder nur Vize werden. Ausgerechnet die SpVgg Unterhaching entscheidet die Meisterschaft! Vor dem letzten Spieltag führt Leverkusen die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung vor den Bayern an. Ein Punkt reicht also gegen die gesicherten Unterhachinger. Bayer, laut kicker-Umfrage mit dem besten Trainer (Christoph Daum), dem besten Spieler (Emerson), dem besten Defensivspieler (Jens Nowotny) und der Entdeckung der Saison (Michael Ballack), weiß sich nicht zu wehren gegen eine Mannschaft, die auf ihre bewährte Manndeckung setzt. Mit dem Eigentor von Michael Ballack (20.) und dem entscheidenden 2:0 durch Oberleitner (72.) verspielt Leverkusen den Meistertitel. Bayern gewinnt zu Hause 3:1 gegen Bremen und hat die bessere Tordifferenz. Präsident Franz Beckenbauer kann es aus dem fernen Samoa (der deutschen WM-Bewerbung wegen) nicht fassen: "Des gibt's doch gor net!"
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Bayern München | 73:28 | 73 |
| 2 | ![]() | Bayer 04 Leverkusen | 74:36 | 73 |
| 3 | ![]() | Hamburger SV | 63:39 | 59 |
| 4 | ![]() | 1860 München | 55:48 | 53 |
| 5 | ![]() | 1. FC Kaiserslautern | 54:59 | 50 |
| 6 | ![]() | Hertha BSC | 39:46 | 50 |
| 7 | ![]() | VfL Wolfsburg | 51:58 | 49 |
| 8 | ![]() | VfB Stuttgart | 44:47 | 48 |
| 9 | ![]() | Werder Bremen | 65:52 | 47 |
| 10 | ![]() | SpVgg Unterhaching | 40:42 | 44 |
| 11 | ![]() | Borussia Dortmund | 41:38 | 40 |
| 12 | ![]() | SC Freiburg | 45:50 | 40 |
| 13 | ![]() | FC Schalke 04 | 42:44 | 39 |
| 14 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 42:44 | 39 |
| 15 | ![]() | Hansa Rostock | 44:60 | 38 |
| 16 | ![]() | SSV Ulm 1846 | 36:62 | 35 |
| 17 | ![]() | Arminia Bielefeld | 40:61 | 30 |
| 18 | ![]() | MSV Duisburg | 37:71 | 22 |