Doch Meier hatte die Hoffnung nicht aufgegeben. Am Ende werde der Jäger gewinnen, da war er sich sicher. Fußball-Deutschland war größtenteils anderer Meinung, doch am Ende tobte der Wahnsinn im Westfalenstadion. Die Borussia sicherte sich am letzten Spieltag mit einem 2:1 über Werder Bremen Titel Nummer sechs. Mit Joker Ewerthon hatte Trainer Matthias Sammer goldrichtig gelegen: In der 73. Minute eingewechselt, erzielte der Brasilianer nur 60 Sekunden später den entscheidenden Treffer. Bayer hingegen versemmelte die Chance auf den ersten Meistertitel - da half auch das 2:1 gegen Hertha zum Saisonabschluss nichts mehr.
Bayer hatte an den Spieltagen 32 und 33 den Titel leichtfertig verzockt: 1:2 gegen Bremen und 0:1 beim 1. FC Nürnberg, der nach zwei Spielzeiten in der Zweiten Liga nun wieder im Oberhaus kickte.
Doch schlimmer noch: Der Fluch des "ewigen Zweiten" zeigte sich diesmal gleich in dreifacher Ausführung. Das DFB-Pokalfinale verlor Leverkusen am 11. Mai gegen Schalke. Die Werkself ging durch Berbatov in Führung, musste dann aber eine 2:4-Klatsche hinnehmen. Abhaken hieß die Devise, für einen Titel war das Team ja noch im Rennen. In der Königsklasse musste die Elf von Coach Klaus Toppmöller nur vier Tage später gegen die Königlichen von Real Madrid ran - und verlor wieder. Lucio hatte für Leverkusen getroffen, für Real waren es Raul und Zidane.
Dreimal Vize, ein herber Rückschlag nach einer Saison voller fußballerischer Spielkunst und Leichtigkeit. "Das verdammte Ding", wie Bayer-Geschäftsführer Reiner Calmund die Meisterschale nannte - es war auch in dieser Spielzeit am Werksverein vorbeigezogen.
Der BVB hingegen kam aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Sammer, "die ideale Besetzung" für den Posten (so Klubchef Dr. Gerd Niebaum), hatte den Erfolg gezimmert, seine Spieler veredelten ihn: Tomas Rosicky, der seine Mitspieler mit genialen Pässen bediente, Christian Wörns, der in seiner besten Profisaison als Defensivkraft den gegnerischen Stürmern auf die Nerven ging, und natürlich Marcio Amoroso, der Top-Stürmer mit Starallüren, den Dortmund für umgerechnet 22 Millionen Euro aus Parma geholt hatte.
Platz eins in der Torschützenliste mussten sich in dieser Saison zwei Spieler teilen: Eben jener Amoroso vom Meister, der in den folgenden Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und wegen seiner Unzuverlässigkeit mit Trainer Sammer aneinandergeriet. Und Martin Max vom TSV 1860 München, der prompt in der Nationalelf debütierte. Mit 18 Toren holten die beiden die kicker-Torjägerkanone, vor Giovane Elber (FC Bayern) und dem Leverkusener Michael Ballack, der auch hier auf dem zweiten Rang landete. Einmal Erster wurde er aber doch noch: bei der Wahl zum Fußballer des Jahres.
Er ist unangefochten der Rekordmeister. Doch es gibt noch einen Rekord, den der FC Bayern bisher nicht knacken konnte: Viermal in Serie Meister zu werden, das ist in der Bundesliga noch keinem Klub gelungen. Es blieb dabei - in einem "Jahr des Durchatmens", wie Oliver Kahn es nannte. Und das, obwohl der FCB dem Meister nicht unterlag (2:0,1:1) und dem Erzrivalen 1860 bei den Derbys die Grenzen aufzeigte: Mit einem 5:1 dominierten sie Bayern deutlich in der Hinrunde, nach der Winterpause mussten die "Löwen" ein 1:2 schlucken. Zum Schluss landete das Team von der Säbener Straße auf Tabellenplatz drei.
Nach 13 Spielzeiten kletterte Hannover 96 als Zweitliga-Meister wieder ins Oberhaus. Den Sprung machten auch Arminia Bielefeld und der VfL Bochum, dafür verpassten St. Pauli, Köln und Freiburg den Klassenerhalt.
Das Punktegefälle der Tabelle war in dieser Saison außergewöhnlich hoch: Fünf Mannschaften hatten zum Schluss mehr als 60 Zähler auf dem Konto, das gab es seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 nicht. Tabellenschlusslicht St. Pauli konnte dagegen nur 22 Punkte sammeln.
In Erinnerung bleibt auch das Karriereende von "Fußballgott" Jürgen Kohler, der sein letztes Pflichtspiel mit dem BVB im UEFA-Pokal-Finale gegen Feyenoord Rotterdam absolvierte. Dortmund unterlag den Niederländern mit 2:3. Bitter: Kohler sah in der 31. Minute nach einer Notbremse die Rote Karte.
Nach der Saison ging es für die deutschen Spieler aber noch nicht in den Urlaub. Die WM in Japan und Südkorea stand an. Nach einer mühsamen Gruppenphase mit Spielen gegen Saudi-Arabien (8:0), Irland (1:1) und Kamerun (2:0) gingen die Deutschen ungeschlagen und als Gruppenerster ins Achtelfinale.
Hier setzten sie sich gegen Paraguay durch (1:0), genau wie im Viertelfinale gegen die USA (1:0). Nach einem Sieg gegen Südkorea (1:0) stand die DFB-Elf den Brasilianern im Finale gegenüber - ohne den gelbgesperrten Ballack. Und der große Traum blieb unerfüllt: Mit 0:2 unterlag Deutschland den südamerikanischen Zauberern um Torschützenkönig Ronaldo (acht Treffer) und Ronaldinho. Ausgerechnet "Titan" Kahn patzte beim 0:1, saß hinterher kauernd am Pfosten und sorgte dafür, dass diese Saison für die Bayer-Spieler Ramelow, Neuville, Schneider, Butt und Ballack endgültig gelaufen war.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Borussia Dortmund | 62:33 | 70 |
| 2 | ![]() | Bayer 04 Leverkusen | 77:38 | 69 |
| 3 | ![]() | Bayern München | 65:25 | 68 |
| 4 | ![]() | Hertha BSC | 61:38 | 61 |
| 5 | ![]() | FC Schalke 04 | 52:36 | 61 |
| 6 | ![]() | Werder Bremen | 54:43 | 56 |
| 7 | ![]() | 1. FC Kaiserslautern | 62:53 | 56 |
| 8 | ![]() | VfB Stuttgart | 47:43 | 50 |
| 9 | ![]() | 1860 München | 59:59 | 50 |
| 10 | ![]() | VfL Wolfsburg | 57:49 | 46 |
| 11 | ![]() | Hamburger SV | 51:57 | 40 |
| 12 | ![]() | Borussia M'gladbach | 41:53 | 39 |
| 13 | ![]() | Energie Cottbus | 36:60 | 35 |
| 14 | ![]() | Hansa Rostock | 35:54 | 34 |
| 15 | ![]() | 1. FC Nürnberg | 34:57 | 34 |
| 16 | ![]() | SC Freiburg | 37:64 | 30 |
| 17 | ![]() | 1. FC Köln | 26:61 | 29 |
| 18 | ![]() | FC St. Pauli | 37:70 | 22 |