Oliver Kahn und Jens Jeremies - zwei Bayern-Spieler standen im WM-Finale gegen Brasilien (0:2) auf dem Platz und holten anschließend im deutschen Oberhaus mit spielerischer Leichtigkeit den Titel. Von Spannung keine Spur, schon am fünftletzten Spieltag tüteten sie die Meisterschaft ein, zum 18. Mal. Nichts Neues.
Der Meister fuhr selbstverständlich auch wieder neue Rekorde ein. "Titan" Kahn hielt seinen Kasten 803 Minuten lang sauber und toppte seinen Rekord aus der Spielzeit 1998/99 damit um 67 Minuten. 16 Punkte Vorsprung hatten die Bayern am Ende auf den Tabellenzweiten Stuttgart - ebenfalls Bestmarke seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995. Einen faden Nachgeschmack hinterließ jedoch das frühe Aus in der Vorrunde der Champions League. In der Gruppenphase gab's gegen den AC Mailand, Deportivo La Coruna und RC Lens keinen Sieg und folglich den letzten Platz. Das schmeckte den erfolgsverwöhnten Bayern so gar nicht.
Während beim FCB also zumindest in der Liga alles beim Alten war und die Münchner auch noch das Double einfuhren, zitterten andere bis zum Schluss um den Klassenerhalt. Carsten Ramelow, Bernd Schneider, Oliver Neuville - auch drei Spieler aus Leverkusen spielten im WM-Finale. Halt, vier Spieler: Lucio war ebenfalls dabei, er hielt den Pokal zum Schluss aber mit Brasilien in den Händen.
Von Qualität war beim dreifachen Vorjahreszweiten der Liga aber nichts zu sehen. "Spieler schicken dich in den Himmel oder in die Hölle", wusste Bayer-Geschäftsführer Reiner Calmund zu berichten. Erst am letzten Spieltag rettete sich die Werkself vor dem Abstieg. Platz 15 hieß es schließlich, schlechteste Platzierung seit 1982, 35 Zähler weniger als der FCB. Grund dafür war auch, dass zwei wichtige Pfeiler der Leverkusener Erfolgsmannschaft zur Konkurrenz übergelaufen waren. Michael Ballack und Zé Roberto kickten seit dieser Spielzeit für die Münchner.
Wieder standen zwei Torschützen auf dem Podest. Mit 21 Treffern durfte Giovane Elber die kicker-Torjägerkanone bejubeln, Thomas Christiansen aber auch. Der hatte für den VfL Bochum ebenfalls 21-mal geknipst.
"Himmel und Hölle", davon konnte auch Rudi Völler ein Lied singen. Der Nationaltrainer hatte seine Mannschaft 2002 zum Vize-Weltmeister gemacht, nur ein Jahr später kam sie über ein 0:0 gegen Island nicht hinaus. Völler ging in die Luft. Allerdings nicht wegen der schwachen Leistung seiner Mannschaft, sondern wegen der fortwährenden öffentlichen Kritik. ARD-Experte Günter Netzer tadelte die Mannschaft, sein Kollege Gerhard Delling sorgte sich um die "Samstagabend-Unterhaltung".
Im anschließenden Interview mit Waldemar Hartmann wetterte Völler am 6. September 2003: "So ein Käse, ich lass mir das nicht mehr bieten." Als Rücktrittsdrohung sollte das aber nicht verstanden werden. "Nein, nein", beschwichtigte der Nationaltrainer, "ich musste das jetzt mal loswerden, bevor ich Magengeschwüre bekomme."
Dem Fegefeuer entkamen auch die "Roten Teufel". Kaiserslautern befand sich in der Krise, doch der Vorstandsvorsitzend Rene C. Jäggi und Trainer Erik Gerets retteten den Verein vor dem finanziellen und sportlichen Ruin.
Positiv überraschten die "Jungen Wilden", die Felix Magath in Stuttgart losließ. Der erfahrene Krassimir Balakov und Zvonimir Soldo nahmen die Youngsters unter ihre Fittiche und stürmten gemeinsam zum Vizetitel.
Ausnahmsweise keine sportliche, sondern eine wirtschaftliche Pleite sorgte für Unruhe. Die Pleite von Medienmogul Leo Kirch zog Konsequenzen nach sich: 68 Millionen Euro weniger als im Vorjahr hatte die Liga an TV-Einnahmen erhalten. Allzu große Sorgen um die Zukunft musste sich der deutsche Fußball nicht machen, denn auf die Zuschauer war Verlass. Über zehn Millionen sahen sich die Spiele live an, neuer Rekord - nicht nur in Bayern.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Bayern München | 70:25 | 75 |
| 2 | ![]() | VfB Stuttgart | 53:39 | 59 |
| 3 | ![]() | Borussia Dortmund | 51:27 | 58 |
| 4 | ![]() | Hamburger SV | 46:36 | 56 |
| 5 | ![]() | Hertha BSC | 52:43 | 54 |
| 6 | ![]() | Werder Bremen | 51:50 | 52 |
| 7 | ![]() | FC Schalke 04 | 46:40 | 49 |
| 8 | ![]() | VfL Wolfsburg | 39:42 | 46 |
| 9 | ![]() | VfL Bochum | 55:56 | 45 |
| 10 | ![]() | 1860 München | 44:52 | 45 |
| 11 | ![]() | Hannover 96 | 47:57 | 43 |
| 12 | ![]() | Borussia M'gladbach | 43:45 | 42 |
| 13 | ![]() | Hansa Rostock | 35:41 | 41 |
| 14 | ![]() | 1. FC Kaiserslautern | 40:42 | 40 |
| 15 | ![]() | Bayer 04 Leverkusen | 47:56 | 40 |
| 16 | ![]() | Arminia Bielefeld | 35:46 | 36 |
| 17 | ![]() | 1. FC Nürnberg | 33:60 | 30 |
| 18 | ![]() | Energie Cottbus | 34:64 | 30 |