In Stuttgart glaubten derweil nur kühne Optimisten daran, dass die Meisterschale nach 15 Jahren wieder in Bad Cannstatt Quartier finden sollte.
Der Erfolg war umso erstaunlicher, da sich einer seiner Macher in der Startphase 2006/07 der Rückendeckung der Klubspitze keineswegs sicher sein konnte. Wenige Monate vorher, als Armin Veh das Traineramt übernommen hatte, war er von Aufsichtsratsboss Dieter Hundt als "Übergangslösung bis Saisonende" präsentiert worden. Obwohl Veh die Stuttgarter von Abstiegskalamitäten befreit und in der Abschlusstabelle auf Platz neun dirigiert hatte, schützten seine Weiterbeschäftigung vor allem zwei Faktoren: Manager Horst Heldt, der sich im Februar 2006 für das Engagement Vehs stark gemacht hatte, und mangelnde Alternativen auf dem Trainermarkt.
Auch ohne Liebesbeweise aus der Chefetage bastelte Veh in der Neckar-Metropole an seiner Erfolgsmannschaft. Im Sommer 2006 leitete er einen rigorosen Umbau ein. Verdiente Spieler wie Andreas Hinkel und Zvonimir Soldo wurden ausgemustert. Neben externen Neuzugängen (Pavel Pardo, Ricardo Osorio, Arthur Boka) setzte Veh auf Eigengewächse, die das Vertrauen des Trainers zurückzahlen sollten. Mit Serdar Tasci, Sami Khedira und Mario Gomez nutzten gleich drei Talente die Saison als Karrierebeschleuniger. Das jüngste Team der Liga ebnete dem VfB den Weg zum fünften Meistertitel.
Der Auftakt misslang gleichwohl. Schuld daran war ein Verein, der den Schwaben in dieser Saison noch zwei weitere Male Wasser in den Meisterwein gießen sollte. Am ersten Spieltag fügte Nürnbergs Sturmtrio Robert Vittek, Markus Schroth und Ivan Saenko dem VfB eine empfindliche 0:3-Pleite zu. Zum Start der Rückserie setzte es in Franken ein 1:4. Zum Abschluss des Fußballjahres erwies sich der FCN in einem turbulenten Pokal-Endspiel (2:3 i.V.) endgültig als Schwaben-Schreck.
Doch zurück zum Liga-Betrieb: Nachdem auch das zweite Heimspiel in die Hose gegangen war (1:3), übertrug Veh den Druck auf die Mannschaft. Er führte einen Verdrängungswettbewerb ein, dem mit Markus Babbel und Jon Dahl Tomasson prominente Spieler zum Opfer fielen.
Veh drehte an weiteren Stellschrauben und feierte rasch Erfolge. Nicht nur, dass weitere Pleiten im Stuttgarter Talkessel ausblieben. Ab Oktober, beginnend mit einem 3:0-Heimerfolg gegen Schalke, begaben sich die "Roten" auf die Überholspur. Am 12. Spieltag grüßten sie erstmals von Platz eins. Nach dem 33. Spieltag hatte die Schwaben die Spitzenposition erneut inne. Das 3:2 in Bochum bedeutete den siebten Sieg in Serie. Da Meisterschaftsrivale S04 zeitgleich in Dortmund patzte (0:2), hatte das Ergebnis auch einen Zwei-Punkte-Vorsprung auf die "Knappen" zur Folge, den Stuttgart mit ins "Finale dahoim" nahm.
In diesem wurde es für den VfB jedoch nochmal unerwartet eng. Der Gast aus Cottbus wollte nicht die Staffage für die Meisterfeier geben. Nach knapp 20 Minuten gingen die Lausitzer durch Sergiu Marian Radu in Front (19.), Schalke führte derweil zuhause mit 2:0. Doch die Antwort der zuvor nervösen, danach energischen Hausherren folgte: Nach einer Pardo-Ecke knallte Thomas Hitzlsperger den Ball volley in die Maschen (27.). Im zweiten Durchgang gab Khedira der Partie den entscheidenden Dreh: Der damals 20-Jährige veredelte eine da-Silva-Flanke mit dem Kopf zum 2:1 und verwandelte das Stuttgarter Stadion in ein Tollhaus. Der Meisterfeier stand nun nichts mehr im Weg.
Der Bochumer Theofanis Gekas wies in dieser Saison die größten Vollstrecker-Qualitäten nach. Die 20 Treffer des Griechen hatten enormen Anteil am Klassenerhalt des Revier-Teams und den Gewinn der kicker-Torjägerkanone zur Folge. Alexander Frei (BVB) und Roy Makaay teilten sich mit je 16 Toren Platz zwei. Kevin Kuranyi (Schalke) zeigte sich 15-mal treffsicher und verbuchte damit den dritten Rang.
Auf Schalke herrschte wiedermal königsblaue Tristesse. Erneut waren die Gelsenkirchener knapp am Titelgewinn vorbeigeschrammt. Eine gute Figur hatte das Team von Mirko Slomka gleichwohl gemacht. Nicht nur beim 2:1-Saisonabschluss gegen Bielefeld, sondern auch in der Mehrzahl der 33 Runden zuvor. Nach ebenfalls dürftigem Start hatten die "Knappen" vom zehnten Spieltag an eine Serie von 13 Partien ohne Niederlage hingelegt, die ihnen zu Rückrundenbeginn Platz eins einbrachte. Auch wenn Schalke kurz vor dem Ziel strauchelte, Rang zwei und die direkte Qualifikation für die Champions League stellte für den Vorjahresvierten eine Steigerung dar. Bremen landete auf Platz drei. Besonders in der ersten Saisonhälfte lief Werders Angriffsmaschinerie, unter der Anleitung des oft glänzenden Neu-Bremers Diego, auf Hochtouren. Doch die Hanseaten konnten sich nie entscheidend absetzen. Im Saisonfinish verloren sie den Anschluss.
Richtig mies war die Stimmung in München. Der FC Bayern stand am Saisonende ohne Titel da. Insgesamt zehn Niederlagen erwiesen sich als Mühlstein, der den Topfavoriten auf die Meisterschaft auf Rang vier riss - gleichbedeutend mit der ungewohnten Abstinenz von der Champions-League-Bühne. Bayer Leverkusen entschied den Zweikampf mit Nürnberg um UEFA-Cup-Startplatz fünf für sich. Doch auch der Club durfte als Pokalsieger auf Europa-Tour.
Beim HSV war man ebenfalls zufrieden, zumindest mit der zweiten Halbserie. Nach einer desolaten Hinrunde, welche die Hanseaten auf dem vorletzten Rang und nur einem Sieg beendeten, startete der "Bundesliga-Dino" nach der Winterpause unter seinem neuen Trainer Huub Stevens durch und qualifizierte sich über den UI-Cup noch für den UEFA-Pokal-Wettbewerb.
Mit dem Thema Abstiegskampf musste sich über die gesamte Saison gesehen eine bis dahin unbekannte Anzahl von Vereinen beschäftigen, die sich durch steten Wechsel von Stärke- und Schwächeperioden die Klinke im Tabellenkeller in die Hand gab. Die Aufsteiger aus Bochum (8.) und Cottbus (13.) hielten die Klasse. Es erwischte den FSV Mainz (16.), der sich nach drei Jahren im Oberhaus vorrübergehend aus der Beletage verabschiedete. Auch die Alemannia aus Aachen, der im Saisonfinish die Kräfte ausgingen, musste nach einem Jahr Erstklassigkeit runter (17.). Borussia Mönchengladbach sagte als abgeschlagener Tabellenletzter "Auf Wiedersehen". Die "Fohlen" hatten furios begonnen - die ersten vier Heimspiele hatten die Borussen siegreich gestaltet - aber ebenso furios abgebaut.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | VfB Stuttgart | 61:37 | 70 |
| 2 | ![]() | FC Schalke 04 | 53:32 | 68 |
| 3 | ![]() | Werder Bremen | 76:40 | 66 |
| 4 | ![]() | Bayern München | 55:40 | 60 |
| 5 | ![]() | Bayer 04 Leverkusen | 54:49 | 51 |
| 6 | ![]() | 1. FC Nürnberg | 43:32 | 48 |
| 7 | ![]() | Hamburger SV | 43:37 | 45 |
| 8 | ![]() | VfL Bochum | 49:50 | 45 |
| 9 | ![]() | Borussia Dortmund | 41:43 | 44 |
| 10 | ![]() | Hertha BSC | 50:55 | 44 |
| 11 | ![]() | Hannover 96 | 41:50 | 44 |
| 12 | ![]() | Arminia Bielefeld | 47:49 | 42 |
| 13 | ![]() | Energie Cottbus | 38:49 | 41 |
| 14 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 46:58 | 40 |
| 15 | ![]() | VfL Wolfsburg | 37:45 | 37 |
| 16 | ![]() | 1. FSV Mainz 05 | 34:57 | 34 |
| 17 | ![]() | Alemannia Aachen | 46:70 | 34 |
| 18 | ![]() | Borussia M'gladbach | 23:44 | 26 |