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03.08.2012, 12:08

2007/08 - Magische Momente der Bayern

Hitzfeld: "Mich überkommt da sofort wieder Gänsehaut"

Die Bayern-Bosse sind sauer. Vierter! Der Anspruch der Münchner ist nichts Geringeres als die Champions League. Die verpassen sie im Sommer 2007, nachdem sich Stuttgart die Krone aufsetzt und selbst Schalke und Bremen noch zu stark für den FCB sind. Es muss was passieren, denn der Rekordmeister fühlt sich in seiner Ehre verletzt. 70 Millionen Euro machen die Bayern für Neuzugänge locker. Am Ende geht Trainer Hitzfeld, und Keeper Kahn beendet seine Karriere. Sie gehen als ganz große Gewinner.

Er kam, sah und traf: Bayerns Neuzugang Luca Toni sichert sich auf Anhieb die kicker-Torjägerkanone.
Er kam, sah und traf: Bayerns Neuzugang Luca Toni sichert sich auf Anhieb die kicker-Torjägerkanone.
© imago Zoomansicht

Franck Ribery, Luca Toni, Miroslav Klose, Marcell Jansen, Hamit Altintop, Zé Roberto, José Sosa, Jan Schlaudraff: Die Bayern wollen es wissen und gehen vor dem Saisonstart gepflegt shoppen. München ist bereits Rekordmeister, aber das FC-Raubtier wird nie satt. Der Druck ist - wie immer bei den Bayern - immens groß. Ottmar Hitzfeld muss Titel holen - egal wie.

Eindrucksvoll zeigen die Münchner beim Start gegen den Aufsteiger Hansa Rostock, dass alle Rädchen wieder ineinander greifen. 3:0, einmal Toni, zwei Mal Klose: Bayerns neues Sturm-Duo schießt sich warm. "Der Druck war wahnsinnig groß", sagt Philipp Lahm, "aber wir waren mit diesem Personal einfach zu stark."

Was soll da schief gehen? Ribery, der große kleine französische Dribbel-König und Luca Toni, dessen Effektivität selbst die Bayern-Bosse erstaunt. "Tortellino", wie sie den 30-Jährigen in Italien rufen, startet in der Bundesliga richtig durch. Für ihn selbst die größte Überraschung, denn mit Anfang Zwanzig dümpelt der Macho noch in der Italienischen dritten Liga herum, und zweifelt an seiner Berufswahl. Bei den Bayern muss für ihn Roy Makaay gehen, "aber Luca Toni ist immer anspielbar", sagt Hitzfeld, "er schirmt den Ball ab, bringt ihn zum Mitspieler, ist immer gefährlich". Dem Weltklasse-Trainer steht eine Millionen-Star-Truppe zur Verfügung.

Ribery macht Spaß - Vive le Franck

Mit Ribery kommt nicht nur ein Weltklassespieler für 25 Millionen an die Isar. Bayern hat wieder einen neuen König. Der kleine Franzose wird sofort der neue Liebling der Fans und gefürchtet bei seinen Mitspielern. Als Scherzkeks in Frankreich bekannt, treibt der Strahlemann seine Späße in München weiter: Zahncreme auf die Türklinke im Mannschaftshotel, Badeschlappen in der Kabine verstecken, vorne Löcher in die Socken der Mitspieler schneiden; lustig und unkompliziert ist er - Vive le Franck. Doch nicht nur außerhalb, sondern vor allem auf dem Platz ist Ribery ein Volltreffer: "Ich habe selbst nicht erwartet, dass es so schnell so gut laufen würde."

Bilder zur Saison 2007/08
Zwei Titel und viele Tränen
Frank Ribery, Miro Klose, Luca Toni
Shopping-Tour

Vor Saisonbeginn geht der FC Bayern auf Shopping-Tour: Frank Ribery kommt aus Marseille, Miroslav Klose wechselt von Bremen nach München, und Luca Toni zieht es aus Florenz über die Alpen in die bayerische Metropole.
© imago

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Die Erwartungshaltung bei den Bayern-Bossen ist dennoch groß: Viel Geld wurde investiert, viele Erfolge sollen folgen. "Die große Anspannung, ob die Rechnung aufgehen würde, war zu spüren", erinnert sich Trainer Hitzfeld. Als erfahrener Übungsleiter zeigt er, dass er mit dem Druck und den Top-Stars umgehen kann. An Nebenkriegsschauplätzen mangelt es bei den Bayern jedoch nie. Auch wenn sie vom ersten bis zum letzten Spieltag im Bundesliga-Auto ganz vorne Platz nehmen, bleibt Kritik nicht aus: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge greift Hitzfeld nach dessen Rotation im UEFA-Cup gegen Bolton Wanderers an: "Fußball ist keine Mathematik!" Der studierte Mathematik- und Sportlehrer ist sauer, kontert aber in Gentleman-Manier: "Ich hoffe, dass ich das Fußball-Einmaleins kann."

Hitzfeld suspendiert Kahn

Bayern scheint fast unschlagbar. Die Liga sieht nur die Rücklichter der Münchner. Stuttgart (3:1) und Cottbus (2:0) zeigen zwar, dass Rot-Weiß auch zu bezwingen ist, aber das Starensemble zeigt sich davon unbeeindruckt. Selbst Störfeuer im Winter können den Bayern-Tanker nicht stoppen: Hitzfeld gibt nach der harschen Kritik von Rummenigge im Dezember seinen Abschied für den Sommer bekannt. Als Kapitän Oliver Kahn vorzeitig von der Weihnachtsfeier verschwindet, muss ihn Hitzfeld suspendieren und beim letzten Vorrundenspiel in Berlin "Kronprinz" Michael Rensing nominieren. "Es war eine der härtesten und schwersten Entscheidungen, die ich treffen musste", aber Hitzfeld lobt seinen Star-Torwart, denn "er hat es verstanden, das spricht für seine Persönlichkeit."

Am 17. Mai 2008 verliert der Grandseigneur des deutschen Fußballs die Fassung. Die Bayern verabschieden Torwart-Trainer Sepp Maier und seinen Erben Oliver Kahn. "Dann sprach der Stadionsprecher meinen Namen ins Mikrofon." Hitzfeld ist an der Reihe und schreitet zehn Meter auf den Rasen in die Allianz-Arena, "hoch konzentriert und um Fassung bemüht". Es sind die letzten Minuten, das letzte Spiel für die Bayern, mit denen er nun fünfmal Deutscher Meister wird. Ottmar Hitzfeld macht Platz für Jürgen Klinsmann und wird neuer Nationaltrainer der Schweiz. In München steht er mit rot-weißem Blumenbouquet in der Hand da und weint hemmungslos. Mit dem Double geht der Champions-League-, Weltpokal- und Pokalsieger von Bord. 66.000 Menschen im Stadion applaudieren stehend: "Mich überkommt da sofort wieder Gänsehaut", wenn er sich rückbesinnt.

Der Torschützenkönig

Liebling Luca. Er kam, sah und siegte tatsächlich. Ein Tor im ersten Saisonspiel, gleich drei am Schluss: Luca Toni trifft 24-mal und wird in seinem ersten Jahr in der Bundesliga auf Anhieb Torschützenkönig. Als Weltmeister kommt Toni zu den Bayern, und Rummenigge, der sich für dessen Verpflichtung besonders stark gemacht hat, ist begeistert: "Wahnsinn! Diese Quote hatte auch ich nicht erwartet." 24 Tore in 30 Liga-Spielen, zehn in elf UEFA-Cup-Partien, vier bei den fünf DFB-Pokal-Auftritten. "Ich fühle mich in München wirklich sehr wohl", lächelt der Sonnyboy. Auch wenn er das harte Training mit drei Einheiten am Tag nicht mag, das kenne er aus Bella Italia nicht.

Was sonst noch geschah

Auch in der kicker-Elf des Jahres finden sich vier Bayernspieler wieder. In der Abwehr Martin Demichelis, der auch kurzfristig suspendiert wird, als er sich weigert, in Cottbus im defensiven Mittelfeld zu spielen. Vor ihm Zé Roberto aus eben jenem defensiven Mittelfeld, der Dauerläufer, der eine feste Größe im Team ist. In der Offensive natürlich Franck Ribery. Kein Spieler wird in dieser Saison häufiger in die Elf des Tages berufen (13-mal). Mit seinem kongenialen Partner Luca Toni komplettiert dieser das bayerische Meister-Quartett.

Nürnberg steigt zum siebten Mal ab

Den Aufzug nach unten nimmt Aufsteiger MSV Duisburg als Tabellenletzter. Der mit viel Vorschusslorbeer verpflichtete, ehemalige Torschützenkönig Ailton erweist sich als Flop: Achte Spiele, ein Tor. Der "Kugelblitz" verlässt den MSV im Februar Richtung Metalurg Donezk. Auch für den zweiten Aufsteiger ist die Bundesliga eine Nummer zu groß. Hansa Rostocks laues Lüftchen in der Offensive (mit 30 Toren der schlechteste Sturm der Liga) reicht nicht, um sich im Oberhaus zu behaupten. Der 1. FC Nürnberg steigt als Pokalsieger nun schon zum siebten Mal ab und wird seinem Ruf als Fahrstuhlmannschaft mehr als gerecht.

03.08.12
 
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zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München68:2176
 
2Werder Bremen75:4566
 
3FC Schalke 0455:3264
 
4Hamburger SV47:2654
 
5VfL Wolfsburg58:4654
 
6VfB Stuttgart57:5752
 
7Bayer 04 Leverkusen57:4051
 
8Hannover 9654:5649
 
9Eintracht Frankfurt43:5046
 
10Hertha BSC39:4444
 
11Karlsruher SC38:5343
 
12VfL Bochum48:5441
 
13Borussia Dortmund50:6240
 
14Energie Cottbus35:5636
 
15Arminia Bielefeld35:6034
 
161. FC Nürnberg35:5131
 
17Hansa Rostock30:5230
 
18MSV Duisburg36:5529
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