Es steht 5:1 für Wolfsburg. VfL-Stürmer Grafite erinnert sich an alle Details der Partie. Dieser 26. Spieltag ist bezeichnend für die komplette Spielzeit 2008/09.
Der Star: Grafite macht alles richtig. Er trifft 28-mal für die Wölfe, gemeinsam mit Edin Dzeko steuert er 54 Treffer zu den 80 Toren des VfL bei. Damit knackt das Traum-Duo den Rekord von Uli Hoeneß und Gerd Müller, die Anfang der 70er 53-mal zusammen einnetzten. Außerdem läuft der Brasilianer achtmal zum Elfmeterpunkt - und verwandelt jeden Strafstoß. Es läuft perfekt - Grafite lässt keine Auszeichnung aus: An fünf Spieltagen wird er vom kicker zum "Mann des Tages" gewählt, achtmal steht der Stürmer in der "Elf des Tages". Es läuft perfekt - das Hackentor wird zum "Tor des Jahres" gewählt und findet auch international Beachtung: Bei der Wahl der FIFA landet der Wolfsburger Treffer auf Platz drei - hinter Cristiano Ronaldo und Andres Iniesta.
Der Meister: Die Leistung von Grafite, Dzeko und Co. wurde belohnt. Der VfL Wolfsburg holte erstmals in der Vereinsgeschichte die Meisterschale. Damit trug sich nach 39 Jahren ein neuer Klub in die Liste der Titelgewinner ein. Als Favorit galten die Wölfe vor der Saison nicht - landeten sie doch in der vergangenen Spielzeit noch auf Rang fünf.
Auch in der Hinrunde lag die Tabellenspitze noch in weiter Ferne: Wolfsburg überwinterte im Mittelfeld - mehr als Platz neun war nicht drin. Dann startete die Mannschaft eine rasante Aufholjagd: 14 Siege, zwei Niederlagen, ein Unentschieden. Das beste Team der Rückrunde. Doch der Kampf um den Titel wurde erst am letzten Spieltag entschieden. Zwar übernahm Wolfsburg nach dem grandiosen Hackentrick von Grafite endlich die Führung, doch noch nach dem 32. Spieltag war der VfL punktgleich mit dem Meister des Vorjahres. Mit einem 5:1 gegen Bremen machten Misimovic, Grafite (2), Prödl (Eigentor) und Dzeko dann aber alles klar und überließen den Bayern mit zwei Punkten Vorsprung nur Platz zwei.
Der Gewinner: Trainer Felix Magath hatte Wolfsburg in einer rasanten Geschwindigkeit auf den Bundesliga-Olymp katapultiert. Bereits in der Saison zuvor trimmte er seine Mannschaft auf Erfolg, die sich einen Platz im UEFA-Pokal sicherte. Das überraschte besonders, nachdem die Mannschaft unter Klaus Augenthaler 2006 und 2007 nicht über einen 15. Platz hinausgekommen und akut abstiegsgefährdet war. Doch nach Ende der Spielzeit endete die Zusammenarbeit mit Magath: Bereits während des Titelkampfes verkündete er seinen Job-Wechsel zu Schalke 04.
Der Verlierer: Es hätte alles so schön werden können - und sollen. Doch Jürgen Klinsmann konnte die Erwartungen als Trainer des FC Bayern nicht erfüllen. In den ersten zwei Spielen kam der FCB gegen den HSV (2:2) und beim BVB (1:1) nicht über ein Unentschieden hinaus. Uli Hoeneß wurde da bereits nervös. Am fünften Spieltag kassierten die Bayern eine 2:5-Klatsche gegen Bremen vor heimischem Publikum. Trotzdem verabschiedeten sie sich punktgleich mit Herbstmeister Hoffenheim in die Winterpause.
In die Rückrunde starteten sie mit einer 0:1-Pleite in Hamburg, im März folgte das Pokal-Aus gegen Leverkusen (2:4). Spätestens jetzt konnten die neuen Buddhas auf dem Trainingsgelände das Gemüt von Hoeneß nicht mehr beruhigen, und dann folgte auch noch die Demütigung in Wolfsburg. Philipp Lahm und Miroslav Klose warnten vor zu viel Aktionismus. Die Einnahme von Vitamin B und das Eisbad zeigten keine Wirkung. Dass "Klinsi" solange bleiben durfte, lag an der Leistung in der Champions League. Hier kickte sich die Mannschaft bis ins Viertelfinale, doch dann war auch hier Schluss: Nach Hin- und Rückspiel flog sie mit einem 1:5 gegen Barcelona raus. Genau wie der Trainer: Fünf Tage vor Saisonende kam Jupp Heynckes für Klinsmann.
Er schoss nicht nur das schönste Tor, sondern auch die meisten: Grafite holte sich mit 28 Treffern für den VfL Wolfsburg die Torjägerkanone des kicker ab. Direkt dahinter folgte der zweite Part des Traumduos bei den Wölfen: Edin Dzeko brachte es auf 26 Tore. Auf Platz drei machte ein Stuttgarter einmal mehr auf sich aufmerksam. Mario Gomez erzielte für den VfB 24 Tore - anschließend wechselte er für die Rekordsumme von etwa 35 Millionen Euro zum FCB.
Zwischen 1982 und 1991 gab es sie schon, jetzt sind sie wieder da: die Relegationsspiele. Der Tabellensechzehnte der Ersten Liga trifft auf den Dritten der Zweiten Liga, so wird entschieden, wer im Oberhaus bleiben darf. Als erste standen sich hier Energie Cottbus und der 1. FC Nürnberg gegenüber. In der Summe der beiden Begegnungen lautete das Endergebnis 5:0 für den Club, der damit aufstieg.
Mit dem VfL als Titelanwärter hatten die wenigsten gerechnet. Doch Aufsteiger Hoffenheim sorgte ebenfalls für Aufsehen. Zielstrebig marschierte er durch die Vorrunde und wurden nach Siegen gegen Dortmund (4:1), Hannover (5:2) und Wolfsburg (3:2) Herbstmeister. In der zweiten Hälfte der Saison lief es jedoch nicht mehr so glatt, die TSG musste sich mit Rang sieben begnügen.
Hertha BSC gelang in der Rückrunde eine Premiere in der Vereinsgeschichte: Am 22. Spieltag schafften die Berliner unter Trainer Lucien Favre den Sprung an die Tabellenspitze der Bundesliga. Hier konnten sie sich insgesamt vier Wochen lang halten, bevor sie von den Wölfen abgelöst wurden. Schließlich schrammte Hertha noch knapp an einem Champions-League-Platz vorbei.
Hamburg und Bremen trugen in dieser Spielzeit die "Norddeutschen Festspielwochen" aus. Die Klubs trafen in verschiedenen Wettbewerben innerhalb von 19 Tagen viermal aufeinander. Bremens Abwehrspieler Petri Pasanen sprach sich für einen Derby-Marathon aus: "Lasst uns viermal 90 Minuten am Stück spielen und die Karten kosten 150 Euro." Wie kam es dazu? Den Auftakt bildete das Halbfinale des DFB-Pokals, bei dem Werder im Elfmeterschießen 3:1 gewann. Die beiden Teams zogen außerdem ins Semifinale des UEFA-Pokals ein. Damit war dies das erste Halbfinalduell zweier Bundesligisten seit 21 Jahren. In der Hinrunde der Bundesliga unterlag Bremen beim HSV mit 1:2, das Rückspiel entschied Werder 2:0 für sich. In der Tabelle blieb Hamburg (5.) vor den Bremern (10.).
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | VfL Wolfsburg | 80:41 | 69 |
| 2 | ![]() | Bayern München | 71:42 | 67 |
| 3 | ![]() | VfB Stuttgart | 63:43 | 64 |
| 4 | ![]() | Hertha BSC | 48:41 | 63 |
| 5 | ![]() | Hamburger SV | 49:47 | 61 |
| 6 | ![]() | Borussia Dortmund | 60:37 | 59 |
| 7 | ![]() | 1899 Hoffenheim | 63:49 | 55 |
| 8 | ![]() | FC Schalke 04 | 47:35 | 50 |
| 9 | ![]() | Bayer 04 Leverkusen | 59:46 | 49 |
| 10 | ![]() | Werder Bremen | 64:50 | 45 |
| 11 | ![]() | Hannover 96 | 49:69 | 40 |
| 12 | ![]() | 1. FC Köln | 35:50 | 39 |
| 13 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 39:60 | 33 |
| 14 | ![]() | VfL Bochum | 39:55 | 32 |
| 15 | ![]() | Borussia M'gladbach | 39:62 | 31 |
| 16 | ![]() | Energie Cottbus | 30:57 | 30 |
| 17 | ![]() | Karlsruher SC | 30:54 | 29 |
| 18 | ![]() | Arminia Bielefeld | 29:56 | 28 |