
Einen kleinen Fehlstart legt Hannover hin, als die Mannschaft von Dieter Hecking nach zwei Spielen erst einen Punkt auf dem Haben-Konto notiert und im Pokal an Viertligist Eintracht Trier scheitert. Mit dem schmucklosen 1:1 gegen Mainz verabschiedet sich Trainer Hecking früh in der Saison, Andreas Bergmann übernimmt - und gewinnt prompt gegen Nürnberg zum Debüt.
Unter Bergmann fängt sich Hannover und kann 15 Punkte in zehn Spielen einfahren. Zwei Tage nach dem 2:2 gegen den HSV, am Dienstag, 10. November, beginnt eine lange Leidenszeit für die Mannschaft: Ihr Keeper Robert Enke wählt den Freitod. Mannschaft und Verein fallen in ein tiefes Loch. "Die Liga wartet nicht auf uns", weiß wenige Tage nach dem Tod Enkes Routinier Christian Schulz. Doch die Mannschaft kann den Verlust nicht ausblenden. Florian Fromlowitz steht als neuer Torwart plötzlich im Rampenlicht, Arnold Bruggink übernimmt die Kapitänsbinde seines verstorbenen Torwarts: "Das waren Dinge, die du noch nie erlebt hast und auch nie vergessen wirst."
Andreas Bergmann, unter dem Hannover sich zu stabilisieren versucht, kann der Mannschaft nicht mehr die nötige Härte für den Bundesliga-Alltag geben. Ein 3:5 in Gladbach mit unbeschreiblichen drei Eigentoren, das 2:3 gegen Bochum nach 2:0-Pausenführung zum Hinrunden-Abschluss und der unsägliche 0:2-Rückrunden-Auftakt gegen Schlusslicht Berlin lassen das Fass zum Überlaufen bringen: Präsident Martin Kind und Manager Jörg Schmadtke, das verantwortliche Duo bei Hannover, entlässt Trainer Nummer zwei und holt Mirko Slomka an Bord.
Die als sicheren Absteiger gehandelten Niedersachsen können unter dem Ex-Schalke-Trainer die Wende zunächst auch nicht herbeiführen. Das 0:7 in München stellt den negativen Höhepunkt einer verkorksten Saison am viertletzten Spieltag dar. Dass sich 96 unter anderem durch ein 6:1 gegen Gladbach und dem 3:0 in Bochum im Finale rettet, lassen die Zweifler am Feuerwehrmann Slomka aber verstummen.
"Dieser Abstieg ist so überflüssig wie ein Kropf!" Berlins Kapitän Arne Friedrich kann es nicht fassen, doch die Tabelle weiß es besser: Vom sechsten Spieltag an trägt seine Hertha die Rote Laterne vor sich her. "Ich habe bis zuletzt auf Hertha gesetzt und so viele Wetten verloren."
Auch für den langjährigen Berliner, "Zecke" Neuendorf, ist es unverständlich, dass die "Alte Dame" am Krückstock in den Keller muss. Der fünfte Abstieg der Hauptstädter aus dem Oberhaus ist eine Kette von Ereignissen, an deren Ende das Unvermeidliche kommen muss. Trotz Platz vier in der Vor-Saison und damit die Qualifikation für die neue Europa League muss Manager Dieter Hoeneß kurz vor Saisonstart seinen Hut nehmen. Michael Preetz, Leiter der Lizenzspielerabteilung, übernimmt.
Im Lauf der Saison wird sich herausstellen, dass die Abgänge von Marko Pantelic (Ajax Amsterdam), Andrey Voronin (FC Liverpool) und Josip Simunic (TSG Hoffenheim) nicht kompensiert werden können.
Nach einer desolaten Hinrunde - Trainer Lucien Favre ist nach sechs Niederlagen in Folge entlassen worden, Interimscoach Karsten Heine folgt im Oktober Friedhelm Funkel - überwintern die Berliner mit nur sechs Punkten auf dem letzten Platz. Levan Kobiashvili, Theofanis Gekas und Roman Hubnik verstärken die Mannschaft in der Winterpause - können den drohenden Abstieg jedoch auch nicht abwenden. 16 Heimspiele in Folge ohne Sieg lautet die unfassbare Bilanz der Hertha am Ende. Damit knacken sie den Rekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66, die "nur" 15-mal erfolglos waren. Arne Friedrich kann sich diese Schreckens-Bilanz "immer noch nicht erklären". Jaroslav Drobny sucht die Schuld in der falschen Transferpolitik: "Wir hätten Marko Pantelic nicht verkaufen dürfen", schimpft der Keeper. 5000 Euro Strafe kostet ihm die Wahrheit.
Der fränkische Spruch "Der Clubb is a Debb" bewahrheitet sich in der Saison 2009/10 einmal nicht. Der Kreis schließt sich für den FCN, als die Nürnberger nach Abschluss der Saison in die Relegation müssen/dürfen. Denn über genau diese kommt der Club aus der Zweiten Liga ein Jahr vorher hoch. Nach der Abschaffung der Relegation für die Beletage des deutschen Fußballs 1991 kehrt der Klassiker 2009 zurück: Der Dritte der Zweiten Liga und der Sechzehnte aus Liga Eins ermitteln nach freien Platz in der Bundesliga. Zwei Mal klar (3:0 und 2:0) setzt sich Nürnberg gegen Energie Cottbus durch.
Ein Jahr später nimmt der FCN den Platz von Cottbus ein und spielt ums Überleben in der Ersten Liga. Im bayerischen Vergleich mit dem FC Augsburg sorgt Nürnberg für ein Novum: Wieder ohne Gegentor (1:0, 2:0) ist das fränkische Team die erste Mannschaft, die zwei Mal in Serie eine Relegation erfolgreich bestreitet.
Nach Grafite setzt sich erneut ein Wolfsburger die Torjäger-Krone auf. Edin Dzeko lässt mit 22 Treffern Stefan Kießling (21) und Lucas Barrios (19) hinter sich. Für den Bosnier eine große Ehre, weil man "so etwas vielleicht nur einmal gewinnt". Seinen 26 Toren aus dem Meisterjahr folgen nun 22: In der VW-Stadt ist der 24-Jährige zum Weltklasse-Stürmer gereift. "Er ist der beste und kompletteste Spieler, den ich je trainiert habe", lobt ihn VfL-Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner.
"Deutscher Meister wird nur der FCB", singen wieder die Bayern-Fans. Nichts Neues aus der bayerischen Landeshauptstadt, die in Arjen Robben einen neuen Liebling findet. Der Neuzugang von Real Madrid schießt wichtige Tore und "ist eine Bereicherung - nicht nur für uns, für die ganze Liga", schwärmt Teamkollege und Kapitän Mark von Bommel. "Er ist einfach Weltklasse", lobt ihn Verteidiger Philipp Lahm.
Hinter dem besten Bayern-Torschützen (16 Tore) reiht sich ein gewisser Thomas Müller ein. Den 20-Jährigen vermutet niemand in der mit Stars gespickten Bayern-Elf. Am Ende der Saison wird der lustige Bayer 34-mal auflaufen, 13 Tore schießen und elf Vorlagen geben.
Ins Rampenlicht rücken auch Joel Matip (18 Jahre), Christoph Moritz (20) und Lukas Schmitz (21), die mit ihren Schalker "Knappen" Vizemeister werden. Über solches Potenzial kann der VfL Bochum nur staunen. Vier Trainer verschlissen, am letzten Spieltag durch das 0:3 daheim gegen Hannover den Strohhalm Relegation verpasst: Der Abstieg ist perfekt.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Bayern München | 72:31 | 70 |
| 2 | ![]() | FC Schalke 04 | 53:31 | 65 |
| 3 | ![]() | Werder Bremen | 71:40 | 61 |
| 4 | ![]() | Bayer 04 Leverkusen | 65:38 | 59 |
| 5 | ![]() | Borussia Dortmund | 54:42 | 57 |
| 6 | ![]() | VfB Stuttgart | 51:41 | 55 |
| 7 | ![]() | Hamburger SV | 56:41 | 52 |
| 8 | ![]() | VfL Wolfsburg | 64:58 | 50 |
| 9 | ![]() | 1. FSV Mainz 05 | 36:42 | 47 |
| 10 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 47:54 | 46 |
| 11 | ![]() | 1899 Hoffenheim | 44:42 | 42 |
| 12 | ![]() | Borussia M'gladbach | 43:60 | 39 |
| 13 | ![]() | 1. FC Köln | 33:42 | 38 |
| 14 | ![]() | SC Freiburg | 35:59 | 35 |
| 15 | ![]() | Hannover 96 | 43:67 | 33 |
| 16 | ![]() | 1. FC Nürnberg | 32:58 | 31 |
| 17 | ![]() | VfL Bochum | 33:64 | 28 |
| 18 | ![]() | Hertha BSC | 34:56 | 24 |