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03.08.2012, 12:08

1967/68 - Hannes Löhr trifft noch öfter als Franz Brungs

Merkels Minimalismus führt den Club zum Titel

Sollte Felix Magath einen Blick in die Vergangenheit der Bundesliga werfen - er wäre erstaunt, was damals möglich war. Ohne einen 40-Mann starken Kader führte Trainer Max Merkel den 1. FC Nürnberg in der Saison 1967/68 zum Meistertitel. Statt seine Spielersammlung zu erweitern, sortierte Merkel eiskalt aus. Damit reagierte er auf die schlechte Leistung im Vorjahr, als sich das Team nur knapp vor dem Abstieg retten konnte. Den Start in das neue Fußball-Zeitalter hatte der Verein bisher verschlafen. Während sich der größte Konkurrent Köln mit großem finanziellem Aufwand in das Abenteuer Bundesliga gestürzt hatte, glaubten die Franken, auch mit überholten Strukturen vorne mitmischen zu können. Ein Trugschluss: Es reichte bisher nur für das Mittelfeld - doch das sollte sich nun ändern.

Ein Jahr vor dem Abstieg: Max Merkel (im Trainingsanzug) führt den Club zum Meistertitel.
Ein Jahr vor dem Abstieg: Max Merkel (im Trainingsanzug) führt den Club zum Meistertitel.
© imagoZoomansicht

Elf Spieler schickte Merkel in die Wüste, darunter Flachenecker, Heiner Müller und Reisch aus der Meister-Mannschaft von 1961. Spielmacher Starek und Rechtsaußen Cebinac waren zwei der sechs Neueinkäufe.Mit 15 Spielern kam Merkel in dieser Saison. Weitaus mehr Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Magath und Merkel, wenn es um die Trainingsmethoden geht: "Die härteste Vorbereitung, die ich je mitgemacht habe", sagte Torjäger Franz Brungs über den zweiwöchigen Aufenthalt in Tirol, bei dem Merkel seine Jungs auf Erfolgskurs trimmte. "Merkel war eine absolute Autoritätsperson", erinnerte sich Linksaußen Georg "Schorsch" Volkert an seinen Trainer.

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Topfit startete der Club in die Saison, doch zu den Favoriten zählte er längst nicht. Meister Braunschweig, Frankfurt, Bayern München, die "Löwen", Dortmund oder Köln - sie alle wurden als Titelanwärter gehandelt. Nur einer hatte die Franken auf dem Schirm. "Meinem Freund Max Merkel ist alles zuzutrauen", erkannte Bayern-Trainer Tschik Cajkovski und behielt Recht.

Mit einem 2:0 gegen den KSC glückte der Saisonauftakt. Zielstrebig marschierte der FCN durch die ersten Spiele und blieb vorerst ungeschlagen - nach einem 1:1 gegen Neunkirchen und einem 4:0-Sieg gegen den HSV setzte sich der Club mit 5:1 Punkten zum ersten Mal seit Gründung der Bundesliga an die Tabellenspitze.

"Goldköpfchen" Brungs trifft fünfmal gegen Maier

Selbstbewusst und mit drei Zählern Vorsprung gingen sie am 16. Spieltag ins Topspiel gegen den FC Bayern. Auch hier überraschte die Mannschaft und feierte mit einem 7:3-Sieg einen ihrer größten Erfolge der Bundesligageschichte. Alleine Brungs traf fünfmal in dieser Partie.

Bilder der Saison 1967/68
Nürnberg feiert die Meisterschaft - zum neunten Mal
Tschik Cajkovski und Max Merkel
Club nicht auf dem Schirm

"Meinem Freund Max Merkel ist alles zuzutrauen!" Mit dieser Meinung stand Bayern-Trainer Tschik Cajkovski (l.) alleine da. In dieser Saison wurden andere Klubs als Favoriten gehandelt: Meister Braunschweig, Frankfurt, Bayern München, die "Löwen", Dortmund oder Köln - aber nicht der 1. FC Nürnberg. Das Team von Trainer Max Merkel (r.) hatte in der Liga niemand auf dem Schirm.
© imago

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In der Rückrunde wurde es noch einmal eng, die Leichtigkeit des Spiels ging verloren. Doch am vorletzten Spieltag machte der Club beim FC Bayern alles klar: Mit einem 2:0-Sieg sicherten sich die Franken ihre neunte und seitdem letzte Meisterschale. Erneut trafen Strehl und Brungs, die insgesamt 43 der 71 Saison-Treffer der Mannschaft erzielten.

Fast 40 Jahre musste der Verein auf einen erneuten Titelgewinn warten: Erst 2007 konnte die Mannschaft das Pokalfinale gewinnen.

Der Torschützenkönig

Trotz der optimalen Ausbeute von Franz Brungs, der für seinen Nürnberger Verein 25-mal traf, musste dieser sich dem Kölner Hannes Löhr geschlagen geben. Mit 27 Treffern führte er die Liste der Torschützenkönige an und verhalf seinem Team auf den vierten Platz. Von 1964 bis 1978 war Löhr bei den Geißböcken verpflichtet. In 361 Bundesligaspielen für den FC erzielte er 166 Treffer, die ihm den Bundesliga-Rekord des Vereins einbrachten. Gerd Müller netzte 20 Mal ein und kämpfte sich auf Platz drei der Top-Scorer. An die Spitze sollte er sich in der folgenden Saison setzen.

Was sonst noch geschah

Es sollte eine spannende Saison werden, die Zahl der Titelanwärter war groß, doch die Meister der Vorjahre schwächelten. Eintracht Braunschweig konnte die Leistung der vergangenen Spielzeit nicht abrufen. Der amtierende Meister kassierte sechs Heimniederlagen und rutschte ins Mittelfeld ab. Zum Schluss reichte es nur für Platz 9. Auch für die Münchner "Löwen" verlief die Saison nicht wie erhofft: Im Vorjahr noch Vizemeister, landeten sie diesmal auf Position 12. Und das, obwohl sie zur Halbzeit noch punktgleich mit Gladbach auf dem dritten Tabellenplatz lauerten. Umgekehrt verlief es bei Werder: Die Hanseaten überwinterten auf Rang 11, wurden als beste Rückrundenelf aber noch Zweiter.

Die Abstiegsfrage war weitaus früher geklärt. Neunkirchen musste sich nach demütigenden Niederlagen gegen Gladbach (0:10) und Dortmund (0:6) aus der Bundesliga verabschieden. Karlsruhe erging es ebenso, mit 17:51 Punkten landeten sie auf dem letzten Tabellenplatz. Der KSC feierte sein Comeback nach sieben Jahren, die Borussia kehrte nie mehr zurück.

03.08.12
 
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1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
11. FC Nürnberg71:3747:21
 
2Werder Bremen68:5144:24
 
3Bor. Mönchengladbach77:4542:26
 
41. FC Köln68:5238:30
 
5Bayern München68:5838:30
 
6Eintracht Frankfurt58:5138:30
 
7MSV Duisburg69:5836:32
 
8VfB Stuttgart65:5435:33
 
9Eintracht Braunschweig37:3935:33
 
10Hannover 9648:5234:34
 
11Alemannia Aachen52:6634:34
 
121860 München55:3933:35
 
13Hamburger SV51:5433:35
 
14Borussia Dortmund60:5931:37
 
15FC Schalke 0442:4830:38
 
161. FC Kaiserslautern39:6728:40
 
17Borussia Neunkirchen33:9319:49
 
18Karlsruher SC32:7017:51
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