Der Dominator der Saison 1965/66 kam zwar aus Bayern, doch der FCB landete nur auf Rang drei. Das Team von nebenan gab den Ton in der Liga an. Max Merkel, der österreichische Trainer von 1860 München, hatte bei den "Löwen" in den vergangenen Jahren personell einiges umgebaut. Das hatte sich ausgezahlt: Süddeutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger im Jahr darauf, Finaleinzug im Europapokal der Pokalsieger 1965. Im Londoner Wembley-Stadion hatte es nicht für den Titel gereicht, 0:2 waren die 60er West Ham United unterlegen.
In der Bundesliga aber setzten sie sich in der Saison darauf die Krone auf. Am vorletzten Spieltag fertigten die Münchner ihr Meisterstück im Westfalenstadion. 2:0 gegen den direkten Konkurrenten aus Dortmund - ein klares Zeichen, ein verdienter Sieg. Rudi Brunnenmeier und Peter Grosser machten den Sack zu, die "Löwen" standen auf dem deutschen Fußball-Olymp.
Die Individualisten überzeugten als Mannschaft - so unterschiedlich sie auch waren: Da gab es zum Beispiel Petar Radenkovic, den exzentrischen Spaßvogel. Bekannt war er für seine gewagten Ausflüge auf dem Rasen, schließlich war er in der Jugend Feldspieler gewesen. Trainer Merkel war von dem "modernen Torwartspiel", wie "Radi" es selbst nannte, weniger begeistert. Je nach Zufriedenheit bezeichnete er den Keeper als "Partisan" oder "Genie zwischen den Pfosten".
Zu den wichtigen Pfeilern des Teams gehörte auch Grosser, der Kapitän, der seine Jungs im Griff hatte. Timo Konietzka, der Neuzugang vom Verfolger Dortmund, entpuppte sich ebenfalls als unverzichtbar. Er war ein Macher und startete am liebsten blitzschnell in die Partie. 1963 hatte er den ersten Bundesliga-Treffer erzielt und auch in dieser Saison fackelte er nicht lange.
Saisonauftakt, das erste Münchner Derby der Liga stand auf dem Programm. Die beiden Teams aus der bayerischen Landeshauptstadt trafen im Stadion an der Grünwalder Straße aufeinander. 1:0 stand es nach 30 Sekunden - für die "Löwen". Getroffen hatte Konietzka - wer sonst? In den folgenden 89 Minuten passierte nichts mehr, zumindest was das Ergebnis angeht. "Ruppig" sei es beim Duell der Münchner zugegangen, erinnerte sich 1860-Verteidiger Manfred Wagner, von "viel Hektik" sei das Spiel geprägt gewesen, sagte Sepp Maier. Das Ziel von Merkels Team war bereits nach diesem Sieg klar: Die Meisterschale, sonst nichts.
Und sie erreichten es. "Wir waren alle im allerbesten Fußballeralter. Die Feldvorteile ergaben sich aus unserer spielerischen Überlegenheit", beschrieb Grosser das Erfolgsrezept.
Lothar Emmerich freute sich in dieser Spielzeit über die kicker-Trophäe für den besten Torschützen. 31-mal hatte er für die Borussia getroffen und ließ die Konkurrenz damit weit hinter sich. 1860-Spieler Konietzka traf nicht nur früh, sondern auch oft. 26 Treffer gingen in dieser Spielzeit auf sein Konto - Rang zwei in der Torschützenliste.
Der FCB konnte mit seiner Bundesliga-Premiere zufrieden sein, er belegte am Ende der Saison Rang drei. Ärgerlich: Entscheidend für die Meisterschaft war tatsächlich das Derby am ersten Spieltag. Mit einem Sieg bei den Löwen hätten sich die Bayern die Schale gesichert. Gladbach schlug sich tapfer und hielt sich die meiste Zeit im Mittelfeld auf. Die Borussia parkte schließlich auf Platz 13.
Vizemeister Dortmund tröstete sich über die entgangene Schale hinweg. 16 Tage vor der Heimniederlage gegen 1860 durfte der BVB als erstes deutsches Team einen Europapokal in den Händen halten. Nach Verlängerung hatten sie sich im Pokalsieger-Wettbewerb mit 2:1 gegen den FC Liverpool durchgesetzt.
Für Tasmania Berlin verlief die erste Bundesligasaison alles andere als glücklich. Nachdem der DFB entschieden hatte, 18 Klubs zuzulassen, durften auch die Nachbarn von Hertha BSC ran. Nationalspieler Horst Szymaniak konnte die Spiele nicht alleine gewinnen, Tasmania war sichtlich überfordert: 8:60 Punkte und 15:108 Tore standen am Ende für das Tabellenschlusslicht zu Buche. Negativrekord. Noch Jahre später kämpfte der Verein mit den Spätfolgen und ging pleite.
Zwei Monate nach dem Saisonende stand Deutschland im Finale der Weltmeisterschaft, Gegner war Gastgeber England. 30. Juli 1966, 101. Minute, es stand 2:2. Dann fiel das wohl bekannteste Tor aller Zeiten und brachte die Entscheidung. Der englische Mittelstürmer Geoff Hurst schoss aus der Drehung auf den Kasten von Hans Tilkowski. Er traf erst die Unterkante der Latte, dann prallte das Leder ab und flog Richtung Torlinie, sprang auf, bevor Wolfgang Weber es über die Latte köpfte. Treffer oder nicht? Das Wembley-Tor ging in die Geschichte ein, Schiedsrichter Gottfried Dienst vertraute auf seinen Linienrichter Tofik Bachramow und ließ den Treffer zählen. England war Weltmeister.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | 1860 München | 80:40 | 50:18 |
| 2 | ![]() | Borussia Dortmund | 70:36 | 47:21 |
| 3 | ![]() | Bayern München | 71:38 | 47:21 |
| 4 | ![]() | Werder Bremen | 76:40 | 45:23 |
| 5 | ![]() | 1. FC Köln | 74:41 | 44:24 |
| 6 | ![]() | 1. FC Nürnberg | 54:43 | 39:29 |
| 7 | ![]() | Eintracht Frankfurt | 64:46 | 38:30 |
| 8 | ![]() | Meidericher SV | 70:48 | 36:32 |
| 9 | ![]() | Hamburger SV | 64:52 | 34:34 |
| 10 | ![]() | Eintracht Braunschweig | 49:49 | 34:34 |
| 11 | ![]() | VfB Stuttgart | 42:48 | 32:36 |
| 12 | ![]() | Hannover 96 | 59:57 | 30:38 |
| 13 | ![]() | Borussia M'gladbach | 57:68 | 29:39 |
| 14 | ![]() | FC Schalke 04 | 33:55 | 27:41 |
| 15 | ![]() | 1. FC Kaiserslautern | 42:65 | 26:42 |
| 16 | ![]() | Karlsruher SC | 35:71 | 24:44 |
| 17 | ![]() | Borussia Neunkirchen | 32:82 | 22:46 |
| 18 | ![]() | SC Tasmania 1900 Berlin | 15:108 | 8:60 |