Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
06.12.2014, 11:47

Ex-CFC-Coach und jetztiger HFC-Scout im Interview

Schädlich: "Ich schlafe jetzt ruhiger"

Bis 2013 war Gerd Schädlich Trainer beim Chemnitzer FC. Jetzt arbeitet der 61-Jährige als Scout beim Ligakonkurrenten Hallescher FC. Am heutigen Samstag (LIVE! ab 14 Uhr bei kicker.de) treffen beide Vereine aufeinander. Für Schädlich ein besonderes Spiel. Im Interview spricht der gebürtige Sachse über beide Klubs, die 3. Liga und seine neue Lebensqualität.

Hat heute nur noch den Beobachter-Job inne: HFC-Scout Gerd Schädlich (rechts).
Hat heute nur noch den Beobachter-Job inne: HFC-Scout Gerd Schädlich (rechts).
© imagoZoomansicht

kicker: Am Samstag empfängt der Chemnitzer FC, wo Sie bis Oktober 2013 mehr als fünf Jahre Trainer waren, den Halleschen FC, für den Sie jetzt als Scout arbeiten. Wünschen Sie sich insgeheim ein Unentschieden, Herr Schädlich?

Gerd Schädlich: Puh, schwierig. Mein Arbeitgeber ist der HFC, natürlich drücke ich ihm die Daumen. Aber ich wohne in Chemnitz und war lange als Spieler und Trainer dort tätig. Es ist kein Spiel wie jedes andere. Aber ich bin gar nicht im Stadion.

kicker: Weil die Anspannung zu groß wäre?

Schädlich: Nein. Ich bin am Freitag in Bielefeld und am Samstag bei einem Regionalliga-Spiel. Aber der MDR überträgt live, ich werde mir das Spiel aufzeichnen und am Abend in voller Länge anschauen.

kicker: Sie sind beim HFC auch für die Gegner-Beobachtung zuständig. Können Sie Trainer Sven Köhler in dieser Woche noch mehr erzählen als sonst?

Schädlich: Sven wohnt auch in Chemnitz und kennt den CFC bestens. Als wir vor dem Hinrunden-Spiel beide gemeinsam den CFC beobachtet haben, hat Halle anschließend 0:3 verloren. Also halte ich mich jetzt lieber zurück (lacht).

kicker: Der HFC hat zuletzt erstmals in dieser Saison zwei Siege am Stück eingefahren, der CFC konnte von seinen vergangenen sechs Partien nur eine gewinnen. Ist der HFC leichter Favorit?

Schädlich: Sicher nicht. Chemnitz steht in der Tabelle vor Halle. Und zu Hause hat der CFC mit Ausnahme des Mainz-Spiels überzeugt.

kicker: Der HFC auswärts aber auch.

Schädlich: Stimmt. Mit einer guten Heimbilanz wäre Halle oben dabei.

Es wäre schön, wenn jetzt Stabilität einkehrt.Gerd Schädlich über die fehlende Konstanz des HFC.

kicker: Hat der HFC mit den jüngsten beiden Siegen die Trendwende geschafft?

Schädlich: Da wäre ich vorsichtig. Bisher zieht sich die mangelnde Konstanz durch die ganze Saison. Die schweren Verletzungen gerade im Offensivbereich hat die Mannschaft lange nicht kompensieren können. Es wäre schön, wenn jetzt Stabilität einkehrt.

kicker: Holt sich Sven Köhler in Krisenzeiten häufiger Rat bei Ihnen als sonst?

Schädlich: Ich bin mittwochs in der Regel in Halle vor Ort. Da fahren Sven und ich morgens gemeinsam nach Halle und abends zurück nach Chemnitz. Dazwischen schaue ich mir die beiden Trainingseinheiten an. Wir tauschen uns viel aus, aber ich rede ihm nicht rein.

kicker: Köhler amtiert seit 2007, er verlässt nie seine sachliche Linie und hat bisher jede kritische Phase gemeistert. Erinnert er Sie an Sie selbst?

Schädlich: Was die Beständigkeit angeht, gibt es Parallelen. Ich war in Zwickau, Aue und Chemnitz in der Summe fast 20 Jahre als Trainer. Was mir an Sven gefällt: Er macht nicht den Zampano, sondern ist auch an der Seitenlinie immer ruhig und sachlich. Trainer, die ständig gestikulieren und reinrufen, brauchen das eher für sich selbst - dass das der Mannschaft immer hilft, bezweifle ich.

kicker: Neun der 20 CFC-Tore schoss Toni Fink. Ist Chemnitz zu abhängig von ihm?

Schädlich: Anton ist für die 3. Liga ein außergewöhnlicher Spieler. Wir waren froh, ihn damals zu bekommen. Aber der CFC ist nicht nur er.

kicker: Hat Sie der radikale personelle Umbruch im Sommer erstaunt?

Schädlich: Manche waren vom Ausmaß des Kaderumbaus überrascht, aber es war die richtige Maßnahme. Zu was das neue Team fähig ist, hat es zu Saisonbeginn gezeigt.

Im Grunde sind zehn Teams fast auf einem Level.Schädlich zum engen Aufstiegsrennen in der 3. Liga.

kicker: Welchem Ost-Klub trauen Sie in dieser Saison den Aufstieg in die 2. Liga zu?

Schädlich: Rostock ist raus, alle anderen sind noch im Rennen. Die Liga ist extrem eng. Vielleicht ist Bielefeld einen Tick besser besetzt als der Rest, aber im Grunde sind zehn Teams fast auf einem Level.

kicker: Sie waren 30 Jahre Trainer und sind es seit Oktober 2013 nicht mehr. Fehlt Ihnen eigentlich etwas, Herr Schädlich?

Schädlich: Der Trainer-Job fehlt mir nicht. Ich habe jetzt mehr Lebensqualität, mehr Zeit für meine Frau und meine Tochter. Und ich kann mehr lesen als früher, zuletzt etwa die Biografien von Hitzfeld und Guardiola. Ich stehe nicht mehr in der ersten Reihe, das genieße ich. Ich fühle mich wohl in meiner Nebenrolle. Die Zeit als Trainer war sehr intensiv. Jetzt schlafe ich ruhiger (lacht).

kicker: Ist ein Comeback ausgeschlossen?

Schädlich: Zu 99,9 Prozent, ja.

kicker: Gab es zuletzt Anfragen?

Schädlich: Die gab es. Aber es war nichts dabei, was richtig gepasst hätte.

Steffen Rohr

Tabellenrechner 3.Liga
 
Seite versenden
zum Thema

DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel kicker MeinVerein Voice & VR eMagazine