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08.09.2018, 00:40

FCK-Meisterhelden von 98 gegen deutsche Fußball-Legenden

Rehhagel in Hochform: "Jetzt lobe ich mich mal selbst"

Abwechslung zum tristen Alltag. Meister-Erinnerung statt Drittliga-Tabellenkeller. An diesem Samstag treffen sich die Protagonisten des größten Erfolgs der FCK-Historie im Fritz-Walter-Stadion zur "Heimkehr der Helden - 20 Jahre das Wunder vom Betze". Fast alle Meisterspieler von 1998 kommen - und natürlich auch Erfolgsvater Otto Rehhagel. Der zeigte sich schon einen Tag vor dem Spiel gegen die Deutschen Fußball-Legenden mit Trainer Berti Vogts (15 Uhr, live im SWR) in Bestform bei der Pressekonferenz.

Otto Rehhagel
Weiß immer noch zu unterhalten: Otto Rehhagel.
© imagoZoomansicht

"Vor kurzem habe ich Fredi Bobic getroffen. Der hat gesagt: Trainer, nicht, dass Sie mich in Manndeckung nehmen lassen. Doch, doch das machen wir so. Da weiß der Fredi schon mal Bescheid." Nur einer von vielen unterhaltsamen Rehhagel-Momenten an diesem Freitagnachmittag in der Lauterer WM-Arena. Auch für seinen Spezi aus gemeinsamen Bremer Zeiten, Mario Basler, kündigte "König Otto" eine Sonderbewachung an. Kann seine Mannschaft diese ambitionierten Pläne überhaupt in die Tat umsetzen? "Ich freue mich sehr, die Jungs alle wiederzusehen. Aber ich hoffe, sie sind fit", sagte Rehhagel: "Die anderen haben nämlich gute Läufer dabei."

Die anderen, das sind in diesem Fall die "Deutschen Fußball Legenden", ein Altstar-Team, das normalerweise von Rehhagel selbst gecoacht wird und nur gegen andere Traditions-Nationalteams antritt. Für den Sensationsmeister aus der Pfalz - kein anderer Klub marschierte bislang wie der FCK als Aufsteiger direkt zum Titel durch - wird eine Ausnahme gemacht. Und da muss natürlich auch Rehhagel die Seiten wechseln, um nach 20 Jahren erneut sein famoses Ensemble anzuleiten. Beim Gegner springt Europameistercoach Berti Vogts für Rehhagel ein und hat mit Spielern wie Torsten Frings, Fabian Ernst, Patrick Owomoyela, David Odonkor und Timo Hildebrand einige Akteure in seinen Reihen, die deutlich jünger sind als die Lauterer Helden von 98. Ob die unter diesen Voraussetzungen an alte Glanzzeiten anknüpfen können? Abwarten.

Einer von Rehhagels Hoffnungsträgern, Andreas Buck, ist jedenfalls nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Der immer noch athletische Flügelflitzer von damals laboriert an einem Muskelfaserriss und wird daher wohl eher nicht "in die Gasse sprinten können", wie von Rehhagel gewünscht. Der gab - ganz Profi-like - nur einen kleinen Teil seiner geplanten Aufstellung preis: "Andreas Reinke wird im Tor stehen und Miroslav Kadlec spielt als Libero. Davor werde ich schon was zusammenstellen, will dem Berti aber noch nicht alles verraten." Die Lacher waren erneut auf seiner Seite.

Ich habe zu den Jungs gesagt, wir müssen durch sein, bevor die anderen was merken. So war es dann am Ende auch.Otto Rehhagel

Berti Vogts und Otto Rehhagel
Hat größte Hochachtung für das "Werk" des Kollegen: Berti Vogts.
© imagoZoomansicht

Knapp einen Monat nach seinem 80. Geburtstag sprühte die Trainer-Legende vor Elan und Wortwitz, auch wenn er die eine oder andere Frage akustisch erst beim zweiten Mal verstand. Vorlagen sind aber manchmal gar nicht nötig, damit Rehhagel in den Redefluss kommt. Beim Rückblick auf die Sensationssaison bemühte Rehhagel einen seiner Lieblingssprüche: "Ich habe zu den Jungs gesagt, wir müssen durch sein, bevor die anderen was merken. So war es dann am Ende auch." Vogts, der im Sommer 98 als Bundestrainer mit dem DFB-Team im WM-Viertelfinale an Kroatien gescheitert war, lobte den besonderen Spirit und die Spielfreude im damaligen FCK-Team: "Wenn ich einen Hut aufgehabt hätte, würde ich ihn heute noch ziehen." Geschenke an den Gastgeber will er dennoch nicht verteilen, verwies er doch mehrfach stolz auf seine gute Bilanz mit Borussia Mönchengladbach auf dem Betzenberg, wo er seiner Erinnerung nach nur einmal verloren habe.

Wäre das Spiel morgen ein Boxkampf, würde der Gewinner bereits feststehen - jedenfalls nach Rehhagels Theorie. "Es werden die gewinnen, die weniger Kilos auf die Waage bringen", sagte der Trainerfuchs. Man darf gespannt sein, in welcher Verfassung sich die Altmeister befinden. 10.000 Karten waren im Vorfeld verkauft. Der Reinerlös kommt zu gleichen Teilen der Fritz-Walter-Stiftung, der Horst-Eckel-Stiftung und dem FCK-Sozialprojekt "Betze-Engel" zugute.

3. Liga? "Das tut weh"

Bei allen schönen Erinnerungen an die guten, alten Zeiten - um eine Einschätzung zur aktuellen Lage des FCK kam Rehhagel nicht herum. Die begann natürlich nicht gewöhnlich. Rehhagel wandelte ein Zitat ab. "Denk' ich an Kaiserslautern in der Nacht - dann bin ich um den Schlaf gebracht." Dass er diesen Ausspruch im Eifer des Gefechts "einem großen Soldaten aus der Urzeit" bzw. "einem Feldherrn" zuschrieb, er aber vom großen Dichter Heinrich Heine stammt, sei ihm verziehen. Der stetige Niedergang lässt ihn, der in den 60er Jahren schon als Spieler auf dem Betzenberg wirkte, aber natürlich nicht kalt. "Ich habe hier so schöne Zeiten erlebt. Wenn man das Stadion und alles sieht, und auf einmal spielen sie in der 3. Liga. Das tut weh."

Da kann man nur hoffen, dass ihm dieser Schmerz keine schlaflose Nacht beschert und er morgen Nachmittag seine Mannschaft voller Elan an der Seitenlinie wird dirigieren können. An erfolgreichen Erfahrungen mangelt es ihm bekanntlich nicht, wie er in seiner unnachahmlichen Schlusspointe selbst betonte. Das Gespräch drehte sich um die beiden FCK-Siege gegen Bayern München, damals 1997/98, als Rehhagel plötzlich sagte: "Jetzt lobe ich mich mal selbst, weil ihr wisst das nicht. Ich bin der Trainer in Deutschland, der die meisten Spiele gegen Bayern gewonnen hat. Selbst mit Arminia Bielefeld 4:0 in München." Wieder Gelächter im Raum. Rehhagel: "Das ist doch unglaublich, oder nicht?". Noch lauteres Gelächter und kein Widerspruch. "Gibt es noch weitere Fragen", fragte der Moderator. "Ne, komm', das reicht jetzt", sagte Rehhagel. Fortsetzung folgt am Samstag auf dem Rasen.

Die Aufgebote:

FCK-Meisterteam 98: Tor: Andreas Reinke, Mirko Bitzer Abwehr: Miroslav Kadlec, Harry Koch, Michael Schjönberg, Oliver Schäfer, Roger Lutz, Frank Greiner, Janos Hrutka, Stefan Fleck (Spieler-Wildcard) Mittelfeld: Ciriaco Sforza, Andreas Buck, Marian Hristov, Marco Reich, Thomas Riedl, Stefan Ertl Angriff: Olaf Marschall, Pavel Kuka, Jürgen Rische, Passiv: Martin Wagner, Axel Roos Trainer: Otto Rehhagel Deutsche Fußball-Legenden: Tor: Timo Hildebrand, Perry Bräutigam Abwehr: Guido Buchwald, Jens Nowotny, Marko Rehmer, Patrick Owomoyela, Ingo Hertzsch Mittelfeld: Mario Basler, Maurizio Gaudino, Fabian Ernst, Torsten Frings, Dariusz Wosz, David Odonkor, Jörg Heinrich, Jörg Albertz Angriff: Fredi Bobic, Alexander Zickler Trainer: Berti Vogts

Carsten Schröter-Lorenz

 
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Vereinsdaten

Vereinsname:1. FC Kaiserslautern
Gründungsdatum:02.06.1900
Mitglieder:17.466 (01.07.2017)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Fritz-Walter-Straße 1
67663 Kaiserslautern
Telefon: (0631) 31 88 0
Telefax: (06 31) 31 88 29 0
E-Mail: info@fck.de
Internet:http://www.fck.de


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