Investoren, neue Fan-Anleihe und verschiedene Kreditformen

Millionenlücke: FCK plant mit einem Finanzierungsmix

3. Liga - 13.02. 18:21

Sportlich verliert der 1. FC Kaiserslautern das angepeilte Saisonziel immer weiter aus den Augen. Längst müssen sich die Verantwortlichen auf dem Betzenberg für eine weitere Saison in der 3. Liga rüsten - abseits des Rasens laufen die Weichenstellungen in wirtschaftlicher Hinsicht ohnehin auf Hochtouren. Zur Deckung der Millionenlücke plant der FCK mit verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten.

Muss eine Lücke von rund 6,7 Millionen Euro beim FCK schließen: Finanz-Geschäftsführer Michael Klatt. © imago

Noch immer schwebt die Finanzlücke von rund zwölf Millionen Euro wie ein Damoklesschwert über dem Betzenberg. Wie kann der 1. FC Kaiserslautern die immense Summe bis zum Sommer aufbringen, um eine Lizenz für eine weitere Drittliga-Spielzeit zu erhalten? Die Pfälzer benötigen zum 30. Mai 6,7 Millionen Euro, um die 2013 ausgegebene Fan-Anleihe zurückzuzahlen. Zudem bedarf es etwa fünf Millionen Euro für den Lizenzspieler-Etat in der Saison 2019/2020. Bei einer der wichtigsten Fragen der 119-jährigen Vereinsgeschichte nehmen die Pläne von Finanz-Geschäftsführer Michael Klatt immer konkretere Formen an. Unter anderem könnte das sogenannte Crowdlending zur Rettung des Klubs beitragen.

"Ein bunter Blumenstrauß verschiedener Finanzierungsmöglichkeiten"

"Es wird auf einen Mix herauslaufen, quasi ein bunter Blumenstrauß verschiedener Finanzierungsmöglichkeiten. Wir wollen uns in der aktuellen Situation nicht unter Zeitdruck von einem einzelnen Geldgeber abhängig machen", sagte Klatt dem kicker am Mittwoch. Die von den Verantwortlichen bei der Ausgliederung im September noch angedachte Lösung, die fehlende Summe rein durch das Einsammeln von Eigenkapital in Form von Investorengeldern zu generieren, ließ sich nicht umsetzen. Im Aufsichtsrat entfachte im Januar dann ein Streit über die weitere Herangehensweise. Nicht alle Beteiligten sind vom jetzigen Weg einer Zwischenfinanzierung überzeugt und hätten den Einstieg eines mächtigen Großinvestors befürwortet. Unter anderem bestand Kontakt zum russischen Geschäftsmann Michail Ponomarev, Präsident und Investor beim Ligakonkurrenten KFC Uerdingen.

"Wir wollen uns in der aktuellen Situation nicht unter Zeitdruck von einem einzelnen Geldgeber abhängig machen."

Michael Klatt

Nun sollen bis zu drei verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten herhalten, um den Spielbetrieb über den Sommer hinaus aufrecht zu erhalten: Gelder von Investoren, eine neue Fan-Anleihe sowie verschiedene Kreditformen. Das Hauptaugenmerk soll jedoch weiterhin auf Geldern von Sponsoren und kleineren Investoren liegen. Je größer die Summe aus diesem Bereich ausfallen wird, desto geringer wird der Teil aus der für den Klub weitaus teureren Zwischenfinanzierung ausfallen.

Neue Fan-Anleihe soll aufgelegt werden

Mit der Ausgabe einer neuen Fan-Anleihe soll nun der Anfang im Bereich des verzinsten Fremdkapitals gemacht werden. Einem Teil der der bisherigen Anleihezeichner wird auch die Möglichkeit gegeben, diese zu verlängern. Hierbei muss aber zwischen folgenden 2013 gegebenen Optionen der Anleihe unterschieden werden: Es wurden sowohl Einzelurkunden ("Schmuckurkunden") als auch Wertpapiere ausgegeben. Nur den Zeichnern der Wertpapiere ist es nun möglich, die Anleihe zu verlängern. Die Einzelurkunden müssen vom Verein zunächst ausgezahlt werden. Nach kicker-Informationen ist das Volumen beider Varianten in etwa gleich hoch.

Zwielichtige Unternehmen der Finanzbranche wollen für Anleihe aufkommen

Brisanz kam zuletzt in dieses Thema, da Zeichner der Wertpapiere von Teils zwielichtigen Unternehmen der Finanzbranche angeschrieben wurden. Diese wollten den Zeichnern ihre Anleihe für rund 20 Prozent des Wertes abkaufen und planten, sich die gesamte Summe vom FCK im Sommer ausbezahlen zu lassen oder im Falle einer Insolvenz einzufordern. Auch deshalb wandte sich die Geschäftsführung nun mit einem Brief an die Depotinhaber, um diese zu beruhigen.

"Wir wollen jede Form der Zwischenfinanzierung so ausgestalten, dass wir die Möglichkeiten haben, diese vorzeitig zu tilgen."

Michael Klatt

"Aufgrund der zuletzt verstärkten medialen Berichterstattung rund um die finanzielle Situation beim 1. FC Kaiserslautern und die anstehende Rückzahlung der Anleihe, möchten wir Sie hiermit darüber informieren, dass sowohl das zuständige Management der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA als auch die Verantwortlichen des eingetragenen Vereins mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet haben und in Kürze auf Sie zukommen werden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir Ihnen neben der Rückzahlung der Ihnen zustehenden Gelder auch die Möglichkeit anbieten können, Ihre Betze-Anleihe in eine neue Anleihe umzutauschen. Diese auf voraussichtlich drei Jahre angelegte Anleihe soll zu nahezu gleichen Konditionen wie die Betze-Anleihe ausgegeben werden", heißt es im Wortlaut des von Klatt und Martin Bader gezeichneten Anschreibens.

FCK prüft das sogenannte Crowdlending

Als weitere Stütze der Finanzierung wird aktuell das sogenannte Crowdlending, eine Art Schwarmfinanzierung, geprüft. Bei dieser Form der internetbasierten Kreditvermittlung dienen mehrere Privatpersonen oder Unternehmer als Kreditgeber. Der Zinssatz und die Optionen der Tilgung ähneln einem klassischen Kredit, nur dient nicht ein Bankinstitut als Geldgeber. Zudem ist der organisatorische Aufwand für den Verein überschaubarer. Der Unterschied zum deutlich bekannteren Crowdfunding liegt darin, dass die Geldgeber ihre zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel zuzüglich der Zinsen zurückerhalten.

Kredite sollen vorzeitig zurückgezahlt werden können

Legendäre Heimstätte des FCK: das Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg. © imago

"Wir wollen jede Form der Zwischenfinanzierung so ausgestalten, dass wir die Möglichkeiten haben, diese vorzeitig zu tilgen", erklärte Klatt. Das bedeutet: Sollte die Kapitalgesellschaft in naher Zukunft einen zahlungskräftigen Investor an Land ziehen, sollen die Kredite vorzeitig zurückgezahlt werden können und die eigentlich bis zum Ende der Kreditlaufzeit anfallenden Zinsen teilweise eingespart werden. Bis Ende März sollen alle Vorbereitungen getroffen worden sein, sodass noch zwei Monate Zeit bliebe, die Säulen der Finanzierung zu füllen. Nach den bisherigen Planungen könnten die Optionen Fan-Anleihe und Crowdlending gemeinsam ein Volumen von rund sechs bis sieben Millionen Euro erreichen. Doch fehlen auch dann noch mindestens fünf Millionen Euro. Sollten sich diese nicht über Sponsoren und Investoren zusammenfinden, dürfte auch ein klassisches Darlehen in Betracht gezogen werden.

Verbindlichkeiten in Höhe von rund 17 Millionen

Langfristig muss der viermalige deutsche Meister aber der finanziellen Abwärtsspirale entfliehen. Schon jetzt belasten Verbindlichkeiten in Höhe von rund 17 Millionen Euro die Bilanz. Und diese Zahl wird im Sommer vermutlich weiter steigen, da die auszubezahlende Fan-Anleihe wohl ausschließlich über Fremdkapital finanziert wird und weitere Darlehen für den Lizenzspieler-Etat nötig sein könnten. Nur die schnelle Rückkehr sportlichen Erfolges oder der Einstieg finanzkräftiger Investoren kann die langfristige Zukunft der Roten Teufel sichern.

Moritz Kreilinger

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