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14.12.2018, 18:47

Juristisch nicht anfechtbar, aber moralisch verwerflich

Vorwürfe gegen Ex-FCK-Chefs - Kuntz nimmt Stellung

Der Abwärtstrend des 1. FC Kaiserslautern hat unweit der Drittliga-Abstiegszone einen neuen Tiefpunkt erreicht. Vor der Jahreshauptversammlung (JHV) am Sonntag geht es aber auch wieder einmal um die Vergangenheit. Der Klub sieht für interne Vorgänge zwischen 2002 und 2017 zwar keine Regressansprüche, erhebt aber moralische Vorwürfe gegenüber früheren Vereinschefs. Einer von ihnen: Stefan Kuntz. Der aktuelle U-21-Nationaltrainer nimmt Stellung.

Stefan Kuntz
Heute Trainer der deutschen U 21, von 2008 bis 2016 FCK-Boss: Stefan Kuntz.
© imagoZoomansicht

Die Krise auf dem Betzenberg kam nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis eines jahrelangen Niedergangs, der schon irgendwann recht bald nach der Sensationsmeisterschaft 1998 seinen Anfang nahm. Einige FCK-Mitglieder forderten daher immer wieder die Prüfung von vergangenen Vorgängen in der Vereinsführung auf etwaige Unregelmäßigkeiten und daraus eventuell entstehende Regressansprüche.

Diesem Wunsch ist der Traditionsklub aus seiner Sicht nun nachgekommen. In erster Linie analysierte Jochen Grotepaß, aktuelles Bei- Aufsichtsratsmitglied beim FCK, als Kopf einer Arbeitsgruppe in etwa 400 Arbeitsstunden Aufsichtsratsprotokolle und verschiedene Arten von Verträgen (etwa Pacht-, Berater- und Transfervereinbarungen) der Jahre 2002 bis 2017. In diesen Zeitraum fielen die Amtsperioden der früheren Lauterer Vorstandschefs René C. Jäggi (2002-2006), Erwin Göbel (2006-2008), Stefan Kuntz (2008-2016) sowie Thomas Gries (2016-2018).

34 Seiten mit vielen moralischen Verwerflichkeiten

Das Ergebnis der internen Untersuchung ist ein 34-seitiger Bericht, der nur für Mitglieder nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung auf der Geschäftsstelle einsehbar ist. Das vorab veröffentlichte Begleitheft zur diesjährigen JHV enthält jedoch eine zweiseitige Zusammenfassung. Die Kernaussage lautet: Juristisch seien die Aktionen der früheren Bosse nicht anfechtbar, moralisch in vielen Fällen aber verwerflich.

So werden in der Vereinspublikation deutliche Worte gewählt: "Die Analyse der Vorgänge hat keine klaren Verstöße gegen die Mittelverwendung aufgezeigt. Somit ist juristisch, aus heutiger Sicht, keine Notwendigkeit gegeben, Regressforderungen zu stellen. Es ist jedoch durchaus die moralische Instanz zu hinterfragen. Mit welcher Dreistigkeit die Mitglieder hinters Licht geführt wurden, ist schon auffällig. Haarscharf am Rande der Lüge, aber eben nicht haftbar." Auch das Ende des Fazits hat es in sich: "Die Protagonisten haben sich verabschiedet und das Chaos den Nachfolgern überlassen."

"Die Protagonisten haben sich verabschiedet und das Chaos den Nachfolgern überlassen."Vereinspublikation des FCK

In der Zusammenfassung werden unter anderem der Umgang mit der unter Kuntz, der am längsten im untersuchten Zeitraum amtiert hatte, aufgelegten Betze-Anleihe kritisiert. Deren im Sommer 2019 fällige Rückzahlung stellt den finanziell ohnehin angeschlagenen Verein aktuell vor eine riesige Herausforderung. Zum damaligen Kontrakt des aktuellen U-21-Nationaltrainers heißt es: "Ein wesentlicher Grund für den, aus heutiger Sicht, damals schwachen Aufsichtsrat ist sicherlich in dem recht weitreichenden Vertrag von Stefan Kuntz zu suchen. Die dort eingeräumten Rechte sind nahe der Grenze des von der Satzung Erlaubten." Nur durch diesen Vertrag seien manche Entscheidungen bzw. Handlungsweisen zu erklären.

Jenes Arbeitspapier wurde im April 2008, als Kuntz beim akut abstiegsbedrohten Zweitligisten anheuerte, vom damaligen FCK-Kontrollgremium genehmigt und unterschrieben. Kurz darauf glückte unter Kuntz und Trainer Milan Sasic tatsächlich die Rettung vor der 3. Liga. Weiterhin fielen unter anderem der Aufstieg in die Bundesliga 2010 und der Wiederabstieg in die 2. Liga 2012 in die Ära des früheren Lauterer Torjägers. Als Kuntz Anfang April 2016 den Verein vorzeitig verließ, rangierten die Pfälzer auf Platz elf der 2. Liga, am Saisonende landeten sie auf Rang zehn.

Kuntz: "Rechtlich einwandfrei gehandelt"

Wie begegnet Kuntz, der 2017 als Trainer mit der deutschen U21 Europameister wurde und im kommenden Sommer die Titelverteidigung anstrebt, den Vorwürfen an seiner Arbeit als Chef des Fritz-Walter-Klubs? "Ich kenne den Bericht nicht und weiß nicht, wer ihn auf welcher Grundlage verfasst hat. Ich wurde nicht zu den Vorgängen und deren Hintergründe befragt und habe daher keine Kenntnis von den einzelnen Vorwürfen, die in der Zusammenfassung allgemein gehalten wurden", sagte Kuntz im Gespräch mit dem kicker und betonte: "Unterm Strich wurde bereits mehrfach attestiert, dass mein Führungsteam und ich in meiner Zeit als Vorstandsvorsitzender des FCK rechtlich einwandfrei gehandelt haben."

Stimmungs-Barometer am Sonntag

Ist das letzte Wort in diesen Angelegenheiten nun gesprochen? Zumindest ruft der FCK selbst ganz am Ende des Textes zu den Untersuchungsergebnissen dazu auf: "Abschließend sollte jetzt das Kapitel der Vergangenheit abgeschlossen sein und der Blick in die Zukunft gerichtet werden." Schon bei der sonntäglichen JHV kann man einen Eindruck davon gewinnen, ob die FCK-Mitglieder diesem Wunsch entsprechen möchten.

Carsten Schröter-Lorenz

 
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Vereinsdaten

Vereinsname:1. FC Kaiserslautern
Gründungsdatum:02.06.1900
Mitglieder:17.466 (01.07.2017)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Fritz-Walter-Straße 1
67663 Kaiserslautern
Telefon: (0631) 31 88 0
Telefax: (06 31) 31 88 29 0
E-Mail: info@fck.de
Internet:http://www.fck.de


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