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20.05.2014, 18:19

Darmstadt: Nach dem Aufstieg beginnen die Planungen

Lilien im "Olymp der Verrückten und Bekloppten"

Vor rund einem Jahr stand SV Darmstadt 98 schon mit mehr als einem Bein in der Viertklassigkeit, am Montagabend fand eine märchenhafte Spielzeit der "Lilien" ihr Happy End: In einem Schlussakt mit viel Tempo und zahlreichen Wendungen sicherten sich die Darmstädter den Aufstieg in die 2. Bundesliga, der selbst nach dem entscheidenden Treffer in der Nachspielzeit der Verlängerung noch am seidenen Faden hing.

"2. Bundesliga am Bölle": Marco Sailer feiert den Triumph im Aufstiegs-Shirt.
"2. Bundesliga am Bölle": Marco Sailer feiert den Triumph im Aufstiegs-Shirt.
© imagoZoomansicht

Nur aufgrund des Lizenzentzuges für die Kickers Offenbach blieb Darmstadt 98 nach einer schwachen Saison 2012/13, die man auf dem 18. Rang abschloss, in der 3. Liga. Mit einer Sammlung an Spielern, "die kein anderer wollte", wie Trainer Dirk Schuster anmerkte, ging es in eine Spielzeit, in der im Grunde nur der Klassenerhalt das Ziel sein konnte. Doch nach einem wechselhaften Start, der zwischen drei Liga-Partien ohne Sieg und mit nur zwei Punkten die Pokalüberraschung gegen Mönchengladbach (5:4 i.E.) sah, stabilisierten sich die Südhessen. Von Rang 13 schossen die "Lilien" zwischenzeitlich auf Platz zwei vor, in der Rückserie zementierten sie den dritten Rang hinter Heidenheim und Leipzig.

Gründe des Erfolgs: "DSE" und die Defensive

Zwei Hauptgründe gab es für die erfolgreiche Liga-Saison: Dominik Stroh-Engel hatte die Spielzeit seines Lebens, traf in 34 Spielen 27-mal und damit so oft wie noch kein Drittliga-Spieler seit Einführung der eingleisigen Spielklasse zuvor. Und die Abwehr der Südhessen stand. 18-mal spielte der SV98 zu Null - in der 3. Liga gelang das erst vier anderen Teams häufiger: Union Berlin 2008/09 (21-mal), Eintracht Braunschweig 2010/11 (23-mal), der Karlsruher SC 2012/13 (19-mal) und Heidenheim in der aktuellen Spielzeit (21-mal) stiegen jeweils als Erster sicher auf - Darmstadt musste in die Relegation.

Und in der sorgten die "Lilien" am Montagabend für ein Herzschlagfinale, das nur schwer zu steigern ist. 1:3 hatte die Schuster-Elf im Hinspiel zu Hause gegen Bielefeld verloren, scheinbar nahezu chancenlos kamen sie zum Rückspiel auf die Alm. Doch der Underdog glaubte an seine Chance, trug diese Überzeugung auf den Platz und dominierte damit einen Kontrahenten, der sich offenbar schon zu sicher war.

Der Drittligist übernahm auf fremdem Platz sofort das Kommando, spätestens als Torjäger Stroh-Engel in der 23. Minute für die "Lilien"-Führung sorgte, war die Zuversicht bei den Gästen greifbar. Und die Spannung steigerte sich immer mehr: Auf Hanno Behrens' 2:0 folgte fast postwendend der Anschluss durch Felix Burmeister. Eine perfekte Direktabnahme von Jerome Gondorf sorgte elf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit für das 3:1 aus Darmstädter Sicht - der Ausgleich im Relegations-Rennen. Da DSC-Schlussmann Stefan Ortega in der Nachspielzeit noch gegen Aytac Sulu auf dem Posten war, ging es in die Verlängerung.

Verlängerung: Przybylko bricht die "Lilien"-Moral nicht

Zunächst gönnten sich beide Teams eine kurze Verschnaufpause, ehe das Spiel - und damit die gesamte Saison - auf einen spektakulären Höhepunkt zusteuerte. Kacper Przybylko traf in der 110. Minute zum 2:3 für Bielefeld und stellte damit schon einmal klar: Ein Elfmeterschießen würde es nicht mehr geben.

Doch auch so wurde es dramatisch. SV98-Trainer Schuster brachte mit Elton da Costa seinen dritten und letzten Joker, der zwar nur noch sechs Ballkontakte haben sollte, dafür aber den einen entscheidenden: In der zweiten Minute der Nachspielzeit brachte die Arminia den Ball am Strafraum nicht weg, da Costa nahm aus 20 Metern direkt Maß und traf rechts neben den Pfosten. Die Freude bei den Darmstädtern war riesig, die Ersatzspieler stürmten jubelnd auf den Platz.

Doch noch war die Partie nicht vorbei. "Nach dem 4:2 haben wir uns fast ein bisschen zu sicher gefühlt", meinte Schuster später - denn Bielefeld bekam tatsächlich noch die Möglichkeit zum Gegenschlag: Torhüter Ortega bereitete per Kopf vor, doch Arne Feick setzte das Leder mit seinem Kopfball an den Pfosten! Den anschließenden Tumult im Strafraum bereinigte Stroh-Engel mit einem Befreiungsschlag.

Moment des Erfolgs: Trainer Dirk Schuster und die anderen Darmstädter stürmen aufs Feld.
Moment des Erfolgs: Trainer Dirk Schuster und die anderen Darmstädter stürmen aufs Feld.
© imago

Dann war es tatsächlich geschafft: Schiedsrichter Dr. Jochen Drees beendete die Partie, die Freude bei den Darmstädtern entlud sich, Tränen flossen auf beiden Seiten. Nach 21 Jahren hatte Darmstadt 98 die Rückkehr in die 2. Liga geschafft. "Heute sind wir aufgestiegen in den Olymp der Verrückten und Bekloppten", freute sich Stürmer Marco Sailer: "Dass wir hierher fahren und vier Tore schießen, hat außer uns keiner geglaubt." Sein Trainer bemühte gar den Glauben an höhere Mächte: "Es gibt einen Fußball-Gott, der uns heute für den Aufwand belohnt hat, den wir betrieben haben."

Ab Mittwoch haben wir unsere Hausaufgaben zu machen.Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch

Nach dem Aufstieg müssen sich die Darmstädter aber auch mit ganz irdischen Problemen auseinandersetzen. So zum Beispiel mit den Problemen, die das in die Jahre gekommene Stadion am Böllenfalltor aufwirft, das nicht mehr den von der DFL gesetzten Standards entspricht. "Wir müssen uns mit unserer Infrastruktur beschäftigen. Ab Mittwoch haben wir unsere Hausaufgaben zu machen. Es ist eine zeitliche Frage, das fängt mit der Rasenheizung an", erklärte Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch. Zudem entspricht die Flutlichtanlage nicht den Anforderungen, einige Zuschauerblöcke müssen saniert werden. Einen Plan B hat Fritsch schon in der Tasche: "Wir haben sicherheitshalber ein Ausweichstadion mit dem FSV Frankfurt benannt." Ab Januar 2015 soll in Darmstadt für rund 27 Millionen Euro eine moderne Arena erbaut werden.

2. Bundesliga-Relegation, 2013/14, Relegation
Arminia Bielefeld - SV Darmstadt 98 2:4
Arminia Bielefeld - SV Darmstadt 98 2:4
Mit der Fahne voran

Darmstadts Hanno Behrens feiert den Aufstieg mit der Lilien-Fahne in der Hand vor dem Auswärtsblock.
© picture alliance

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20.05.14
 
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weitere Infos zu Sailer

Vorname:Marco
Nachname:Sailer
Nation: Deutschland
Verein:Wacker Nordhausen
Geboren am:16.11.1985

weitere Infos zu Schuster

Vorname:Dirk
Nachname:Schuster
Nation: Deutschland
Verein:FC Augsburg

Vereinsdaten

Vereinsname:SV Darmstadt 98
Gründungsdatum:22.05.1898
Mitglieder:7.600 (01.07.2016)
Vereinsfarben:Blau-Weiß
Anschrift:Nieder-Ramstädter Straße 170
64285 Darmstadt
Telefon: (0 61 51) 66 66 98
Telefax: (0 61 51) 66 66 99
E-Mail: info@sv98.de
Internet:http://www.sv98.de/