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30.05.2013, 15:46

Abrokat sieht "unwürdige und charakterlose Vorstellung"

Spielunterbrechung: Hansa-Fans gehen eigene Spieler an

Einen doppelten Rückschlag musste Hansa Rostock am Mittwochabend hinnehmen. Sportlich verschenkte der Drittligist durch eine indiskutable Leistung beim 0:3 im Landespokalfinale gegen die klassentiefere TSG Neustrelitz einen Start im DFB-Pokal. Noch schwerwiegender dürften sich aber Ausschreitungen von Hansa-Anhängern auswirken, die während des Spiels auf den Platz gestürmt waren und Spieler der eigenen Mannschaft angegangen hatten.

Thomas Abrokat, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Hansa Rostock
"Wir verurteilen dieses Verhalten Einzelner auf das Schärfste", bewertete Thomas Abrokat die Vorgänge in Neustrelitz.
© picture allianceZoomansicht

Rund 50 Personen aus dem Lager der Hansa-Anhänger hatten in Neustrelitz nach dem Treffer zum 0:3-Endstand in der 77. Minute den Platz gestürmt. Auf dem Rasen gingen sie die Hansa-Profis verbal und teilweise auch leicht körperlich an - nach Augenzeugenberichten waren unter anderem Michael Blum und Matthias Holst betroffen. Die Polizei musste einschreiten und sorgte dafür, dass die Partie nach einer etwa siebenminütigen Unterbrechung fortgesetzt werden konnte. Im Rahmen der Begegnung wurden vier Personen wegen verbotener Pyrotechnik, Körperverletzung und Beleidigung vorübergehend in Gewahrsam genommen.

"Das sind natürlich Dinge, die der Verein scharf verurteilt", sagte Hansa-Vorstandschef Michael Dahlmann und kündigte Konsequenzen an: "Es ist klar, dass wir nach so einem Tag nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen können."

Hansa verurteilt in offiziellem Statement Gewalt

In einem offiziellen Statement am Donnerstag entschuldigte sich der FC Hansa "in aller Form beim Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern und allen Fußballfans." In der Verlautbarung erklärt Dahlmann für den Klub: "Gewalt, egal in welcher Form, werden wir nie akzeptieren und dulden wir auch nicht. Deshalb distanzieren wir uns auch entschieden von dem Fehlverhalten dieser Einzeltäter. Bei allem Verständnis für die Frustration und Wut über das maßlos enttäuschende Auftreten der Mannschaft ist es nicht zu tolerieren, dass diese in Gewalt und Bedrohung ausarten."

Auch Thomas Abrokat, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Hansa, äußerte sich: "Mit dem Betreten des Spielfeldes ist eine Grenze überschritten worden. Wir verurteilen dieses Verhalten Einzelner auf das Schärfste. Bei aller Enttäuschung über den absolut inakzeptablen Auftritt unserer Mannschaft sollte jedem bewusst sein, dass man mit solch einem Verhalten unserem Verein und allen am Spiel beteiligten Personen schadet." Mit klaren Worten griff Abrokat zudem die Mannschaft an: "Aber auch die unwürdige und charakterlose Vorstellung von Teilen unserer Profis hat dem F.C. Hansa einen großen Imageschaden zugefügt."

Ich muss mich stark zusammenreißen, um mir nicht den Mund zu verbrennen.Hansa-Trainer Marc Fascher

Die Spieler hatten nach der Begegnung ebenfalls schockiert reagiert. Für Stürmer Johan Plat war es ein "absoluter Tiefpunkt". Innenverteidiger Holst verurteilte das Fanverhalten ("Natürlich ist da eine Grenze überschritten worden"), zeigte sich aber auch selbstkritisch: "Wenn wir aber besser gespielt hätten, hätten wir das verhindern können." Trainer Marc Fascher, der in Neustrelitz zum letzten Mal auf der Hansa-Bank saß, verkniff sich angesichts der Geschehnisse einen Kommentar: "Ich muss mich stark zusammenreißen, um mir nicht den Mund zu verbrennen."

Strafe durch den DFB droht

Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV), bezeichnete die Vorfälle gegenüber dem SID als "eine neue Dimension der Fangewalt" und ließ durchblicken, dass den Rostockern nun weiteres Ungemach von Seiten des DFB droht: "Der Landesverband ist verpflichtet, den Vorfall dem DFB zu melden. Das wird er machen, und dann wird man sehen, ob es Strafen gibt."

Ein Abend zum Vergessen also für den FCH. Und ein Abend, der die Bemühungen des Klubs um einen Neuaufbau geradezu torpediert. Hansa-Sportdirektor Uwe Vester bezeichnete das erstmalige Verpassen des DFB-Pokals bereits als "Katastrophe". Neben den sportlichen Auswirkungen ("Wir wollen eine neue Mannschaft aufbauen. Diese hat jetzt leider nicht die Chance, sich im Pokal zu beweisen") gibt es natürlich auch finanzielle: Knapp über 100.000 Euro sind jedem Erstrunden-Teilnehmer im Pokal garantiert. Geld, das der finanziell angeschlagenen Klub gut gebrauchen könnte, auch wenn Auswirkungen auf die Lizenzerteilung für die kommende Spielzeit nicht zu erwarten sind, da die Einnahmen nicht in den beim DFB eingereichten Unterlagen eingeplant sind.

Es trägt nicht dazu bei, das Image des Vereins aufzubessernHansa-Sportdirektor Uwe Vester

Die Fan-Attacke auf die eigenen Spieler setzte dem ganzen die Krone auf. Zur absoluten Unzeit, schließlich befindet sich auch der FC Hansa in Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen. "Es trägt nicht dazu bei, das Image des Vereins aufzubessern", musste Vester beschönigt eingestehen. Der Neuaufbau in Rostock wird somit zusätzlich erschwert.

30.05.13
 
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Vereinsdaten

Vereinsname:Hansa Rostock
Gründungsdatum:28.12.1965
Mitglieder:10.500 (01.11.2015)
Vereinsfarben:Weiß-Blau
Anschrift:Trotzenburger Weg 14
18057 Rostock
Telefon: (03 81) 49 99 91 0
Telefax: (03 81) 49 99 97 0
Internet:http://www.fc-hansa.de/