Die Erleichterung nach zuvor sechs sieglosen Spielen in Folge ist groß beim zweimaligen DDR-Meister. Mit zwei Toren schoss Smail Morabit den FC Rot-Weiß zum 3:2-Heimsieg über Chemnitz - gleich in seinem ersten Einsatz von Beginn an nach zweimonatiger Verletzungspause. Zwei Flachschüsse aus 16 Metern landeten jeweils im linken Eck und schürten beim Tabellenletzten sogleich die Hoffnung auf bessere Zeiten.
"Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung", gab der 24-Jährige Komplimente gern weiter, relativierte aufkeimende Euphorie aber sofort: "Nur wenn wir am Dienstag gegen Babelsberg und am Sonntag in Darmstadt gewinnen, können wir von einem Befreiungsschlag sprechen." Sein Ziel seien klar weitere sechs Punkte in "der Woche der Wahrheit". "Smail ist ein überragender Spieler. Er hilft jeder Mannschaft", findet Sturmkollege Mijo Tunjic (24), der per Kopf die Führung erzielt hatte und erstmals zu Hause jubeln konnte.
„"Smail kann Spiele allein entscheiden."“Trainer Alois Schwartz
Wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade war Morabit wochenlang verletzt, quälte sich in der Reha und musste tatenlos mitansehen, wie Rot-Weiß immer weiter abstürzte. Zwar hat der Franzose nach eigenem Bekunden erst 60 Prozent seines Fitnesszustandes erreicht. Doch allein mit seiner Beweglichkeit und Ballfertigkeit bereitete er Chemnitz auf dem nassen Rasen erhebliche Probleme.
Trainer Alois Schwartz (45), der sich über seinen ersten Heimsieg freuen durfte: "Smail kann Spiele allein entscheiden. Das hat man gesehen. Aber vor allem bin ich mit der Einstellung der gesamten Mannschaft zufrieden. Auch mal Meter umsonst zu machen, so stelle ich mir Abstiegskampf vor." Ob er gegen Babelsberg erneut Andreas Sponsel das Vertrauen im Tor ausspricht, ließ Schwartz offen: "Andi hat keinen Fehler gemacht. Bei den Gegentoren war nichts zu halten." Zwar hatte sich die bisherige Nummer 1, Marcus Rickert, nach einer Schulterverletzung und zweitägiger Pause schmerzfrei zurückgemeldet. Das Risiko war dem Trainer aber offenbar zu groß.
Neben Morabit hat Erfurt seit Montag noch einen zweiten Hoffnungsträger: Die Thüringer gaben die Verpflichtung von Marko Kopilas bekannt. Der 1,95 Meter große Abwehrrecke soll helfen, die anfällige Defensive - Erfurt kassierte mit 32 Gegentoren die meisten in Liga drei - zu stabilisieren. Der 29-Jährige, der die Erfahrung aus 59 Zweitliga-Spielen für Wehen Wiesbaden mitbringt, war schon im Oktober Trainingsgast, stellte sich anschließend aber auch noch in Rostock vor. Nun statteten ihn die Rot-Weißen mit einem Vertrag bis Saisonende aus. Kopilas, der zuletzt bis zum Sommer beim Ligakonkurrenten Darmstadt 98 spielte, ist sofort spielberechtigt und soll bereits im Nachholspiel am Dienstag gegen Babelsberg 03 auf der Bank sitzen.