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08.10.2017, 19:29

Harmonische Nürnberger Jahreshauptversammlung

Positiver Trend beim FCN - trotz Minus

"Wir hätten auch die schwarze Null präsentieren können, haben uns aber für diese Lösung entschieden": Der 1. FC Nürnberg hat für das abgelaufene Geschäftsjahr ein Minus vermeldet, sieht sich aber auf dem richtigen Weg. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Harmonisch: Auf Nürnberger Jahreshauptversammlungen ging es schon mal turbulenter zu als an diesem Sonntag.
Harmonisch: Auf Nürnberger Jahreshauptversammlungen ging es schon mal turbulenter zu als an diesem Sonntag.
© imagoZoomansicht

Ob es an der guten sportlichen Situation lag, oder ob sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzte? Die Jahreshauptversammlung beim 1. FC Nürnberg, einst oftmals eine tumultartige, mitunter niveaubefreite Veranstaltung, war wie im vergangenen Jahr von Harmonie und konstruktiven Debatten gekennzeichnet. Und daran änderte auch nichts, dass Finanzvorstand Michael Meeske den 906 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern erläutern musste, warum der FCN das abgelaufene Geschäftsjahr 2016/17 (Stichtag Ende Juni) mit einem Minus abgeschlossen hat.

Die Welt der Finanzen ist nicht immer eine einfache. Wer sich vorgenommen hatte, ein Geschäftsjahr mit einer schwarzen Null abzuschließen und dann aber wie erwartet (der kicker berichtete) einen Verlust von 1,9 Millionen Euro verkünden muss, der kann eigentlich nicht von einem positiven Trend sprechen. Meeske hat bei der Jahreshauptversammlung genau dies gemacht - und damit doch keine Schönrednerei betrieben.

Der weitaus wichtigere Stichtag für den Club ist der 31. Dezember

"Wir hätten auch die schwarze Null präsentieren können, haben uns aber für diese Lösung entschieden, weil sie für den Verein mittel- und langfristig besser ist", betonte Meeske. So hätte der FCN zum Beispiel den Transfer von Stefan Kutschke zum FC Ingolstadt (rund 1,2 Millionen Euro) bilanztechnisch noch im abgelaufenen Geschäftsjahr (Stichtag 30. Juni) unterbringen können. Das Ergebnis hätte besser ausgeschaut, ohne dass es aber den Verein vorangebracht hätte. "Ein Stichtag ist immer ein Stück weit nur eine Momentaufnahme mit beschränkter Aussagekraft", ergänzte Dr. Thomas Grethlein.

Der weitaus wichtigere Stichtag für den Club ist ohnehin der 31. Dezember: Da darf der Verein gemäß der DFL-Statuten im Vergleich zum Vorjahr seinen Schuldenberg, sprich negatives Eigenkapital, nicht erhöht haben. Mehr noch: Um fünf Prozent muss er ihn abgetragen haben. Eine Auflage, die bei den Verantwortlichen zuletzt für etliche Sorgenfalten auf der Stirn gesorgt hatte. Verfehlt man sie, setzt es eine Geldstrafe, reißt man sie mehrmals in Folge, gibt es zusätzlich einen Punktabzug.

Meeske sieht die Gefahr einer Geldstrafe derzeit nicht

Genau dies wäre dem FCN passiert, hätte er im vergangenen Jahr die DFL-Auflage nicht erfüllt. Bekanntlich konnte er dies, doch das Überspringen der Hürde war nicht einfach und letztendlich knapp. Nun sieht Meeske dem Jahreswechsel im Vergleich zum Vorjahr deutlich "entspannter und positiver" entgegen. In Zahlen: Auf 6,23 Millionen Euro belief sich am 31. Dezember 2016 der Schuldenstand, am Ende dieses Jahres muss er auf etwa 5,9 Millionen Euro gesenkt werden, sonst erhält der FCN eine Geldstrafe. Eine Gefahr, die laut Meeske derzeit nicht besteht. Der Finanzvorstand geht davon aus, dass das negative Eigenkapitel am Ende des Jahres rund 4,8 Millionen Euro betragen wird.

Bei seinem Vortrag gab er weitere Beispiele dafür, warum der Trend trotz des negativen Ergebnisses insgesamt ein positiver ist. Als Meeske im September 2015 seinen Dienst antrat, lag der Verein finanziell gesehen als Kummerpatient auf der Intensivstation. Er musste, um seine Unterdeckung im Etat einigermaßen auszugleichen, hohe Transfererlöse erzielen. Dieser Druck konnte nunmehr sukzessive abgebaut werden. Im Geschäftsjahr 2015/16 hatte der FCN Spieler für 13,9 Millionen Euro verkauft, im jüngst abgelaufenen waren es "nur" noch 6,1 - und im laufenden müsse der FCN laut Meeske, wenn überhaupt, nur noch einen Gewinn von rund einer Million Euro machen. Derzeit geht der Finanzvorstand davon aus, dass am Ende des Geschäftsjahres 2017/18 ein Gewinn von rund 500.000 Euro stehen wird.

Der FCN kann langfristig in der 2. Liga überleben, dies wird aber zu Lasten der sportlichen Ambitionen gehen.Michael Meeske

"Unsere Liquidität hat sich deutlich verbessert, der Druck, Spieler verkaufen zu müssen, ist signifikant geringer geworden. Und wir haben auch keine Unterdeckung des Etats mehr", machte Meeske den positiven Trend zusammenfassend deutlich. Anders ausgedrückt: Die von den Vorgängern hinterlassenen Altlasten sind weitgehend abgebaut. Waren Meeske wie auch sein Vorstandskollege, der fürs Sportliche zuständige Andreas Bornemann, lange Zeit Getriebene, so können sie nunmehr weitaus mehr gestalten.

Doch was der Finanzvorstand auch deutlich machte: Dem FCN wird es in der 2. Liga dauerhaft nicht gelingen, seine Schulden deutlich abzubauen und zugleich ein ernsthafter Kandidat für den Aufstieg zu bleiben. "Der FCN kann langfristig in der 2. Liga überleben, dies wird aber zu Lasten der sportlichen Ambitionen gehen. Wenn du in dieser Liga einen Gewinn im mittleren sechsstelligen Bereich ausweisen kannst, hast du als Verein einen guten Job gemacht", sagte Meeske.

Das Thema Investor bleibt heikel

Eines wurde dabei deutlich: Das Gesundwerden ist und bleibt ein mühsamer, langer Weg. Um ihn entscheidend abzukürzen, bedarf es eines Befreiungsschlags. Dies könnte ein Aufstieg am Ende dieser Saison sein, aber noch vielmehr der Einstieg eines Investors. "Das sind die Zeichen der Zeit", sagte Meeske, der mit der Unterstützung des Aussichtsrates weiter mit Hochdruck an dieser Lösung arbeitet, nachdem die dafür notwendige Ausgliederung Ende Juni getreu der Devise "erst der Investor" verschoben wurde.

Dass es sich dabei um ein heikles Thema handelt, zeigte sich auch an diesem Sonntagnachmittag, ohne dass dies der Harmonie Abbruch getan hätte. Die Vorstände und der Aufsichtsrat wurden mit viel Applaus und nur einer Handvoll an Gegenstimmen entlastet. Und über den im Kern durchaus Brisanz bergenden Antrag, den organisierten Fangruppen bei der Zusammensetzung des Aufsichtsrates deutlich mehr Mitspracherecht einzuräumen und dafür die Satzung zu ändern, wurde in der Sache zwar kontrovers, aber jederzeit fair diskutiert. Der Antrag, der eine Zustimmung von 75 Prozent gebraucht hätte, scheiterte klar, nur rund 23 Prozent stimmten ihm zu.

Der Aufsichtsrat bleibt unverändert - Mitgliedsbeiträge sinken stark

Apropos Zustimmung: Die Mitglieder konnten über drei Plätze im neunköpfigen Aufsichtsrat abstimmen: Dr. Thomas Grethlein, Stefan Müller und Günther Koch stellten sich dabei erneut zur Wahl, Andreas Hock und Erwin E. Schwab erweiterten den Kandidatenkreis. Durchgesetzt haben sich mit klarem Vorsprung die bisherigen Aufsichtsräte, somit bleibt das Gremium unverändert.

Beschlossen wurde schließlich auch noch, den Mitgliedsbeitrag für Vollzahler stark zu reduzieren, um so die Mitgliederzahlen deutlich zu steigern. Er soll von derzeit 95 Euro auf rund 60 gesenkt werden. Im Gegenzug werden allerdings einige Sondervergünstigungen, etwa für Studenten, wegfallen.

Chris Biechele

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